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Die größte Insel des Mittelmeers muss kulturbegeisterten Besuchern wie ein einziges und einzigartiges Freilichtmuseum erscheinen. Wohin man blickt, fast überall warten interessante Überreste aus der rühmlichen Vergangenheit, wobei die kulturellen Sehenswürdigkeiten im Wesentlichen aus drei Epochen stammen: zuerst die Kolonisierung durch die Griechen (Highlights: die Orte Selinunte, Segesta, Agrigento!) dann das hohe Mittelalter unter Normannen und Staufern (Cefalù, Palermo, Monreale!) und zuletzt der Barock (Bagheria, Noto!).
Während aus der Zeit der Griechen die besten erhaltenen griechischen Tempel der Welt stammen und das Mittelalter eine einzigartige Synthese zwischen romanischer, byzantinischer und islamischer Kunst hervorgebracht hat, kann der sizilianische Barock vergleichsweise wenige eigene Schöpfungen vorweisen. Dennoch ist die zum Weltkulturerbe geadelte Altstadt von Noto unbedingt einen Abstecher wert.
Mehr als einen Abstecher wert ist Palermo, die pulsierende Kapitale von Sizilien, die jetzt von München und Frankfurt aus von der Lufthansa direkt angeflogen wird.
Der 650.000-Einwohner-Stadt ist in den vergangenen Jahren das Kunststück geglückt, sich vom unkontrollierbaren Moloch, dem das Image einer bettelarmen und von der Mafia regierten Stadt anhaftete, zu einer vitalen und lebenswerten Großstadt zu wandeln. Bezog sich der EAV-Songtitel „Heiße Nächte in Palermo“ vor rund 25 Jahren noch eindeutig auf die dortigen kriminellen Strukturen, kann er jetzt viel entspannter, fröhlicher, partymäßiger interpretiert werden. Die Gründe sind mannigfaltig: Engagierte junge Leute sind verstärkt in die Altstadt gezogen, überall werden die großartigen Architekturdenkmäler aus den Epochen islamischer, normannischer und barocker Baukunst restauriert und wiederaufgebaut, zudem entstand eine attraktive In-Szene aus Läden, Lokalen und populären Treffs.
Aber so schön die Kultur von heute ist, die Kultur von gestern darf keinesfalls vernachlässigt werden, namentlich das Archäologische Museum mit seinen Schätzen aus den antiken Ausgrabungsstätten der gesamten Insel. Bis weit in den Abend hinein werden auf dem stimmungsvollen Vucciria-Markt Obst, Fisch, Fleisch und Gemüse verkauft. Ein Besuch lohnt sich, selbst wenn man gar nichts kaufen will.
Das bloße Herumspazieren und süße Nichtstun geht auf Sizilien noch besser als anderswo.
Gute Beispiele sind neben Palermo auch die lebhaften Innenstädte von Syrakus und Catania, wo es sich nicht nur tagsüber herrlich bummeln, sondern auch nachts einiges erleben lässt. Und damit sind beileibe nicht Machenschaften der Mafia gemeint, für die die italienische Region weltweit berüchtigt ist – davon spüren Touristen so gut wie nie etwas. Nein, gemeint sind nette Bars und stylishe Clubs und vor allem hervorragende Restaurants, in dessen Speiseplänen sich die Nähe zu Afrika auf angenehmste Weise wiederfindet.
Doch so schön die Alltags-, Nacht- und Geschichtskultur der Drei-Sterne-Insel ist: Sie hat auch noch ein Premium-Natur-Highlight zu bieten: den Ätna, mit 3.323 Metern Europas höchsten aktiven Vulkan, der erst 2002 bei einem fulminanten Ausbruch eindrucksvoll gezeigt hat, was in ihm steckt – seither rumort es hier und da, doch umso faszinierender ist es, mit Bus, Jeep, Seilbahn und/oder zu Fuß in die dampfenden, vernebelten Gipfelregionen mit seinen rund 500 Nebenkratern aufzubrechen. Praktisch: Zur Abkühlung nach der heißen Tour warten zu Ätnas Füßen schließlich eine Reihe herrlicher Sandstrände.
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