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GIPFELSTÜRMER
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Ganz oben, wo Geister toben 

von Jochen Müssig, München

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Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele

Deutschlands höchster Punkt ist der Ostgipfel der Zugspitze. Er misst genau 2962 Meter. Das Dach der Republik bietet auf seinem Massiv auch das höchstgelegene Haus, Postamt, Hotel, Restaurant und Skigebiet Deutschlands. Vor allem aber einen 360-Grad-Panoramablick, der bei gutem Wetter die Sicht auf rund 400 Alpengipfel in vier Ländern freigibt.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Zu Kaisers Zeiten galt die Zugspitze als kleiner Stumpen in den Alpen. Der damals höchste deutsche Gipfel hieß Kaiser-Wilhelm-Spitze, und die Schulbücher wiesen als Höhe 6011 Meter aus. Um ihn zu besuchen, musste man ins ferne Afrika reisen, nach Deutsch-Ostafrika. Heute heißt das Land Tanzania und die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Spitze trägt den Namen Kilimanjaro. Der „Kili“ wird mit 5895 Metern angegeben, denn die Kaiser-Wilhelm-Spitze wurde seinerzeit bewusst falsch vermessen, um der höchsten Erhebung im Deutschen Reich die Sechs vor der Tausend zu schenken. Die Bundesrepublik Deutschland bäckt in Sachen Bergspitzen deutlich kleinere Brötchen. 2962 Meter Höhe für den Zugspitz-Ostgipfel beeindrucken zwar die Deutschen, aber die europäischen Nachbarn deutlich weniger: Höchster unter den Alpengipfeln ist schließlich der Mont Blanc mit 4808 Metern. Und trotz all dieser Zahlen und Rekorde: Die Deutschen lieben ihre Zugspitze. Sie ist Mythos, Gipfel der Nation und Pflichtstoff für die Schüler. Wer einmal oben war, versteht das auch und vergisst Rekorde wie Fakten. Was gibt es schöneres als ein Gipfelerlebnis rund um den nördlichsten Alpengletscher? Höchstens zwei Zugaben: die Zugspitze während des Sonnenuntergangs oder eine Fahrt in Vollmondnächten aufs Plateau zum nicht weniger fulminanten Mondaufgang. Der höchste Berg Deutschlands gehört zum Wettersteingebirge und liegt an der Grenze von Bayern und Tirol. Bei schönem Wetter ist eine grandiose Rundumsicht auf bis zu 400 Gipfel vom Piz Bernina über den Ortler, die Wildspitze bis zum Großglockner sowie nach München im Norden und Italien mit den Dolomiten im Süden möglich. Mehrere Bergbahnen führen nach oben. Die einfachste Route zu Fuß ist der Weg durch die Partnachklamm, wofür bis zu 14 Stunden einzuplanen sind und 2200 Höhenmeter bewältigt werden müssen.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Der Berg ist der Überrest eines zu Kalk gewordenen Korallenriffs. Vor mehr als 200 Millionen Jahren lag an seiner jetzigen Stelle noch ein tropisch warmes Meer. Die Erstbesteigung erfolgte 1820 durch Leutnant Joseph Naus, der topogra fische Aufnahmen machte. Pfarrer Christoph Ott stellte 1851 mit 28 Helfern das Gipfelkreuz auf. 1897 folgte das „Münchner Haus“, heute eine Alpenvereinshütte, einst das meteorologische Observatorium. Die Kreuzeckbahn ging 1926 in Betrieb. Sie war die erste Seilschwebebahn in Bayern, die 2002, nach 76 Jahren und 15 Millionen unfallfrei beförderten Fahrgästen am 7. April ihre letzte Fahrt machte. 1931 eröffnete das „Hotel Schneefernerhaus“, und 50 Jahre später wurde die Kapelle Maria Heimsuchung geweiht. 400 000 Bergfreunde besuchen die Zugspitze pro Jahr. Einige leben zeitweise dort, weil sie die „höchsten“ Arbeitsplätze der Republik begleiten, etwa Hausmeister Manfred Feldmeier, die 24-Stunden-Schicht-Meteorologen, die alle 60 Minuten ihre Berichte liefern, oder die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik, die kosmischer Strahlung auf der Spur sind. Ein paar andere übernachten dort, wo der Wind pfeift, manchmal mit mehr als 200 Stundenkilometern, wo die Temperatur schon mal auf Arktis-Niveau fällt, dort, wo die Geister toben, wenn die letzte Bergbahn talwärts ging. In alter Zeit galt der Berg schließlich als verhext. Nachdem 1992 das Aus für den Hotelbetrieb besiegelt wurde, können Touristen in einem Iglu-Dorf auf der Zugspitze schlafen. Es besteht von Dezember bis April aus gefrorenem Wasser – von den Betten, Wänden, Decken bis hin zur Bar. Der winterliche Sternenhimmel und das grandiose Panorama mit Natur, wohin das Auge reicht, dienen als Kulisse – auch von den beiden Whirlpools aus. Und zum Dinner geht es in das Restaurant-Iglu, in dessen Eisnischen die Besucher auf kuscheligen Fellen über diesen Berg sinnieren können, der sogar eine eigene
Postleitzahl hat: 82475 steht für den Gipfel der Gefühle – nicht für alberne Rekorde.

BERGBAHNEN

Auf die Zugspitze kommt man tgl. mit der Zahnrad-Zugspitzbahn (Garmisch–Zugspitzplatt), der Eibsee-Seilbahn (Eibsee–Zugspitz gipfel) und der Gletscherbahn
(Zugspitzplatt–Zugspitzgipfel) in der Kernzeit 8.30 bis 16.15 Uhr (Bayerischen Zugspitzbahn, Tel. 0 88 21/79 70, www.zugspitze.de).

Die Tiroler Zugspitzbahn fährt auf österreichischer Seite tgl. von Ehrwald aus zwischen 8.40 und 16.40 Uhr (Tiroler Zugspitzbahn, Tel. 00 43/56 73/23 09, www.zugspitze.at).

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