Jenever beziehungsweise Genever, ein mit dem Gin verwandter Getreidebranntwein, ist Hollands Nationalgetränk. Einer der weltweit führenden Hersteller ist das Unternehmen Lucas Bols in Amsterdam.
Niederländer treffen sich am Feierabend gern zum Borrelstündchen. In jedem Lokal werden einige Sorten Jenever, Hollands bekannteste Spirituose, angeboten. Für den typisch niederländischen Wacholderschnaps gibt es zahlreiche Namen, u.a. „borrel“, „hassebassie“, „keiltje“ oder „neutje“. Oder man lässt gleich einen „kopstoot“ bringen, ein kleines Bier mit einem Gläschen Jenever – in Amsterdam auch gern als „stelletje“ bezeichnet. Man leert dann zuerst das Jenever-Glas – denn ist der Schnaps zu scharf und verursacht ein Brennen im Hals, kann man ja sofort einen Schluck Bier hinterherkippen.
Bereits im 15. Jh. wurde in den Niederlanden „Korenwijn“ bzw. „Korenbrandewijn“
(Kornbrand) aus Gerste, Mais, Roggen oder Weizen erzeugt. Wann damit begonnen wurde, den Kornbrand mit „jeneverbes“ (Wacholderbeeren) zu aromatisieren, ist nicht bekannt. Es heißt, der in Deutschland (Hanau) geborene und in den Niederlanden praktizierende Arzt, Anatom und Naturwissenschaftler Franciscus Sylvius (1614–1672; eigentlich Franz de le Boë), der viele medizinische Tinkturen kreierte, habe um 1650 einen Verdauungskorn mit Wacholderaroma komponiert, den er „genièvre“ (franz. für „Wacholder“) nannte. Beim Volk jedenfalls erfreute sich das Getränk umgehend sehr großer Beliebtheit und hieß bald umgangssprachlich Jenever oder Genever. Auch die Engländer waren begeis tert und brachten den Schnaps auf die Britischen Inseln mit, wo er den Namen Gin erhielt. Zur Herstellung von Jenever wird aus Gerste, Mais und Roggen durch Mälzen, Gären und dreifacher Destillation zunächst ein „moutwijn“ (Malzwein) gewonnen. Beim dritten Brennen erfolgt das Aromatisieren mit Wacholder. Allein nach dem Malzweinanteil und nicht nach dem Alter unterscheidet man den gelben, traditionellen „oude (alten) jenever“ vom klaren bzw. weißen, moderneren „jonge (jungen) jenever“. Der Oude Jenever enthält mindestens 15 % Malzwein, der Jonge Jenever höchs tens 15 %; beide weisen mindestens 35 % Alkohol auf. Der Alte Jenever hat einen leicht süßen Geschmack und schmeckt nach Wacholdern; der farblose Junge Jenever entspricht einem Klaren. Außer mit Wacholderbeeren gibt es auch Rezepturen mit Anis, Kümmel, Koriander und anderen Gewürzen sowie Früchten wie Zitrone, Apfel, Johannisbeeren, Holunderbeeren, Birnen, Pflaumen, Brombeeren, Pfirsich oder Passionsfrucht.
Im Jahr 1575 schlug die Geburtsstunde der berühmten, heute noch bestehenden holländischen Likörfabrik. Damals eröffnete die Familie Bols vor den Toren Ams terdams in einem Holzschuppen einen kleinen Brennbetrieb. Später ließ die Familie den Holzschuppen, der nach der Erweiterung Amsterdams innerhalb der Stadtmauern lag, durch ein steinernes Gebäude ersetzen und nannte es zur Erinnerung „’t lootsje“ (der Schuppen). 1652 wurde Lucas Bols geboren. Unter seiner Leitung gelangte das Familienunternehmen zu großem Namen. Auf der Basis der in Amsterdam umgeschlagenen Gewürze schuf er einige Likör-Klassiker, die bis heute überdauert haben, u.a. Blue Curaçao, hergestellt aus Pomeranzen (Bitterorangen). Sie wurden von Curaçao eingeführt, einer Insel der in der Karibik liegenden Niederländischen Antillen. Zu weiteren Likör-Klassikern von Bols gehört der Apricot Brandy. Man kann ihn nicht nur pur genießen, sondern auch hervorragend als Basis für Longdrinks und Cocktails verwenden. So ergeben 5 cl Apricot Brandy, 3 cl Zitronensaft und 2 cl Orangensaft den Cocktail „Apricot Sour“ mit seinem sauer-erfrischenden Geschmack. Ein großer Renner in Deutschland ist auch der Eierlikör Advokaat. Heute ist das in Amsterdam ansässige Unternehmen Lucas Bols einer der weltweit führenden Likör- und Spirituosenhersteller, auch von Jenever.
Besichtigung & Führung
Das „House of Bols“ lädt in die Geschichte der ältesten Brennerei der Welt ein.
Paulus Potterstraat 14, Amsterdam
Mi.–Mo. 12.00–18.00 Uhr
www.lucasbols.com
Amsterdamer Probierstuben (Auswahl)
In Amsterdam gibt es seit dem 17. Jh. „proeflokaalen“ zum Verkosten alkoholischer Getränke.
Café In de Wildeman (Nieuwezijds Kolk 5)
Café ‘t Smalle (Egelantiersgracht 12)
De Drie Fleschjes (Gravenstraat 18)
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