Seit Kaiser Barbarossas Zeiten zählen die Bodenseeäpfel zu den bekanntesten Spezialitäten der Region. Am ganzen See bieten die Bauernmärkte während der Erntezeiten Obst in Hülle und Fülle an.
Wie kommt es, dass ausgerechnet die Bodensee-Region so legendär gutes Obst hervorbringt? Das Klima spielt eine entscheidende Rolle: Der See speichert die Wärme, und sorgt dafür, dass so gut wie nie Fröste die zarten Blüten dahinraffen und dass der reifende Apfel ein sehr volles Aroma entfaltet. Auch die Farbe wird vom Seeklima beeinflusst: Kühle Nächte plus sehr sonnenintensive Tage im Herbst verleihen dem Apfel die richtige „Deckfarbe“. Die Sorten, die in den „Apfelniederstammkulturen“ hauptsächlich gezogen werden, lassen sich an einer Hand abzählen: Auf einem Viertel der „Apfelfläche“ pflücken die Erntehelfer im Herbst Jonagold, zwanzig Prozent sind Elstar, gefolgt von Golden Delicious, Gala, und Braeburn. Andere Sorten wie die Gewürzluike führen ein Nischendasein, ebenso wie der ökologische Anbau, der nur auf fünf Prozent der Fläche stattfindet.
In den Obstplantagen am Bodensee, die allein auf deutscher Seite 220 000 Tonnen Äpfel pro Jahr ausstoßen, geht es wenig romantisch zu. Hier hat die Hightech-Landwirtschaft längst Einzug erhalten. Auffallend sind die vielen seitlich offenen Netze, die die Obstplantagen überdecken. Sie dienen dem Hagelschutz und haben so manche Obsternte vor dem Totalausfall bewahrt. Denn einmal vom Hagelkorn getroffen, wird ein Tafelapfel sofort zum Mostobst degradiert.
Von September bis in den November hinein wird „gebrockt“. Nach der Ernte lagern viele Erzeuger ihr Obst in klimatisierten Räumen mit Sauerstoffgehalt von ca. 2% (statt 21 %) und Stickstoffgehalt von ca. 93 % (statt 78 %). Dies verzögert den Reifeprozess und macht die Äpfel länger haltbar. Immer mehr Obstbauern suchen ihr Heil aber in der Direktvermarktung und bieten auf den regionalen Bauernmärkten oder erntefrisch ab Hof ihre Produkte an: Im Frühling Spargel und Erdbeeren, der Frühsommer gehört den Kirschen und Himbeeren, es folgen Johannis beeren, Mirabellen, Zwetschgen, Äpfel und Birnen. Für Obstliebhaber ein Schlaraffenland!
FAKTEN
Die schönsten Bauernmärkte (Auswahl)
Überlingen: Sa. 7.00–14.00 Uhr
Lindau: Mi. /Sa. 7.00–13.00 Uhr
Friedrichshafen: Sa. 8.00–13.00 Uhr
St. Gallen: Fr. 7.30–13.00 Uhr
Bregenz: Fr. 8.00–12.00 Uhr
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