Glenfiddich ist mit Abstand die berühmteste unter den schottischen Destillerien und steht wie keine andere für den Begriff „Single Malt“. Und das hat seine Gründe: Zum einen die Hartnäckigkeit und Vorausicht mit der William Grant, der Gründer der Destillerie, das Unternehmen auch durch schwierige Zeiten lenkte. Aber auch daran, dass Glenfiddich heute noch ein Familienunternehmen ist, das es geschafft hat, Expansion und traditionelle Herstellungsverfahren in Einklang zu bringen.
1866 begann William Grant seine Arbeit in der Mortlach Destillerie in Dufftown. Bereits damals hatte er einen Traum – seine eigene Destillerie. 20 Jahre später war es soweit:
Für 119 Pfund, 19 Schilling und 10 Pence erstand er die nötigen Gerätschaften und fand in Glenfiddich, dem „Tal des Hirschen“, das perfekte Stück Land für sein Unternehmen. Innerhalb gerade mal eines Jahres hatte er die Destillerie fast im Alleingang mit seiner Familie fertiggestellt und konnte am 1. Weihnachtstag des Jahres 1887 den ersten Schluck seines eigenen Whiskys genießen. Dank des kristallklaren Wassers aus der Robbie-Dhu-Quelle, der hochwertigen selbst angebauten Gerste, der klaren Luft der Highlands und vor allem der ungewöhnlich kleinen Brennblasen war sein Whisky von höchster Qualität.
Als 1898 Pattison Limited, der bedeutendste Whisky-Großhändler Schottlands, in Konkurs ging, mussten damit auch viele Brennereien schließen. Auch Grants Destillerie stand kurz vor dem Zusammenbruch, als er beschloss, Großhandel und Blending selber zu übernehmen – eine Entscheidung, die nicht nur Glenfiddich retten sollte, sondern das Unternehmen im Laufe der Zeit zum Marktführer für Single Malt Whisky machen sollte. Zunächst wurde 1903 ein Whiskygeschäft in Glasgow und bereits ein Jahr später ein Exportbüro in England eröffnet. Der Siegeszug Glenfiddichs konnte nun auch weltweit beginnen.
Inzwischen ist Glenfiddich in der fünften Generation nach William Grant in Familienhand. Einer der wichtigsten Pfeiler des Unternehmens ist nach wie vor die Herstellung des Whiskys durch das traditionelle Verfahren, was soweit geht, dass sogar die Dellen in den kupfernen Brennblasen nach dem Original reproduziert werden. Da nicht zuletzt auch die Robbie-Dhu-Quelle für die Qualität von elementarer Bedeutung ist, hat die Familie inzwischen die umliegende Hügellandschaft erworben, um die Quelle zu schützen.
Gleichzeitig waren innovative Ideen und Neuerungen stets wichtig für Glenfiddich, etwa als 1963 die Marke als Premium Single Malt weltweit zu vermarkten – zu einer Zeit, als fast ausschließlich Blended Whiskys getrunken wurden. Jüngstes Beispiel dafür wie, man aus einer eigentlichen Katastrophe etwas Innovatives schaffen kann, ist der „Glenfiddich Snow Phoenix“: Als im Januar 2010 aufgrund der Schneelast einige Dächer der Lagerhallen einbrachen, waren die wertvollen Whiskys einer Temperatur von -19 Grad Celsius ausgesetzt. Immerhin gingen nur ein paar Fässer komplett verloren. Als die Mitarbeiter zwischen den Trümmern standen hatte Malt Master Brian Kinsman eine Idee: „Mir kam die Idee, dass die Fässer einen fantastischen Non-Aged Single Malt ergeben könnten. Eine Limited Edition als Hommage an den Einsatz und Pioniergeist unserer Mitarbeiter.“ Das Ergebnis ist der spontanste Whisky Glenfiddichs, der dank Alterstufen zwischen 13 bis mehr als 30 Jahren aus amerikanischen und Europäischen Eichenfässern eine unverwechselbare Note erhalten hat.
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