Kaum ein anderes spanisches Produkt genieβt einen so hohen internationalen Bekanntheitsgrad wie die Weine aus der Rioja. Dabei ist die Rioja bei Weitem nicht die gröβte Weinbauregion Spaniens. Von knapp 1,1 Millionen Hektar Rebfläche im gesamten Land entfallen gerade mal 63000 auf das Erzeugergebiet La Rioja, zu dem auch die baskische Rioja Alavesa und Teile Navarras gehören. Inzwischen erkennen aber auch immer mehr Winzer anderer Regionen ihr eigenes Potenzial. „Individualität“ lautet denn auch das Credo etwa der Lagenweine „Vinos de Pago“.
Seit einem Jahrzehnt macht die Rioja auch mit avantgardistischen Bodegas Furore. Den Anfang bildete 2001 die spektakuläre „Welle“ der Bodega Ysios vom Stararchitekten Santiago Calatrava, dem Beispiel folgten Marqués de Riscal mit einem ebenso futuristischen Bau von Frank O. Gehry, López Heredia nahm Zaha Hadid unter Vertrag. Sollen die architektonischen Meisterwerke etwa von der nachlassenden Konkurrenzfähigkeit der Weine ablenken? Schlieβlich behaupteten noch vor wenigen Jahren böse Zungen, wer einen Rioja kenne, kenne sie alle. Haben sich die Winzer auf dem jahrhundertealten Ruf ausgeruht? Mitnichten, sagt Marian Carreira, Sprecherin der Bodega Ysios, „wir möchten vielmehr ein breites Publikum auf unsere Qualitätsweine aufmerksam machen.“ Im 21. Jahrhundert heiβt dies: Mit modernen Methoden die Identität der Riojas wahren und weiterentwickeln, so Luis Zudaire, Önologe bei Ysios. Die gefährlichsten Rivalen sind für den Winzer „Chile und Australien“. Doch auch im eigenen Land wächst die Konkurrenz. Längst spielen Weine mit Herkunfts bezeichnungen (D.O.) wie La Mancha, Jumilla, Priorat oder auch Utiel-Requena in der oberen Liga mit. Die edelsten spanischen Weine stammen gar nicht aus der Rioja, sondern aus der Bodega Vega Sicilia in der für erstklassige Rebsäfte bekannten Region Ribera del Duero. Selbst Exoten wie die Extremadura oder das kleine El Bierzo im Westen Castillas y Leóns bringen inzwischen bemerkenswerte Weine hervor. Die enorme Vielfalt Spaniens wird für Weinliebhaber
zunehmend mit dem Gaumen erlebbar, am markantesten bei den vor etwa zehn
Jahren aufgekommenen „Vinos de Pago“: Statt wiederholbare Marken wollen diese exklusiven, in kleinen Mengen gekelterten Lagenweine unverwechselbare Persönlichkeiten sein, geprägt von der Lage, dem Rebstock, dem Boden und dem Klima des Weinbergs.
Ende 2009 gab es neun gesetzlich anerkannte Vinos de Pago – alle in Navarra und Castilla-La Mancha. Die Rioja-Weine sind vielleicht das bekannteste spanische Produkt. Doch kann man auch anderswo manche positive Überraschung erleben.
Camino la Hoya s/n, E-01300 Laguardia (Alava)
Tel. 945 60 06 40 , Fax 945 60 05 20,
ysios@domecqbodegas.com, www.ysios.com
Besuchszeiten: Mo.–Fr. 11.00, 13.00 und 16.00 Uhr,
Sa./So. 11.00 und 13.00 Uhr.
Reservierung: Tel. 945 60 06 40.
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