Die nach Dutzenden zu zählenden Korallenriffe im Golf von Thailand und in der Andamanensee entführen in eine märchenhafte marine Welt. Sie wird belebt von einer ungemein artenreichen Fauna und Flora und zählt zu den großartigsten und zugleich bedrohtesten Naturschönheiten des Königreiches.
Das Korallenriff ist nach dem tropischen Regenwald das komplexeste Ökosystem auf Erden und wird belebt von mehr als 100 000 Spezies! Dabei fängt alles winzig und unscheinbar mit den mikroskopisch kleinen Larven der Korallenpolypen an. Sie treiben so lange im Meer dahin, bis sie sich an einen passenden Ort anheften können, wo das Wasser warm genug (zwischen 20 und 30 Grad) und klar, der Meeresboden nicht zu tief ist (maximal 50 Meter). Langsam wachsen sie zu bis zehn Millimeter großen Korallenpolypen heran, bilden ihr Kalksteingehäuse, ihr „Skelett“, und pflanzen sich fort – wieder treiben Larven davon, aber aus Ästen oder Knospen entstehen auch ungeschlechtlich Tochterpolypen. Alte Polypen sterben ab, die Kalkskelette bleiben, neue Polypen „bauen“ weiter, und das Riff wächst jedes Jahr um durchschnittlich einen Zentimeter.
Der Schwerkraft scheinbar entronnen, geht es hinab in geheimnisvolle Bläue zu einer ästhetischen Erfahrung ohnegleichen: Über bizarren Strukturen schießen Heerscharen von Fischen unter leuchtend gefärbten Fahnen auf Nahrungssuche umher und verwandeln das Riff in ein atemberaubendes Gebilde voller Formen und Farben. Nach Einbruch der Dämmerung ziehen sie sich in ihre Nachtquartiere zurück, und dann erblüht das Riff zur Nachtschicht, jetzt erfolgt die Nahrungsaufnahme der Korallenpolypen, die ihre wogenden und vielfarbig bunten Tentakel entfalten, mit deren Hilfe sie mikroskopisch kleines Plankton fangen.
Millionen winziger Fische, Krabben, Würmer und Krebse in den Höhlungen des Riffs ernähren sich ebenfalls von Plankton, werden zur Beute der Riffräuber, die von noch größeren – etwa Haien – gefressen werden. Ganz oben in der Nahrungskette steht dann der Mensch, dessen Bevölkerungswachstum hauptsächlich verantwortlich ist für die akute Bedrohung aller Korallenriffe weltweit und so auch in Thailand, wo heute rund zwei Dutzend Meeresnationalparks insbesondere im Bereich der Andamanensee das so ungemein empfindliche Ökosystem zu bewahren versuchen.
Aber trotz dieses Naturschutzgedankens, der in Thailand schon in den 1960er-Jahren aufkam, werden auch hier immer mehr Riffe mit immer ausgeklügelteren Fangmethoden als Fischereigründe genutzt, immer mehr Abwässer und Sedimente ins Meer gespült. Auch der Muschel- und Zierfischhandel für Aquarienliebhaber hat längst gefährdende Ausmaße angenommen, und auch der Tourismus trägt vielerorts zur fortschreitenden Zerstörung bei. Angesichts dessen kommt man nicht umhin, dem Tourismusexperten Professor Torsten Kirstges aus Wilhelmshaven Recht zu geben, dem das geflügelte Wort zu verdanken ist: „Der Tourist zerstört, was er sucht – indem er es findet.“
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