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Reise & Freizeit
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Im vorderen Himalaya 

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Quelle: © theOUTSOURCEmag

Angetrieben von gleichmäßigen Ruderschlägen gleiten die kleinen Gondelboote über die spiegelglatte Wasseroberfläche, die sich vom kühlen Wind sichtlich unbeeindruckt zeigt. In diesem Moment ist nichts zu spüren von den politischen Spannungen in Kaschmir, dessen Name für einen der hartnäckigsten Konflikte unserer Zeit steht. Eine Reise in den nordindischen Bundesstaat offenbart die andere Seite der Medaille: Ein gastfreundliches, überwiegend moslemisches Völkchen, das in den südwestlichen Ausläufern des Himalaya mit der politischen Situation zu leben gelernt hat – ihr Schicksal hat die Menschen zusammengeschweißt.

Auf Holzgondeln im “Indischen Venedig”

Srinagar. Die Stadt im Norden ist die indische Variante Venedigs – mit weniger Prunk, weniger touristischem Tamtam. In flachen Holzgondeln schippern die Kaschmiris über den Dal-See, durch die kleinen Wasserstraßen, zwischen den schwimmenden Gärten entlang. Die großen braunen Erdhaufen im Wasser sprechen die Sprache eines rauen Winters, der sich noch immer nicht ganz verabschiedet hat. Noch ist schwer vorstellbar, dass hier schon bald wieder Blumen blühen und Gemüse gedeihen sollen. Der harsche Wind kriecht in die Ärmel der Ponchos, unter denen die Kaschmiri kleine Henkel-Körbchen mit glühender Asche tragen, um sich zu wärmen.

An den Ufern des Sees liegen wuchtige Gasthaus-Boote, ihre Verandas sind mit aufwändigen Holzschnitzereien verziert, im inneren bergen sie kleine, liebevoll eingerichtete und holzgetäfelte Zimmer: links und rechts zwei Betten mit blumigen Tagesdecken, ein Schrank, ein Tischchen und ein kleiner Ofen in der Mitte, der den kalten nordindischen Winter erträglicher werden lässt. So wie sein Rauch in den Kleidern, so setzt sich die warme, herzliche Atmosphäre augenblicklich in den Herzen derer Fest, die das Refugio betreten. Mit den Namen exotischer Blumen und Orte laden die Hausboote Gäste aus aller Welt zum Verweilen ein.

Frühling im Himalaya-Gebirge

© theOUTSOURCEmag Ortswechsel. Drei Autostunden sind es von Srinagar bis nach Naranag. Zwischen den schneebedeckten Gipfeln des Himalaya ist das kleine Dorf eingebettet in ein Tal, das in diesen Tagen unter der Frühlingssonne langsam aber sicher grün-gelb erblüht. Wie in einer Rinne zieht sich der nach dem Ort benannte Fluss durch die Senke hindurch und nimmt das herrlich klare Schmelzwasser der Schneefelder auf. Kleine, knorrige Holzbrücken bäumen sich über ihn. Zaghaft ziehen sich an den Berghängen steinige Pfade im Zickzack hinauf, auf denen die Dorfbewohner das im Wald geschlagene Brennholz auf dem Kopf ins Dorf transportieren. Der schmelzende Schnee hat sie stellenweise in wahre Schlitterpartien verwandelt.

© theOUTSOURCEmag Als die Sonne am frühen Abend hinter den Bergkuppen verschwindet, wird es augenblicklich eisig. Hinter schweren Vorhängen verstecken sich an der Sandpisten-Hauptstraße Naranags kleine Teestübchen, in denen sich neben den kalten Fingern auch die Gemüter erwärmen lassen. Nur durch das in den Schaufensterauslagen aufgetürmte kaschmirische Brot und den Marmorkuchen geben sie sich zu erkennen. Auf den Herdplatten stehen große Kessel, in denen der mit Safran, Kardamon und Zimt verfeinerte grüne Tee köchelt – eine lokale Spezialität, die die Geschmacksknospen mit der nordindischen Würze streichelt und die ihresgleichen sucht.

Zu Gast an der Feuerstelle

Auch in den Häusern der Menschen wird am Abend zusammengerückt. Ein mit Teppichen ausgelegter Raum dient als Wohn-, Ess- und Schlafzimmer. An der Außenwand steht ein wuchtiger Holzschrank, eine Ecke ist gefliest und mit einer offenen Feuerstelle und allerlei Geschirr ausgestattet. Hier bereiten die Frauen jeden Tag Gemüse, Fleisch und Chapati zu – dünne, runde Teigfladen, die auf einer heißen Platte über der Feuerstelle gebacken werden. Zum Essen versammelt sich die Familie um den Ofen, der auch hier den Raum in einen heimeligen Rückzugsort verwandelt. Im Schneidersitz sitzen sie vor den Metalltellern und schaufeln das Abendmahl mit den Fingern der rechten Hand gekonnt in die hungrigen Münder. Die Wasserpfeife, die mit glühenden Kohlen aus dem Feuer in Gang gebracht wird, ersetzt das westliche Dessert.

© theOUTSOURCEmag Barfüßig sitzen die Frauen und Mädchen am Abend auf den kalten Fliesen der Kochstelle beisammen. Das Abendprogramm besteht aus Klatschspielen und zuweilen einem Luftballon, der sich in der Hand eines Gastes hierher verirrt hat – ein kleines Stück Gummihaut, das die neugierigen Kinderaugen zum Leuchten bringt. Das Radio jodelt die neuesten Geschehnisse in Urdu und Hindi und versprüht vor dem Schlafengehen noch einen beinahe skurril wirkenden Hauch Kosmopolitismus. Es ist ein friedlicher Abend hier im krisengeschüttelten Kaschmir.

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