zurück zu den Reportagen zurück zu den Reportagen
Salvador und Gala Éluard Dalí
Vielen Dank für Ihre Bewertung

Ein Königreich für eine Muse 

von Achim Bourmer

Bild 01_Artikel_Barcelona_Muse
Quelle: Quelle: ©iStockphoto.com/ lore

Sie wünschte sich ein eigenes Königreich, und Salvador Dalí schenkte es ihr: Schloss Púbol. Dort wurde seine „Muse“ Gala auch bestattet, der Künstler selbst fand seine letzte Ruhe allerdings woanders.

Sie wollte Ruhe vor dem quirligen Treiben in Port Lligat und mehr Abstand zu ihrem Mann. Ein eigenes Schloss in der Toskana wäre ihr Traum gewesen. Doch Salvador Dalí (1904–1989) mochte Italien nicht. Und so kaufte er 1969 für seine Ehefrau und „Muse“ Gala (1894–1982) im verschlafenen Weiler Púbol, rund 125 Kilometer nördlich von Barcelona, ein verfallenes Landschlösschen aus dem 14. Jahrhundert. Dieses Schloss gestaltete er mit den ausgefallensten Ideen für sie aus, mit illusionistisch gemalten Heizkörperverkleidungen und Galas Thron etwa, sowie einer Herde spinnenbeiniger Elefanten im Garten und Wagnerbüsten rund ums Schwimmbecken. Gala betrachtete das neue Zuhause als ihr Königreich – das sie auf Dauer mit niemandem zu teilen bereit war. Besuche wurden ihrem Gemahl angeblich nur nach schriftlicher Anmeldung gestattet. Dalí blieb nie über Nacht; er habe, so heißt es, unter der Trennung sehr stark gelitten.

GALA ADOPTIERTE MICH“

Trotz zahlreicher Liebesaffären der exzentrischen, in der Wolgastadt Kasan geborenen Jelena Dmitrijewna Djakonowa, die sich bereits „Gala“ nannte, als Dalí sie im Jahr 1929 in der Gruppe der Surrealisten um André Breton in Paris kennenlernte, war die fast zehn Jahre ältere Gala der ruhende Pol in Dalís unruhigem Künstlerleben, seine Muse, die er von nun an immer wieder malte. „Gala erhöhte mich, sie adoptierte mich, ich war ihr Letztgeborener, ihr Kind, ihr Sohn, ihr Liebhaber.“ Nach ihrem Tod, der ihn zutiefst erschütterte, verließ Dalí sein Haus in Port Lligat bei Cadaqués, in dem Gala und er von 1948 bis 1969 gemeinsam gelebt hatten, und wählte Schloss Púbol als neues Domizil. 1983 schuf er hier mit „Cua d’oreneta“ („Schwalbenschwanz“) sein letztes Gemälde. Ein Jahr später, 1984, zwang ihn ein Schlossbrand, bei dem er schwere Verletzungen erlitt, in seine Geburtsstadt Figueres umzusiedeln, wo er sich in der Torre Galatea neben seinem eigenen, schon im Jahr 1974 errichteten Museum einschloss.

DAS SURREALISTISCHE DREIECK

Schloss Púbol – neben dem Teatre-Museu Dalí in Figueres und dem Anwesen in Port Lligat eine der drei Behausungen des genialen Exzentrikers, die heute das „surrealistische Dreieck“ bilden – ist seit dem Jahr 1996 als Museum geöffnet.

LEICHENWAGEN IN DER GARAGE

Alles im Innern des gleichzeitig mittelalterlichen und surrealistischen Schlosses, durch dessen Räume Wagner-Klänge schweben, ist unverändert, wie das Bett mit dem roten Baldachin im Gästezimmer, Galas Garderobenschränke mit den hocheleganten Kleidern und üppigen Schminkutensilien, die Bibliothek, das Pianozimmer. In der Garage steht noch der Cadillac, in dem Dalí 1982 seine tote Frau von Port Lligat, wo sie nach ihrer Rückkehr Anfang der 1980er-Jahre zu ihrem Mann gestorben war, auf dem Rücksitz hierher bringen ließ. Sie ist in der Krypta des Schlosses begraben.

FRANCOS BLINDER GEFOLGSMANN?

An Salvador Dalí scheiden sich bis heute die Geister. Die Moderne soll er verraten haben, als der einst als Meister des Surrealismus gefeierte – und 1939 aus der Gruppe der Surrealisten ausgeschlossene – Künstler gegen die Abstraktion und die Avantgarde wetterte. Auch soll er Fälschungen seiner Werke akzeptiert haben. Zehntausende von Papierbogen signierte er blanko – angeblich gegen Bares. Bisher wurden rund 40 000 gefälschte Druckgrafiken sichergestellt. Am meisten diskutiert man aber nach wie vor über sein Verhältnis zu dem spanischen Diktator Franco. 1975 schickte er ihm ein Glückwunschtelegramm anlässlich der Hinrichtung von ETA-Terroristen. „Alles nur Ironie!“, meint der spanische Architekt Óscar Tusquets: Dalí habe mit seinen übertriebenen Lobpreisungen Francos nur provozieren wollen. Gut möglich: „Ich bin nicht nur Provokateur von Berufs wegen, sondern auch aus Veranlagung“, so Dalí. „Wichtig ist vor allem, dass das Publikum nicht unterscheiden kann, ob ich Spaß mache oder es ernst meine. Es ist sogar unwichtig, ob ich es selbst weiß.“

DALÍ-MUSEEN

Figueres
Teatre-Museu Dalí , Gala-Salvador Dalí Square, 5,
E-17600 Figueres Tel. 0034 972 677 500, Nov.–Feb. 10.30 bis 18.30, März–Juni 9.30–18.00, Juli–Sept. 9.00–20.00 Uhr

Port Lligat
Casa-Museo Salvador Dalí, Port Lligat, E-17488 Cadaqués
Tel. 0034 972 251 015, 15. März–14. Juni und 16. Sept. bis 6. Januar 10.30–18.00, 15. Juni–15. Sept. 9.30–21.00 Uhr

Púbol
Casa-Museo Castillo Gala Dalí, Gala Dalí Square
E-17120 Púbol-la Pera, Tel. 0034 972 488 655, 15. März bis 14. Juni 10.00–18.00, 15. Juni–15. Sept. 10.00–20.00, 16. Sept. bis 1. Nov. 10.00–20.00, 2. Nov.–31. Dez. 10.00–17.00 Uhr
www.salvador-dali.org

Anzeige

Weitere Inhalte

mehr Videos

Weitere Videos YouTube Logo

mehr Bilder

CadaquesCadaquesCadaquesDaliDaliR.I.P.IMG_1164IMG_1177IMG_1176IMG_1175IMG_1174IMG_1173
flickr Logo

Reisewetter

Barcelona
Donnerstag,
17.05.12
heiter
12C / 19C
Freitag,
18.05.12
Regenschauer
13C / 21C
Samstag,
19.05.12
stark bewölkt
15C / 19C
Ausführliches Reisewetter auf wetter.net Logo