Eine immer größer werdende Kluft trennt die Neuseeländer: die einen durchtrainiert, agil und scheinbar super gesund, weil sportlich aktiv und ernährungsbewusst, die anderen bewegungsarm und übergewichtig und deshalb vielfach an Diabetes und Bluthochdruck erkrankt.
Lange her, dass Robin Judkins gesoffen hat, Kette geraucht und dabei, so lässt er durchblicken, auch dem einen oder anderen Joint nicht abgeneigt war. Durch den Sport hat sich Judkins in den letzten Jahrzehnten vom Saulus zum Paulus gewandelt. Den letzen Impuls dazu gab ihm ein Herzinfarkt. Nun ist er Initiator eines renommierten Triathlons auf der Südinsel: knapp 250 Kilometer von Kumara nach Sumner, also von der Tasmanischen See zum Pazifischen Ozean und quer durch die steile Bergwelt der Südalpen sind mit Fahrrad, Kanu und zu Fuß zurückzulegen. Eine stramme Leistung, die von Top-Athleten in unter elf Stunden bewältigt wird. Zur Belohnung drückt der nicht gerade schlanke Judkins den Sportlern an der Ziellinie ein Dosenbier des Brauereisponsors in die Handlauniger Lohn für das eiserne Training. Und viele machen es den Athleten nach: Sie joggen noch vor dem Frühstück, verbringen die Mittagspause im Fitnessstudio und schwingen sich nach Feierabend aufs Mountainbike. Viele Multisport- und andere Wettkämpfe stacheln zu Höchstleistungen an. Derweil konsumieren die anderen Unmengen von Fast Food und Eiscreme, horten im Supermarkt massenweise Chips, Toastbrot und zuckersüße Limonaden, lassen Gemüse, Obst und Vollkornprodukte links liegen.
Bei erwachsenen Neuseeländern gilt heute jeder dritte als übergewichtig, jeder vierte zeigt alarmierende Anzeichen von Fettleibigkeit. Wie die Eltern, so die Kinder: Laut Statistik ist bereits jedes fünfte unter 14 Jahren zu dick. Dabei gehört jeder zweite Kiwi einem Sportverein an. Golf gilt als Volkssport, Wassersport in all seinen Formen liegt im Wortsinn nah. Auch passiv lebt die Nation ihre Sportbegeisterung leidenschaftlich aus: Bei wichtigen Rugby- und Cricket-Meisterschaften wird stundenlang vor dem Fernseher gehockt, um bloß keinen Spielzug der Live-Übertragung zu verpassen. Im Stadion ist stimmgewaltiges Anfeuern erste Fan-Pflicht – vor allem dann, wenn die „All Blacks“, wie die Rugby-Nationalmannschaft heißt, oder die „Blackcaps“, das nationale Cricket-Team, mal wieder alles geben. Was zumindest beim Rugby ganzen Körpereinsatz verlangt. Dafür haben die hoch dotierten Profi-Spieler in Neuseeland aber auch Kultstatus,
vergleichbar mit Fußballstars in Europa.
Um die Kluft zwischen fit und fat zu schließen, fungieren viele Privatschulen inzwischen als sportliche Talentschmieden: Je teurer, desto mehr Wert wird auf Leibesertüchtigung gelegt. Zum Stundenplan gehören Wettbewerbe und Turniere an Wochenenden, bei denen die Eltern nicht fehlen sollten. Top-Sportler gelten als Vorzeigeschüler. Und die anderen können sich ja immer noch vom Saulus zum Paulus wandeln …
www.coasttocoast.co.nz
Wer sich für den anspruchsvollen Triathlon durch die Bergwelt der Südinsel interessiert, womöglich teilnehmen will, der ist hier richtig.
www.healthjunkie.co.nz
Die Fülle von Informationen, Tipps und Adressen hilft den Kiwis bei einer gesundheitsbewussten Lebensweise.
www.moh.govt.nz
Wegweiser durch das neuseeländische Gesundheitssystem, hin zu den jeweiligen Anlaufstellen.
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