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FRANKFURTS ALTSTADT
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Disneyland Domhügel? 

von Rita Henss

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Quelle: ©DuMont Bildatlas / Udo Bernhart

Frankfurts mittelalterlicher Kern wurde im Zweiten Weltkrieg bis auf ein einziges Fachwerkhaus zerstört. Die so historisch wirkende Ostzeile auf dem Römerberg entstand in den 1980er-Jahren neu. Nun sollen weitere Facetten der Altstadt rekonstruiert werden. Ein nicht unumstrittenes Unterfangen.

Gute Architektur, schlechte Architektur – wer soll in Frankfurt entscheiden?“ Unter diesem Motto hatte das Historische Museum der Stadt im Oktober 2010 zu einer öffentlichen Diskussion geladen. Auf dem Podium saß eine Handvoll Spezialisten aus den Bereichen Baukunst und Stadtplanung; im Parkett drängten sich interessierte Bürger. Was hatte sie so zahlreich erscheinen lassen? Ein jeder wusste, es würde an diesem Abend nicht um Architektur im Allgemeinen gehen, sondern um das brisante Thema der Altstadtrekonstruktion.

War da nicht schon mal was? In der Tat: Anfang der 1980er-Jahre, im Zuge der Errichtung der „Kultur-Schirn“, erhielt Frankfurts Römerberg seine im Krieg zerstörte mittelalterliche „Ostzeile“ auf dem Römerberg zurück und das Haus „Schwarzer Stern“. Detailgetreu wurden die Fachwerkbauten rekonstruiert, inklusive Schnitzwerk und Decken aus Lehm-Stroh-Gemisch. Gut 35 Million Mark kostete das Unterfangen. Zwei Jahrzehnte später geht es nun um das gesamte Dom-Römer-Areal. Den „historischen Krönungsweg“ will man wieder aufleben lassen, sechs bis acht historische Fachwerkhäuser dafür auf dem Domhügel rekonstruieren.

Doch liegen dort auch der Archäologische Garten mit den Mauern eines römischen Militärlagers, Relikte römischer Badeanlagen und die Ruinen der karolingischen Kaiserpfalz. Ein Architektenwettbewerb zur Überbauung wurde ausgelobt. Der Gewinner-Entwurf sieht einen modernen, an der Dachhöhe der geplanten Fachwerkzeile orientierten, parallel zur Schirn-Kunsthalle stehenden großen Gebäuderiegel vor – begleitet von kritischen Stimmen, die sich beispielsweise vehement gegen eine Überbauung des Archäologischen Gartens wenden.

Skepsis herrscht bei vielen Bürgern und Architekten auch bezüglich der geplanten baulichen „Verdichtung“ des Dom-Römer- Areals – denn mittelalterliche Gassenenge bedeutet wenig Licht in den Räumen, von denen ein Teil ja auch zum Wohnen gedacht ist. Nach dem Abriss des Technischen Rathauses, einem Beton-Koloss aus den frühen 1970er-Jahren, herrschte erst einmal „neue Leichtigkeit“ im Altstadtkern, die sogar Vertreter des Magistrats attraktiv fanden.

Baggerbisse gab es übrigens im Zuge der neuen Dom-Römer-Planung auch am Historischen Museum, ebenfalls ein Bauwerk aus den 1970ern. Bis 2015 entsteht an seiner Stelle ein neuer Museumsplatz, der den sanierten historischen Saalhof mit einem zeitgenössischen Sammlungs-Neubau verbindet. Da sind sich offenbar alle einig.

FAKTEN

Stimmen zum Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt auf den Internetseiten www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/innenstadtkonzept_frankfurt_9028.html, www.pro-altstadtfrankfurt.de, www.domroemer.de oder www.bda-hessen.de

Der DuMont Bildatlas Frankfurt / Rhein-Main ist im Handel und im Online-Shop erhältlich.

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