Bis zum Horizont und weiter: Endlose Flächen, so scheint es wenigstens, werden in Mecklenburg-Vorpommern mit Raps bepflanzt. Tatsächlich gehört das Bundesland an der Ostsee zu den wichtigsten Lieferanten von Rapssamen in Deutschland.
In den letzten Jahren gewann die Herstellung von Öl aus Raps zunehmend an Bedeutung. Rapsöl, sagen die Experten, ist genauso gesund wie Olivenöl und übertrifft es in mancher Hinsicht sogar. „Als ich das Rapsöl entdeckte, war ich von seinen Vorzügen ganz begeistert“, erzählt Michael Laumen von der Ölmanufaktur Kloster Rühn südlich von Rostock. Bis vor kurzem stand er noch in seinem eigenen Restaurant „Ich weiß ein Haus am See“ am Krakower See am Herd. Doch inzwischen ist er ganz auf Öl umgestiegen und produziert nur noch natives Rapsöl und Wildkräuteröle auf der Basis von Rapsöl.
Natives Öl wird nicht erwärmt, sondern kalt gepresst. Laumen presst sein Öl bei knapp unter dreißig Grad. Mit dieser Methode bleiben die Aromastoffe und Vitamine des Rapses erhalten. Genauso wie das Vitamin E, zuständig unter anderem für eine gesunde Haut. Raffinierte Öle besitzen dagegen kaum noch Inhaltsstoffe. „Raffiniertes Öl ist wie kastriert. Es hat eine helle gelbe Farbe und ist dünnflüssig, während natives Öl eine goldgelbe Farbe und eine etwas dickere Konsistenz hat“, erklärt der Experte.
Doch für den Ölmüller hat die Kaltpressung auch Nachteile: Je kälter gepresst wird, desto weniger Ertrag erzielt er. Dies hat natürlich Auswirkungen auf den Preis: Kalt gepresste Öle aus Kloster Rühn kosten mehr als zehn Euro pro Liter, während feines Rapsöl, die gängige Bezeichnung für raffiniertes Öl, schon für rund ein Fünftel dessen zu haben ist.
Das nussige Aroma des Rapsöls eignet sich besonders für Dressings, zum Marinieren von Fleisch und Fisch oder zum Verfeinern von Suppen und Gemüsegerichten. Weil es erst bei über 180 Grad zu verbrennen beginnt, kann man natives Rapsöl auch gut zum Braten und Frittieren nehmen. Zum Braten und Dünsten empfiehlt Sternekoch Laumen jedoch das raffinierte Rapsöl, zumal bei diesem auch die wertvollen ungesättigten Fettsäuren erhalten bleiben. Sie gelten als wahrer Gesundbrunnen.
Rapsöl, neben dem Olivenöl die Königin unter den Pflanzenölen, rühmt sich des höchsten Anteils an ungesättigten Fettsäuren. Die Ölsäuren helfen, schädliche Blutfettwerte abzubauen, schützen vor Herz-Kreislauferkrankungen und stärken das Immunsystem. Bei all diesen Vorteilen ist es kaum zu glauben, dass die wertvolle Pflanze in ihrer heutigen Form noch gar nicht so lange existiert. Erst vor rund 30 Jahren gelang es den Wissenschaftlern, eine säure- und giftfreie Sorte, den sogenannten Doppelnull-Raps, zu züchten, der jetzt überall auf der Welt angebaut wird.
Auch der Mecklenburger Rapsbauer Hans Kruse erfuhr erst durch einen Vortrag, welche segensreichen Wirkungen Raps auf die menschliche Gesundheit hat. „Daraus entstand die Idee, selbst ein hochwertiges natives Rapsöl herzustellen“, sagt Kruse. Auf dem Luisenhof in Neuenkirchen pflanzt er seinen eigenen Raps. Etwa 18 000 l Öl produziert er durchschnittlich im Jahr. Kruses Rappöl heißt es, ein geschützter Markenname. Rapp ist der plattdeutsche Name für Raps. Genau wie Michael Laumen hat sich auch Hans Kruse nicht nur auf reines Speiseöl beschränkt. Er verfeinert es mit verschiedenen Kräutern, Früchten und Gewürzen.
Auch exotische Varianten wie Chili und Knoblauch-Rapsöl sind im Angebot.
Mittlerweile verkauft Kruse das Öl nicht nur ab Hof, sondern auch auf Märkten sowie in einigen Läden und Fleischereien in Mecklenburg. Und er hat eine Rapsölmargarine entwickelt, die ohne die schädlichen gesättigten Fettsäuren auskommt.
Kloster Rühn Feinkostmanufaktur
Klosterhof 1
18246 Rühn
www.klosterverein-ruehn.de
Landwirtschaftlicher Marktfruchtbetrieb Hans Kruse
Luisenhof 1A
17039 Neuenkirchen Ortsteil
Tel. 03 96 06/2 98 77
www.rappoel-kruse.de
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