In den Domen zu Halberstadt, Merseburg und Naumburg sowie der Stiftskirche zu Quedlinburg wurden über Jahrhunderte bedeutende sakrale Kostbarkeiten aufbewahrt. Seit im April 2008 der Domschatz Halberstadt seine Pforten neu geöffnet hat, ist auch der größte mittelalterliche Kirchenschatz im Land wieder am originalen Ort zugänglich.
Weithin sichtbar prägen Kirchtürme die Silhouette Halberstadts, des alten Zentrums im nördlichen Harzvorland. Um das Jahr 804 gründete Kaiser Karl der Große hier das älteste Bistum Mitteldeutschlands. Seit mehr als 1200 Jahren ist der Dom St. Stephanus und St. Sixtus der geistliche Mittelpunkt der Stadt und der gesamten Region.
Die heutige gotische Kathedrale ist zwischen 1236 und 1486 in Konkurrenz zum Magdeburger Dom erbaut worden. Seine Architektur zeigt deutliche Entlehnungen aus vornehmer französischer Sakralbaukunst der Zeit. Eine außergewöhnlich große Zahl mittelalterlicher Kunstwerke ist nicht nur im Dom, sondern auch im Domschatz zu finden – mit insgesamt 650 Stücken gilt der Halberstädter Schatz als umfangreichster mittelalterlicher Kirchenschatz, der am ursprünglichen Ort erhalten geblieben ist. Die Dauerausstellung des Domschatzes auf 1.000 Quadratmetern gibt einzigartige Einblicke in die Glaubenswelt des Mittelalters. Höhepunkte der Ausstellung sind drei romanische Wandteppiche, die als die Ältesten gewirkten Bildteppiche Europas gelten. In der historischen Schatzkammer aus dem 13. Jahrhundert werden die kostbaren Reliquiare gezeigt, für die Halberstadt bekannt ist: Goldschmiedearbeiten, Elfenbeinschnitzereien, Werke aus Bergkristall, allesamt letztlich nur Hüllen für den eigentlichen Schatz, die Reliquien.
Über der alten Fachwerkstatt thront die Stiftskirche St. Servatii weithin sichtbar auf dem Schlossberg. Das imposante Bauwerk birgt einen der ältesten Kirchenschätze Deutschlands. Die hochromanische dreischiffige Basilika, 1129 in Anwesenheit Kaiser Lothars III. geweiht, ist Teil des Weltkulturerbes. König Heinrich I. brachte die ersten Reliquien an die Kirche. Viele auserlesene Stücke, darunter kostbare Elfenbeinschnitzereien, ein antikes Steingefäß aus dem 1. Jh., und eine prachtvolle, mit goldener Tinte geschriebene und bebilderte Prachthandschrift, kamen vermutlich schon im 10. Jahrhundert als kaiserliche Geschenke an das Stift. Sie bilden bis heute den Kern eines der ältesten und wertvollsten Kirchenschätze im deutschsprachigen Raum. Ende des Zweiten Weltkriegs büßte der Schatz einen bedeutenden Teil seiner Kostbarkeiten ein, als ein amerikanischer Offizier das Versteck plünderte.
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