Andalusien entdeckt seine Ressourcen. In solarthermischen Kraftwerken wird Sonne zu Strom. Das derzeit größte Solarkraftwerk der Welt steht bei La Calahorra, Aufsehen erregt aber auch der Solarturm bei Sevilla.
Andalusien ist ein sonnenverwöhntes Land. Kein Reiseveranstalter verzichtet auf den Hinweis, dass sich an der Costa del Sol an rund 300 Tagen im Jahr die Sonnen zeigt. Sie scheint nicht nur häufiger als im Norden, sie bleibt auch länger über dem Horizont. Im Durchschnitt hat ein Tag in Málaga 7,7 Sonnenstunden, zum Vergleich dazu sind es in München nur 4,6. Die Kombination aus geringen Niederschlägen und blauem Himmel mag den Touristen ideal erscheinen, für die Wirtschaft ist sie es nicht. Weite Gebiete der vielfältigen Landschaft Südspaniens lassen sich kaum nutzen. In der Region östlich von Granada sind die Niederschlagsmengen besonders gering.
Ökonomisch waren die wüstenhaften Landschaften dort bislang zu vernachlässigen. Spätestens seit dem Sommer 2009, der offiziellen Einweihung von Andasol 1, ist das anders.
Unweit des einsamen Bahnhofs von La Calahorra, wo die berühmte Anfangsszene des Wildwest-Klassikers „Spiel mir das Lied vom Tod“ gedreht wurde, steht das derzeit größte Solarkraftwerk der Welt. An der Entwicklung der klimafreundlichen Energie waren auch deutsche Ingenieure beteiligt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) spürte mit Satellitendaten den geeigneten Standort aus und entwickelte Methoden für die präzise Konstruktion der Parabol-Rinnen-Kollektoren. Projektentwickler der Anlagen ist die Solar Millennium AG mit Sitz im mittelfränkischen Erlangen, die auch 25% der Anteile am spanischen Betreiber Andasol 1 S.A. hält. Die knapp sechs Meter breiten und 150 Meter langen Parabol-Rinnen fokussieren das Sonnenlicht auf eine Röhre. Das darin befindliche Öl erhitzt sich auf 400°C und bringt Wasser zum Verdampfen. Der Dampf treibt eine Kraftwerksturbine an, die wiederum über einen Generator Strom erzeugt.
Anders als Windräder oder Photovoltaikanlagen kann das solarthermische Kraftwerk Andasol auch in der Nacht Strom produzieren. Das macht sie deutlich unabhängiger als andere regenerative Energiequellen. Zwar ist unbestritten, dass Solarenergie relativ umweltfreundlich erzeugt wird, doch verbraucht das Kraftwerk große Flächen Land und viel Wasser. José Luis García, verantwortlich für den Themenbereich Klimawandel bei Greenpeace Spanien, sieht in Andasol eine „grundlegende Technologie für die nachhaltige Energiegewinnung“. Den Wasserverbrauch sieht er im Rahmen herkömmlicher Technologien: „Das heißt, wenn man traditionelle Kraftwerke durch solarthermische ersetzt, hat man keinen höheren Wasserverbrauch.“ Die Andasol-Anlagen in der 1100 Meter hohen Ebene bei Guadix ist nicht das einzige Sonnenkraftwerk Andalusiens. Bereits seit den 1980er-Jahren des 20. Jahrhunderts experimentieren deutsche und spanische Forscher in der Wüste von Tabernas, 30 Kilometer nördlich von Almería im Forschungszentrum Plataforma Solar de Almeria (PSA) mit solarthermischen Verfahren. Christoph Richter arbeitet dort für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Er geht davon aus, dass bei künftigen Kraftwerken vermehrt die Trockenkühlung zum Einsatz kommt. Dadurch reduziert sich der Wasserverbrauch, aber die Kosten für die Stromgewinnung erhöhen sich.
Die Fläche der Parabol-Rinnen von Andasol 1 ist so groß wie 70 Fußballplätze. Sie liefert Strom für 200 000 Menschen. Andasol 2 und 3 werden bis 2011 hinzukommen. Insgesamt wurden 2009 in Andalusien durch Sonnenkraftwerke 61 Megawatt Strom erzeugt. Es wird geschätzt, dass Spanien bis 2030 gut ein Viertel seines Stromes mit Solarenergie erzeugen kann. Dazu trägt auch der Solarturm PS 20 in der Nähe von Sevilla bei.
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