Viel Vergangenheit – wenig Zukunft! Nur etwa 3 km von der türkischen Südküste entfernt beginnt Europa! Genauer gesagt auf Kastellorizon, einem steinigen Haufen vergessenes Griechenland mitten im Meer.
Schroff ragen zackige hohe Felsen aus dem Wasser, die den hufeisenförmigen Naturhafen der griechischen Insel Kastellorizon (türkisch Megisti) beschützen. Das hat die Insel auch dringend nötig, denn ihre Zukunft sieht wenig rosig aus! Zählt man wohlwollend die umliegenden unbewohnten Inselchen dazu, ist Kastellorizon mit seinen insgesamt 12 km² die kleinste Gemeinde der Präfektur Dodekanes und die östlichste Griechenlands. Von den meistens zweistöckigen Häusern um das Hafenbecken herum stehen viele leer oder verfallen langsam vor sich hin. Die wenigen Einwohner, die hier ausharren, leben von einem bescheidenen Tourismus, den die anlegenden Segelyachten aufs Eiland bringen.
… liest sich die Geschichte der griechischen Insel. Noch in den 1920er-Jahren zählte Kastellorizon zu den größten Häfen des östlichen Mittelmeeres. 20 000 Insulaner brachten es durch regen Handel mit dem Orient zu Wohlstand. Doch ein verheerendes Erdbeben setzte dem emsigen Treiben 1927 ein jähes Ende und zerstörte die meisten der damals 4000 Häuser. Die wenigen Bauten, die vom Erdbeben verschont blieben, waren im Oktober 1943 Zielscheibe deutscher und italienischer Flugzeugangriffe. Schicksalsschläge, von denen sich die Insel nicht erholen sollte. In den 1980er-Jahren glich der einzige Ort der Insel einer Geisterstadt. Um die wenigen Einheimischen zu halten, subventionierte der griechische Staat u. a. deren ärztliche Versorgung, die Betreuung der wenigen Kinder sowie die Fähr- und Flugverbindungen. 1986 wurde sogar ein Flughafen eröffnet, dessen 800 m lange Landebahn jedoch nur für kleinere Maschinen geeignet ist. Immerhin besteht seit 2006 eine eher regelmäßige Flugverbindung zur griechischen Insel Rhodos. Ebenfalls dorthin verkehrt zwei bis drei Mal pro Woche eine Fähre, wobei die Überfahrt etwa sechs Stunden dauert!
Heute ist Kastellorizon ein beliebtes Ausflugsziel vieler Segler, die hier – oft nur für einen Tag – in der malerischen Hafenbucht vor Anker liegen bleiben, um während ihres Türkei-Törns für kurze Zeit griechisches Flair und griechisches Essen zu genießen. Die wenigen Restaurantbesitzer der bescheidenen Tavernen am Hafen buhlen um die Gunst der meist zahlungskräftigen Klientel. Weitere Touristen bringt während der Saison täglich der Meis Express, der morgens von Kaş aus die Insel ansteuert und abends wieder zurückfährt. Der Ausflug erfreut sich vor allem bei den Gästen großer Beliebtheit, die mit der schönen Tagesfahrt ihr türkisches Touristenvisum um weitere drei Monate verlängern. Ein Novum – denn erst seit Juni 2007 wurde die offizielle Ein- und Ausreise zwischen Kastellorizon und der Türkei möglich. Etliche der morbiden Häuser wurden inzwischen von Ausländern – vor allem Italienern – aufgekauft und renoviert. Zumindest in der Sommersaison kehrt so allmählich etwas Leben auf die vergessene Insel zurück. Deren Zukunft steht dennoch unter keinem guten Stern. Ohne ein schlüssiges Gesamtkonzept und eine Perspektive für junge Insulaner wird sich das auch kaum ändern. Die meisten verlassen daher ihre Heimat. Und doch, ein schmaler Hoffnungsstreifen leuchtet am Horizont auf: Das uralte Kriegsbeil zwischen Türken und Griechen scheint – zumindest hier – begraben zu sein! Und wenn auch nur dem Tourismus zuliebe.
Meis Express, Ferry & Yacht Service
Hükümet Cad. No. 16, 07580, Kas˛
Tel. (02 42) 836 17 25, www.meisexpress.com
Übernachtung
Kamayo Appartements: Drei traditionell restaurierte Häuser
15 m vom Meer entfernt; herrlicher Blick über den Hafen.
Zu buchen über: www.sonnenziele.net
Anzeige