Wer vor zwanzig Jahren seinen Besuch in Kapstadt, dem Weinland und der Garden Route, mit einer Safari krönen wollte, der musste bis in den Norden Südafrikas fliegen. Heute laden erstklassige Lodges im näher gelegenen Ostkap dazu ein.
Die weiten Ebenen und Täler des Ostkaps waren einst ein Garten Eden, in dem riesige Büffel- und Elefantenherden durch das Bushveld zogen,
hunderttausende Antilopen vor den Löwen flohen, Giraffen, Nashörner und die schnellen Geparden lebten. Von den Menschen hatten sie wenig zu befürchten, denn die Einheimischen erlegten nur, was sie zum Leben brauchten. Doch dann kam die Kolonialisierung und mit ihr die Großwildjagd und die Ausrottung fast aller Tiere. Anschließend wurde das wilde Buschland von den Bauern gerodet und bebaut. Doch 1992 kam die Umkehr. Ein Mann, Adrian Gardiner, hatte die Vision, das wilde Afrika wieder im Ostkap aufleben zu lassen. Seine Idee, ein Wildreservat mit den Big Five – Löwe, Elefant, Büffel, Nashorn und Leopard – und all den anderen Tieren aufzubauen. Viele in der noch jungen Tourismus-Industrie hielten ihn für übergeschnappt.
Gardiner kaufte einige riesige Farmen in der Nähe von Port Elizabeth auf und gründete das
Shamwari Game Reserve, das heute zu den erfolgreichsten Reservaten in Südafrika gehört. Viele andere Farmer in der Region folgten seinem Vorbild. Sie waren es leid, mit jeder Dürre fast an den Rand des Ruins gebracht zu werden. Für sie war das Umsteigen von Landwirtschaft auf Tourismus eine Frage des Überlebens. Einer der Gründe für den Erfolg der Naturparks im Ostkap ist sicher, dass die Region im Gegensatz zum Norden des Landes malariafrei ist. Hinzu kommt, dass Besucher, die Kapstadt, das Weinland und die Garden Route bereisen, nicht mehr bis nach Johannesburg fliegen müssen, um eine Safari zu erleben. Die Auswahl ist groß – fährt man von Port Elizabeth nach Grahamstown weisen alle paar hundert Meter Schilder zu wieder einem anderen Game Reserve.
Von der Luxusbleibe Kwandwe, das zur Relais & Chateaux Gruppe gehört, bis zu Lalibela Game Reserve, dessen Preise den Geldbeutel nicht so strapazieren, wird für jeden Geschmack etwas geboten. Noch günstiger sind Übernachtungen im berühmten Addo Elephant National Park. Er wurde 1931 gegründet, um auf 2.000 Hektar die letzten elf Elefanten der Region zu retten.
Heute sind es über 500 Dickhäuter und das Reservat hat eine Größe von 198 000 Hektar mit sechs Ökosystemen. Es gibt nicht nur die Big Five, sondern die Big Seven, weil durch die Lage am Indischen Ozean auch der Southern Right Wal und der Weiße Hai beobachtet werden können. Übernachtet wird in staatlichen Camps wie dem Addo Rest Camp, gleich oberhalb eines riesigen Wasserlochs, oder in einer der wenigen privaten Lodges im Reservat wie dem Gorah Elephant Camp. Rund um den Park gibt es Gästehäuser und kleinere Wildparks wie zum Beispiel die Addo Elephant Lodge, die Safaris auf dem Elefantenrücken anbietet.
Text von Dagmar Schumacher, Kapstadt
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