Störche bringen Glück und warmes Wetter. Zumindest in historischen Fabeln und mittelalterlichen Gedichten. Liegt in den Überlieferungen wenigstens ein Körnchen Wahrheit, dann dürften Urlauber in Faro an der portugiesischen Algarveküste beides im Überfluss finden. Denn auch wenn die lokale Wirtschaft vom internationalen Flughafen lebt, so prägen nicht stählerne Urlaubsflieger das Stadtbild, sondern die stolzen, schwarzweiß gefiederten Vögel. Das Stadttor bewachen sie hoch oben in ihrem Nest, das Klappern ihrer Schnäbel tönt vom Rathaus herab, und selbst auf der Satellitenschüssel des Hauptpostamtes thront ein Storchenpaar. Ganz nah kommt man Meister Adebar auf dem Turm der Kathedrale, der auf schmalen Steinstufen erklommen werden kann. Das Vogelnest über den mächtigen Kirchglocken ist zum Greifen nah. Und quasi aus Storchenperspektive liegt die Hauptstadt der Provinz Algarve zu Füßen der Besucher.
Von der Höhe aus schweift der Blick zunächst über die historische Altstadt. Unten liegt der Largo da Sé. Dieser hübsche Vorplatz der Kathedrale, deren Baubeginn auf das Jahr 1251 datiert, wird vom klassizistischen Rathaus, dem Bischofspalast in schlichter Renaissance, einem attraktiven Terrassenrestaurant und bezaubernden Orangenbäumen eingerahmt. Aus Nordafrika stammende Mauren hatten 711 die Algarve erobert und bald darauf begonnen, die Zierbäume wegen ihres lieblichen Blütendufts an öffentlichen Orten anzupflanzen. Doch Achtung: Der Biss in eine heimlich geerntete Frucht bringt nur bittere Enttäuschung – es handelt sich um Pomeranzen!
Das Gotteshaus erlebte aufregende Zeiten. Zerstört wurde es zunächst durch Angriffe englischer Seetruppen vor fünf Jahrhunderten und später durch ein verheerendes Erdbeben 1755. Ein reizvoller Stilmix von der Frühgotik bis zum Spätbarock ist das Ergebnis. Eine Kuriosität bildet eine der hl. Jungfrau der Farbigen gewidmete Seitenkapelle. Zwei schwarze Figuren halten die Weihrauchgefäße, denn einst beteten hier freigelassene afrikanische Sklaven.
Wenige Schritte entfernt erhebt sich das ehemalige Klarissenkloster. Zu Beginn des 16. Jh. wurde es auf den Grundstücken von Juden errichtet, die Inquisitionsgerichte verfolgt und enteignet hatten. Abweisend wirkt das Gebäude mit Sehschlitzen für die dem irdischen Leben abgewandten Nonnen. Doch der Besuch lohnt dank einer Sammlung archäologischer Funde aus der Region.
Etwas weiter entfernt vom Glockenturm zeichnet sich die Silhouette neu erbauter Hochhäuser am Stadtrand ab. Im Mittelpunkt einer der wichtigsten europäischen Urlaubsdestinationen gelegen, ist Faro mit derzeit 60 000 Einwohnern eine der am schnellsten wachsenden Gemeinden Portugals. Doch im geschäftigen Ortskern hat sich ein authentisch südländisches Eigenleben erhalten, bildet doch der fehlende unmittelbare Zugang zu den Stränden genügend Schutz vor allzu viel touristischem Trubel. In den Läden der Fußgängerzonen rund um die Rua de Santo António kaufen noch die Einheimischen, in den Kaffeehäusern treffen sie sich zum Schwatz und in den Restaurants zum meist deftigen Mahl.
Ein gänzlich anderes Gesicht zeigt das dem Atlantik zugewandte Faro, vom Kirchturm aus gen Süden zu sehen. Schmale Wasserkanäle mäandern durch die Sümpfe und führen vorbei an Salzgewinnungsanlagen. Durch die Lüfte schwingt das Kreischen der Möwen, aus dem Schilf tönt das wohlklingende plüüit der Säbelschnäbler – und das Klappern der Storche, die in dem naturgeschützten Lagunengebiet reichlich Nahrung finden. Zweimal täglich, im Sommer auch häufiger, bahnt sich eine Fähre ihren Weg hinaus aufs offene Meer und erreicht nach etwa 30 Fahrminuten die ilha deserta. Der Name sagt alles. Lange, fast menschenleere Strände erwarten den Besucher auf der unbewohnten Insel, dem südlichsten Punkt Portugals. Einzig ein kleines Strandlokal aus Holz mit Blick auf den blauen Ozean, der weiß-rot gesteifte Leuchtturm und einige Geräteschuppen der Fischer lassen die menschliche Zivilisation nicht ganz vergessen.
Mit seinen stolzen 100 Jahren zählt es zu den ältesten Kaffeehäusern Portugals, und seine Einrichtung scheint sich seit seiner Gründung kaum verändert zu haben. Noch immer treffen sich mittwochs im hinteren Raum des Cafés am Eingang zur Rua de Santo António die Bauern aus der Umgebung, um die Preise abzusprechen, mit denen sie den Händlern gegenübertreten wollen. Abends schauen Kulturschaffende oder Stadtpolitiker zu heißen Diskussionen vorbei, und auch die Fußballfans finden ihre Heimstatt. Bei ihnen geht’s meist noch lauter zu. Oder man sitzt ruhig auf der Terrasse mit Blick zur Fußgängerzone oder den Yachthafen und beobachtet die Algarvianer in ihrem Alltag, in dem immer Zeit für einen kleinen Schwatz unter Bekannten bleibt.
1. Aeroporto Internacional de Faro, Faro
2. Taverna de Ibn Harum, Faro
3. Praia de Faro, Faro