Mit DuMont unterwegs – unweigerlich geht da der Gedanke zu einem Reiseführer im Gepäck. Dass es noch eine weitere Möglichkeit gibt, zeigen die individuellen Stadtspaziergänge, zu denen die Lissabonner DuMont-Autoren Lydia Hohenberger und Jürgen Strohmaier alle Urlauber sehr herzlich einladen.
Wie so häufig im Leben: Die Vielfalt macht’s. Gerade in Lissabon, wo kein Stadtteil dem anderen gleicht. Hier erstrahlen prachtvolle Kirchen in vollem Glanz – und in der unmittelbaren Nachbarschaft scheinen verwinkelte Gassen die Besucher in den Orient zu entführen. Oder hinauf zu den Aussichtspunkten mit Fünf-Sterne-Blick über weiße Marmorpaläste, bunt gekachelte Häuser und den silbrig glänzenden Rio Tejo, der den nahen Atlantik erahnen lässt. Kurzum – ein Feuerwerk visueller Eindrücke.
Die Stadt gibt sich farbig, vielfältig, abwechslungsreich. Und genau so gestalten die beiden Buchautoren die Entdeckungstouren durch ihre Wahlheimat. Jeder Stadtspaziergang führt zu anderen Zielen, ganz individuell zugeschnitten auf die Gäste, die alleine, in Familie oder im Freundeskreis kommen und ihre besonderen Wünsche und Interessen anmelden können.
Da gab es den Fußballfan aus Salzburg, der gerne das Stadium von Benfica Lissabon besuchen wollte. Kein Problem, die Möglichkeit besteht. Oder die Familie aus Leipzig, die nur einen Tag Zeit hatte, um das historische Lissabon zu erobern. Der Nachwuchs zeigte sich zunächst zwar etwas bockig, taute dann aber ganz schnell auf und wurde bei einer rumpelnden Straßenbahnfahrt plötzlich wissbegieriger als die Eltern. Eine besondere Idee trieb auch den privaten Kochverein aus Zelle in den Südwesten Europas: Nach dem Besuch von herrlich-nostalgischen Delikatessläden erklärte ihnen der Besitzer eines versteckten Stadtteilrestaurants so gestenreich die portugiesische Küche, dass allen Anwesenden das Wasser im Munde zusammenlief. Das anschließende gemeinsame Abendessen wurde lang, feucht und fröhlich.
„Versteckt“ – ist ein gutes Stichwort, denn ein Wunsch eint alle Besucher. Sie wollen das wahre Lissabon kennen lernen, das sich abseits der üblichen Touristenpfade in den Hinterhöfen und Nebenstraßen verbirgt. Den unscheinbaren Treppenaufgang hätte ein Urlauber alleine nie betreten und doch offenbart er Lissabonner Geschichte und Geschichten. Barocke Kachelbilder von Parterre bis zum fünften Stock zeigen biblische Szenen. Eine Sozialstation bietet den Bewohnern des Stadtteils einen Treffpunkt und dazu einen Mittagstisch. Doch der Clou folgt erst im zweiten Stock. Ein schmaler Durchgang entführt in die bunte Pflanzenwelt eines südländischen Gartens, den keine deutschen Gartenzwerge sondern wilde Tiere aus den früheren portugiesischen Kolonien zieren. Auf dem Sportplatz gleich daneben spielen Jungs und Mädchen gemeinsam Basketball. Das alles mitten in Lissabon, keine fünf Schritte und doch Lichtjahre vom Nobelhotel entfernt.
Danach geht’s ins eher schmucklose Café, in das sich kaum ein Tourist verirrt. Woher sollte er auch wissen, dass es hier das wohl beste Gebäck von Lissabon gibt. Nur ein untrügliches Zeichen spricht dafür: Es ist immer voller Einheimischer. Und so gesellt sich zum süßen Genuss die Freude, ein wenig am wirklichen Lissabonner Leben teilzuhaben.
Auch eine Kirche muss nicht fehlen. Im Mittelalter ließ das Inquisitionsgericht auf dem Vorplatz hunderte, wenn nicht tausende von Juden verbrennen, dann brannte vor einem halben Jahrhundert das Gotteshaus selbst aus. Bei der Sanierung blieben die Brandreste an Säulen und Kapellen bewusst erhalten, Wände und Decken wurden als Erinnerung an die Verbrennungen der Andersgläubigen und das Feuer in rote Farbe getaucht.
Mittagsimbiss gibt’s dann im dritten Stock eines Wohnhauses. Kein Schild an der Eingangstür weist darauf hin, dass dort oben ein überaus schmackhaftes Essen gereicht wird, sogar mit Ausblick über den Tejo und das Hafengelände.
Warum gibt es so viele renovierungsbedürftige Häuser?
Wie hoch sind Arbeitslosenquote und gesetzliches Rentenalter? Was halten die Portugiesen vom Euro? Die Stadtspaziergänge lassen genügend Raum, alle Fragen zu beantworten, die dem interessierten Urlauber auf dem Herzen liegen. Manchmal auch direkt vor Ort. Etwa fielen die sechs Feuerwehrleute auf Urlaubsreise im Innenhof einer Feuerwehrstation in ein angeregtes Gespräch mit ihren portugiesischen Kollegen über sommerliche Waldbrände und die Möglichkeiten ihrer Bekämpfung hier wie dort.
Wie also tickt die Hauptstadt des doch recht fernen und irgendwie noch immer exotischen Portugal? Das könnte durchaus ein inoffizieller Untertitel der Stadtspaziergänge sein. Und so erfahren die Urlauber ganz nach ihrem Geschmack viel vom sympathischen Lebensstil in den Altstadtvierteln, entdecken kleine Sinnesfreuden am Wegesrand und erfahren Grundsätzliches über die Lebensbedingungen der Menschen – kurzum, sie erleben die Schönheiten und Perspektiven Lissabons einmal ganz ungeschminkt.
Infos und Anmeldung unter:
www.lissabon-stadtfuehrung.de, Tel./ Fax 00351-218 40 30 41
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