Nur drei Jahre lang konnten die Dresdner sich des Unesco-Prädikats erfreuen. Der jahrelange, zermürbende Streit über den Bau der Waldschlösschenbrücke zog 2009 die Aberkennung des Titels nach sich. Doch das Elbtal präsentiert sich jenseits des Streitpunkts über 20 Kilometer in ungebrochener Schönheit.
Übigau hat es am schwersten getroffen. Das Schloss am westlichen Stadtrand sollte mit Hilfe des millionenschweren Sonderförderprogramms für die Welterbestätten saniert werden – daraus wird nichts mehr. Ein Förderverein müht sich nun um die Rettung des barocken Schlosses, in dem August der Starke ausgelassene Feste feierte und das dennoch zum Ladenhüter der Treuhandanstalt wurde. Denn Wohltäter und Investoren hatten prestige- und gewinnträchtigere Objekte in der Dresdner Altstadt im Blick – auch jene, die sich später lautstark an den Protesten gegen die Waldschlösschenbrücke beteiligten. Ihr Einsatz für das Welterbe hatte eine pikante Note: Denn mit Hilfe dieses Prädikates lassen sich Immobilien vortrefflich und teuer an den Mann bringen. Sie pokerten hoch, die Unesco pokerte mit und schlug sämtliche von Dresdens Stadtverwaltung vorgeschlagenen Änderungen am Brückenbau in den Wind.
In der öffentlichen Wahrnehmung blieben sie allerdings im Hintergrund. Der Schwarze Peter für die Blamage landete bei der damals neuen Oberbürgermeisterin Helma Orosz, die bis zur letzten Sekunde versucht hatte, die Unesco umzustimmen. Denn die Brücke wird so gebaut, wie sie verkehrstechnisch sinnvoll erscheint. Und in der Stadtverwaltung wird längst überlegt, ob die Gartenstadt Hellerau oder andere Objekte Bewerber für einen neuerlichen Welterbe-Titel sein könnten, denn auf die Möglichkeit einer Neubewerbung hatte die Unesco ausdrücklich hingewiesen.
Das Elbtal sei „Kreuzungspunkt für Kultur, Wissenschaft und Technologie“ gewesen, hatte die Unesco in ihrer Begründung für den Welterbe-Titel angegeben. Doch dass hier nahezu 200 000 Menschen leben, arbeiten und sich fortbewegen müssen, unterschied das Dresdner Elbtal grundlegend von anderen Unesco geschützten Kulturlandschaften. Die kilometerlangen Elbhänge mit Schlössern, Villen und Weinbergen sind nur ein – der statische – Teil der Realität. Wer täglich an der Losch witzer Brücke, dem „Blauen Wunder“, im Stau steht, kann angesichts dieses Panoramas kaum Trost empfinden.
Den vielgerühmten „Canaletto-Blick“ zerstört die neue Brücke ohnehin nicht. Den hatte der Maler am Neustädter Ufer etwa in Höhe des Glockenpavillons am Japanischen Palais auf die Leinwand gebannt – und von dort kann man ihn auf alle Zeiten genießen. Wie ohnehin die elbnahe Bebauung streng reguliert ist. Problematischer erscheinen da eher die Neubauten an den Elbhängen in Loschwitz, die wundersamerweise immer genehmigt werden. Da bleibt manches „Geschmäckle“, beispielsweise, wenn Villenbesitzer – den Wertverlust ihrer Immobilie vor Augen – zu Natur- und Kulturwächtern mutieren. Die Diskussion jedenfalls geht weiter, nunmehr über eine Elbschutz-Satzung, die nicht landschaftsverträglichen Bauvorhaben endgültig einen Riegel vorschieben soll. Man darf gespannt sein, wer von den alten „Kombattanten“ wieder dabei sein wird.
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