Weite Teile der Mittleren Alb, über ein Jahrhundert Übungsgebiet und Spielwiese der Militärs, wurden nach Abzug der Bundeswehr von der Unesco als Biosphärengebiet anerkannt. Ziel ist es, die Natur durch eine nachhaltige und verträgliche Nutzung zu schützen.
Seit 2009 ist die Schwäbischen Alb Mitglied in einem illustren Kreis: Ein großes Teilstück wurde als Unesco-Biosphärengebiet ausgewiesen. 553 solcher Reservate gibt es weltweit, darunter so promiente Naturschönheiten wie der Ayers Rock und der Yellowstone-Park. In diesen Gebieten soll gezeigt werden, wie die Belange von Mensch und Natur in Einklang zu bringen sind. Insgesamt umfasst das Biosphärengebiet 853 Quadratkilometer im zentralen Bereich der Schwäbischen Alb und 29 Gemeinden sowie den Gutsbezirk Münsingen. „Das heißt aber nicht, dass eine Käseglocke über dieses Areal gestülpt würde“, informiert Ingrid Eberhardt-Schad vom Naturschutzbund Baden-Württemberg. Lediglich in der Kernzone – auf drei Prozent der Gesamtfläche – ruht jegliche Nutzung. Zu dieser zählen beispielsweise die Buchenwälder am Albtrauf.
In der „Pflegezone“ (41,5 %) liegt das Augenmerk auf dem Schutz einer alten Kulturlandschaft durch ökologischen Landbau und sanften Tourismus. Zu dieser Zone zählen etwa die Wacholderheiden rund um den Jusi und den Sternberg, die von Schäfern genutzt werden, oder auch die Streuobstwiesen am Saum der Alb, deren Erhalt sich einzelne Projekte widmen. Herzstück der „Pflegezone“ ist der ehemalige Truppenübungsplatz in Münsingen. Tiere und Pflanzen hatte das auf wenige Punkte konzentrierte militärische Treiben nie sonderlich gestört. So entwickelte sich seit 1895 eine einzigartige Flora und Fauna hinterm Stacheldraht. Nachdem 2006 die Soldaten endgültig abgezogen waren, sind die 67 Quadratkilometer mitten auf der Alb nun dem sanften Tourismus vorbehalten und für den Verkehr gesperrt. Radler, Inline-Skater und Wanderer dürfen auf den alten Militärstraßen passieren. Doch der Marsch ins Gelände ist strengstens untersagt – tonnenweise blieben „Kampfmittelreste“ zurück. Nur im Rahmen von Exkursionen, für die spezielle „Guides“ ausgebildet wurden, darf man sich in die Wildnis vorwagen. Und von vier Stahlrohrtürmen, die der Albverein errichtet hat, kann man die Weite dieser grandiosen Landschaft ermessen. Um diese Zonen legt sich die „Entwicklungszone“ (55 %). Sie bezieht sogar Städte wie Reutlingen und Bad Urach mit ein. Ihr Sinn ist es, Multiplikator für die Botschaft „Schützen durch Nützen“ zu sein. So soll die Verarbeitung regionaler Produkte in den Hotels und Restaurants für einen Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsformen werben.
Mehrere Biosphären-Zentren informieren anhand von Ausstellungen über die Regionen und verkaufen deren Produkte. Hauptsitz ist das „Alte Lager“ in Münsingen. Auf www.biosphaerengebiet-alb.de gibt es weitere Informationen auch über die Entwicklung des Biosphärengebiets.
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