Zypern liegt als Vorposten Europas im nordöstlichsten Winkel des Mittelmeeres. Bei klarem Wetter sieht man von Kyrenia aus die Gipfel des türkischen Taurusgebirges. Das türkische Festland ist nur 65 km, das syrische nur 95 km entfernt. Meerwasser verschmutzende Großstädte und Industrien sind weit entfernt. Die Insel wird von den saubersten Gewässern des Mittelmeeres umflossen. Baden ist rund um die Insel ein ungetrübter Genuss.
Zypern wird ganzjährig von Charterflugzeugen angeflogen und eignet sich durchaus auch als Winterdestination. Langzeiturlauber, die den ganzen Winter auf Zypern verbringen möchten, sollten wegen des milden Klimas und der gehobenen Hotellerie mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis den Südwesten um Pafos bevorzugen.
Gilt Zypern wie Mallorca als Ziel des Massentourismus? Ja und nein. Individualisten werden von den gesichtslosen Hotelvierteln von Limassol und Páfos und besonders um Agía Nápa und Protarás enttäuscht sein, werden sich aber mit Sicherheit in den kleinen Küstenorten am Kap Akámas und auf der Karpasía-Halbinsel wohl fühlen. Wenig vom Tourismus geprägt ist auch das Inland. In den urigen Dörfern des Tróodos-Gebirges kann man in reizvollen kleinen Pensionen und in restaurierten Bauernhäusern unterkommen. Von keinem dieser Orte ist das Meer weiter als eine Stunde Fahrzeit entfernt. Hier, im waldreichen Hinterland, ist Zypern eine herrliche Wanderinsel. Und im Winter kann man Ski fahren.
Die tiefen Wälder des Tróodos bedecken immerhin 18 % der Inselfläche. Ein kleiner Teil um den höchsten Berg Olymp ist zum Nationalpark erklärt. Schöne Wälder besitzt aber auch das Pentadaktylos-Gebirge, das die trockene Schwemmlandebene Messaoria von der Nordküste trennt. Auch hier gibt es zahlreiche Wanderwege unter Pinien, die Naturfreunde begeistern.
Kunstreisende und Geschichtsinteressierte finden ebenfalls lohnende Ziele. Griechen leben auf Zypern seit ca. 3200 Jahren, Türken seit ca. 440 Jahren. Andere Fremdmächte wie Phönizier und Perser, Römer und westeuropäische Kreuzfahrer beherrschten die Insel über Jahrhunderte und hinterließen bedeutende Denkmäler. Das Aphrodite-Heiligtum von Alt-Páfos war in der Antike ähnlich berühmt wie Olympia, Delphi oder Delos. Die Liebesgöttin wurde hier in Form eines schwarzen Steins verehrt. Ebenfalls in Páfos beeindrucken gut erhaltene spätrömische Mosaike mit seltener, vom frühen Christentum geprägter Thematik. Im Tróodos-Gebirge finden sich Kleinode byzantinischer Kunst, allesamt aufgenommen in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Einzigartig sind aber auch die mittelalterlichen Bauten der Kreuzfahrer. Gotische Kathedralen mit hübscher Maßwerkverzierung ragen unvermutet über Nikosia und Famagusta in den lichten mediterranen Himmel. Märchenhaft und romantisch anmutende gotische Ritterburgen krönen die Spitzen des Pentadaktylosgebirges, das man deswegen auch „gotische Bergkette“ nennt. Und nicht zu vergessen die Steinzeitsiedlung Chirokitia mit ihren steinernen Rundhütten, eine der frühesten Siedlungen der Weltgeschichte, die ebenfalls zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.
Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Seit der Invasion der Türkei im Jahre 1974 ist Zypern in einen griechischen und einen türkischen Teil getrennt. Im Süden leben orthodoxe Griechen, im Norden muslimische Türken und Türkzyprioten. Touristen sind in beiden Landesteilen gleichermaßen willkommen. Mit Englisch, gleichsam der dritten Landessprache nach Griechisch und Türkisch, kommt man prima zurecht. Seit 2003 können Einheimische wie Touristen die Grenze, die der griechische Süden „Demarkationslinie“ nennt, nach Belieben überqueren.
Auch des Essens und der guten Weine wegen lohnt ein Besuch der Insel. Zyprer lieben Mezédes, viele kleine separat servierte Köstlichkeiten. 15–30 dieser Salate, Dipps, Fisch- oder Fleischgerichte bilden ein Festmahl, das sich kein Reisender entgehen lassen sollte. Wenn man sich nach einem solchen Essen schlaff zurücklehnt, weiß man, was Zyperns Küche zu leisten vermag.
Keinesfalls versäumen sollte man den Besuch der kleinen Scheunendachkirche von Asínou. Die komplett mit Fresken ausgemalte Kirche aus dem 12. Jh. ist ein Kleinod byzantinischer Kunst und liegt weitab der Zivilisation in einem malerischen Waldtal. Ein ausgeschilderter Rundweg führt von hier durch dichte Pinienwälder ins Dorf Agios Theodoros und zurück nach Asínou. Zum Abschluss des Kultur- und Wanderausflugs verwöhnen die beiden Ausflugstavernen von Asínou Gäste mit guter einheimischer Küche.
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