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Kulturförderung
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Klotzen für die Kultur 

von Astrid Pawassar

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Quelle: ©DuMont Bildatlas / Ernst Wrba

Der Freistaat Sachsen weiß, was er der Kultur im Lande schuldet. Für Theater, Museen und Orchester in Dresden gibt er jährlich 60 Millionen Euro aus. Doch die Kultureinrichtungen wissen auch ganz gut sich selbst zu helfen.

Die Bundeskanzlerin war da und der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Wladimir Putin und Königin Margrethe II. von Dänemark. Sie wollten die Schatzkammer Augusts des Starken, das Historische Grüne Gewölbe sehen. Das Dinner serviert man solch hohem Besuch gerne auf kostbarem Meißner Porzellan im stilvollen Ambiente der Galerie Alte Meister. Prominente Gäste sind gerne gesehen bei den Staatlichen Kunstsammlungen, dem mit zwölf Museen zweitgrößten Museumsverbund in Deutschland. Das Credo lautet: Kunst schafft Identität.

Gegen die Fluten steigern

Die große Flut des Jahres 2002 hatte auch die Kunstsammlungen hart getroffen; die Bilder der Zerstörung gingen um die Welt. 45 Künstler stifteten als Hilfsaktion eigene Werke. Beeindruckende 3,4 Millionen Euro erbrachte ihre Versteigerung bei Sothebys in New York. Mit diesem finanziellen Polster trat der damalige Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Martin Roth selbstbewusst an die Sächsische Landesregierung heran und forderte weitere Unterstützung, damit das Albertinum zu einem großartigen Museum der Moderne ausgebaut werden konnte. Und nicht nur das. Die Erfahrungen des Hochwassers zeigten, dass die umfangreichen Kunstbestände in den Depots hilflos den Unbilden der Natur ausgeliefert waren.

Der Architekt des neuen Albertinums, Volker Staab, kam daher auf die Idee, den Innenhof des Gebäudes zu überdachen und darunter zwei Etagen für die 6500 eingelagerten Kunstwerke und Restaurierungswerkstätten einzuziehen. Das überzeugte auch die Sächsische Landesregierung, die 51,2 Millionen Euro für den Umbau des Gebäudes auf den Tisch legte. Und bei der Einweihungsparty gaben gleich wieder 20 Dresdner Künstler ihre Werke zur Versteigerung. Diesmal kamen beachtliche 18 000 Euro für die Restaurierung des Canaletto-Bildes „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ zusammen.

„Zukunft seit 1560“

Der Titel der Jubiläumsausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen verweist auf den Weitblick, den schon die sächsischen Kurfürsten hatten. Bislang unerreicht in Originalität und Witz war allerdings die Werbekampagne zur Eröffnung der „Türckischen Cammer“. Mit türkischen Kulturvereinen wurden für die Plakatierung die Slogans „Kültürdialog“ und „Weltkültürerbe“ abgestimmt, türkische Imbisse steckten ihre Döner in Tüten mit aufgedruckter Werbung für die Ausstellung im Schloss. Postkarten mit türkischen Sinnsprüchen wurden verteilt. Und die Rechnung ging auf: Nun findet auch das türkische Bildungsbürgertum den Weg nach Dresden.

Kunst für die Jugend

Russland und Dänemark, die USA und China – überall auf der Welt zeigen die Sachsen ihre Staatsschätze vor, aus Dankbarkeit für die Rückgabe von Beutekunst oder um im Dialog über Kultur Grenzen zu überwinden. So wird in aller Welt das Interesse an Dresden geweckt. Hotels und Gewerbe der Stadt danken es den Museen durch Werbung, Sponsoring und Kooperationen. Im Gegenzug dürfen sie sich auch für Empfänge und Dinners zwischen den Kunstwerken einmieten – für 750 bis 8 000 Euro.

Aber erst wenn die Jugend ihren Weg in die Museen findet, sind die Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen zufrieden. Deshalb ist für Kinder bis 16 Jahre der Eintritt in die Museen frei. Die Museumspädagogik hält eine Vielzahl an Angeboten für Schulklassen bereit; Schüler erklären einmal im Monat „Auf junge Art“ mit großem Engagement Bilder in den Kunstsammlungen. Und auch die Mediennutzung der Jugend findet bereits ihre Berücksichtigung: „Second World“, Facebook und Twitter gehören zu den Online-Plattformen der Staatlichen Kunstsammlungen.

Kunst zum Klingen bringen

Ein wahres Organisationstalent und glänzender Netzwerker ist auch der Dresdner Cellist Jan Vogler. Der international renommierte Künstler schafft es scheinbar mühelos, als Intendant der Dresdner Musikfestspiele weltberühmte Kollegen an die Elbe zu holen. Zu DDR-Zeiten, Ende der 1970er Jahre, war Dresden per Verfügung des SED-Zentralkomitees auserkoren worden, ein Musikfestival von Weltrang zu organisieren. Das Niveau ohne nennenswerte staatliche Unterstützung auch nach der politischen Wende zu halten, war eine Herausforderung, die seit 2008 hervorragend gelingt. Uraufführungen und musikalische Wiederentdeckungen, Altbewährtes und Ungewöhnliches wechseln sich im reichhaltigen Programm während der beiden Festspielwochen um Pfingsten herum ab.

Neue Wege gehen

Weil Dresden weg will vom angestaubten Image der Barockstadt, kann das privat initiierte Kunstfestival „Ostrale“ nun auch mit städtischen Zuschüssen arbeiten. Mit wachsendem Zuspruch organisiert ein kleines Team seit 2007 eine Ausstellung der besonderen Art. Das heruntergekommene denkmalgeschützte Gelände des alten Schlachthofes im sogenannten Ostragehege bietet der jungen Kunst einen außergewöhnlichen Ort zur Darstellung. Drei Wochen lang sind hier Kunstinstallationen, Performances und Workshops, Objektkunst und Fotografie zu erleben. Da kommen schon mal 11 000 Besucher, nehmen sich einen halben Tag Zeit für die frischen und frechen Kunstwerke – und Dresden steht unversehens mit einem Bein in der Subkultur.

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