Viele Köche verderben den Brei: nicht immer – manchmal wird er auch schmackhafter. In den sizilianischen Kochtöpfen rührten Araber und Normannen, Spanier und Österreicher, auch Briten und Nordafrikaner setzten Akzente. Dazu steuerte die Natur einen prallvollen Gabenkorb bei und die sizilianische mamma ihr Temperament.
Wenn die Tomaten heranreifen, serviert man hier gern eine sizilianische Vorspeise, Pomodoro verde: Dafür werden die noch grünen Tomaten in Scheiben geschnitten und über Nacht in einem Salzbett eingelegt. Am nächsten Tag lässt man die Salzlake abtropfen und legt die Tomatenscheiben für weitere zwölf Stunden in Weißweinessig. Dann werden sie mit einem Küchentuch abgetupft, mit frischem Oregano, Pfeffer und kleingehacktem Knoblauch angerichtet. Zum Schluss ein paar Spritzer Olivenöl – fertig zum Genuss! Diese Vorspeise ist typisch für die sizilianische Küche. Sie begnügt sich mit den saisonalen Gaben der Natur, mit Kapern beispielsweise, die als wildes Gemüse bevorzugt auf den Vulkaninseln der Egaden und Liparen und auf Pantelleria wachsen. Kurz bevor die Knospen erblühen, werden sie geerntet, in Salz eingelegt und als würziger Zusatz zu Salaten und Saucen verwendet. Cucunci, die Früchte des Kapernbusches, kredenzt man als beliebten Aperitif. Als kalt servierte Vorspeise schätzt man auch Caponata – Auberginen, Tomaten, Paprika, Kapern und Zwiebeln gedünstet. Wilder Gebirgsfenchel ist ein elementarer Bestandteil des sizilianischen Lieblingsgerichts Pasta con le sarde (Nudeln mit Sardinen). In der ebenfalls gern gegessenen Pasta alla Norma harmonieren reife Tomaten, Auberginen, Knoblauch, Basilikum und Ricotta. Unter den Gaben des Meeres bevorzugt die sizilianische Hausfrau neben Sardinen auch Thunfisch, Sardellen, Schwertfisch und alle Arten von Meeresfrüchten. Beliebte Fleischgerichte sind Kaninchen (Coniglio alla Siciliana mit Karotten, Oliven und Pfefferminze gegart) oder gehaltvolle Rouladenspießchen aus Rindfleisch, Spedini alla palermitana.
Viele der traditionellen Früchte, Käse und Zubereitungsarten wären längst unter dem
international üblichen kulinarischen Einheitsschäumchen verschwunden, hätte es sich nicht ein Ableger der Slowfood-Bewegung in Messina zur Aufgabe gemacht, Originär-Sizilianisches zu erhalten. Gefördert werden Anbau und Vermarktung regionaler Produkte, aber auch die Zucht des asino ragusano, des Esels von Ragusa, denn das früher allgegenwärtige Last- und Arbeitstier ist mittlerweile fast ganz aus sizilianischen Ställen verschwunden. Clara Rametta, Besitzerin des Hotels Signum in Malfa, initiierte in den 1990er-Jahren ein großes Kapernfest, die sagra del cappero im Dörfchen Pollara, und grub nicht nur zahllose alte Kapernrezepte aus, sondern erkannte auch den Nutzen der Kapern für die Körperpflege: Im Spa ihres Hotels sind heute Behandlungen mit Meersalz, Honig, Olivenöl und Kapern der Renner.
Ihren Einfluss auf die sizilianische Küche verdankt die nordafrikanische Kochtradition der rund 300 Jahre währenden arabischen Präsenz auf der Insel und dem steten Zustrom nordafrikanischer Migranten. Besonders lecker: In Trapani bereitet man Couscous mit einer sämigen Fisch-/Gemüsesauce zu, in der möglichst viele verschiede ne Fischsorten, reife Tomaten, Knoblauch, Karotten, Sellerie, Zwie beln, ein Peperoncino, zerstoßene Mandeln und Safran geköchelt haben. Couscous mit Fleisch kennen die Westsizilianer auch: Es ist das traditionelle Gründonnerstagsgericht und wird aus Schweinefleisch zubereitet – nichts für Muslime also.
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