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MYTHOS HOLLÄNDISCHE TOMATEN
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Im Glashaus 

von Ute Fischer

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Quelle: ©iStockphoto.com/ Marlee90

Wenn in Deutschland Kinder ihre Stiefel für den Nikolaus aufstellen, beginnt in Holland die Tomatensaison. Jetzt pflanzen die Bauern ihre Setzlinge in die Gewächshäuser, damit sie ab März ernten können.

Es sind keine Gourmets, die sich heute noch über „Holländische Wasserbeutel“ lustig machen. Seit dem Stern-Bericht 1993 über die Geschmacklosigkeit der Holländischen Tomate entzündete sich ein wahrer Wettstreit unter Hollands Tomatenzüchtern. Strauch- oder Rispentomaten, Cherry- und Pflaumentomaten überraschten mit einer Geschmacksrevolution, die fortan auf Verkostungen die ersten Preise einheimsten. Die Deutschen merkten davon nicht viel, weil sich die Importeure der großen Handelsketten vorerst nicht an Holländische Tomaten
heranwagten; so überdauerte das schlechte Image Jahrzehnte.

UMWELTSCHUTZ WURDE MASSIV VERSCHÄRFT

Doch in Holland geschah noch mehr. Mit den neuen Sorten entwickelte sich auch ein ökologisches Denken und nicht nur als Verkaufsargument, sondern als Strategie für die Zukunft. Neue strenge Umweltgesetze zwangen zum ökologischen Umgang mit Wasser, Sonne, Dünger, Pflanzenschutz, Wahl der Transportbehälter und Transportwege. Wer sich dem widersetzte, verlor seine Existenz. Anders als in Kleingärten entwickeln sich holländische Tomaten nicht in Erde, sondern in einem viereckigen Quader aus Steinwolle, der mit Nährlösung getränkt wird. Das ermöglicht, dass Pflanzen mit Schädlingen einfach entfernt werden können, ohne die Nachbarpflanze anzustecken; denn auf Insektizide wird nun verzichtet. Den Beweis liefern puschelige Hummeln, die in kleinen Pappköfferchen zwischen den Pflanzen wohnen und die Bestäubung übernehmen. Spritzmittel würden sie nicht überleben. Wie Lianen hangeln sich die Pflanzen an Drähten hoch bis zum Dach des Glashauses. Damit der Ernter nicht auf die Leiter muss, werden die Drähte mit den Pflanzen im Verlauf des Wachstums herabgelassen und seitlich wie Schläuche weitergezogen, so dass die erntereifen Tomaten immer in Bodennähe hängen. Mit einer Art Lore fährt der Tomatenbauer zwischen den Reihen hindurch und muss nur rechts und links nach den roten Früchten greifen.

VON WEGEN EINHEITSTOMATE

Die ersten Rispentomaten ernteten Neugier und auch gleich Nachahmer. Sie dürfen in Holland erst geschnitten werden, wenn alle Früchte einer Rispe rot sind. Denn erst in der letzten Phase der Reife entwickelt sich der Geschmack. Der würzige Duft stammt indes vom Stengel. Gourmets nützen ihn als Geschmackszutat für Fonds und Soßen. Heute werden in Holland ungefähr 40 verschiedene Tomatensorten angebaut. Allein Deutschland bezieht jährlich inzwischen weit mehr als 300 000 Tonnen; davon etwa 50000 Tonnen normale Tomaten, rund 230000 Tonnen Strauchtomaten, 18 000 Tonnen Cherry- und 13 000 Tonnen Pflaumentomaten.

FAKTEN

Besichtigung & Führung

Seit über 30 Jahren laden die Gemüsezüchter mit der Initiative „Kom in de Kas“ (Komm ins Gewächshaus) an einem Wochenende Ende März oder Anfang April zur
Besichtigung in jährlich wechselnden Regionen des Landes ein.
www.komindekas.nl

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