Jeden Herbst steht die Ostseeküste in Flammen: Schon ab Ende August leuchtet es gelb-orange von den Büschen des Sanddorns. Die Reifezeit der Beeren reicht bis in den Oktober, aber auch im Winter bleiben die Früchte meist an den Ästen hängen und setzen an grauen Tagen leuchtende Farbtupfer in die Landschaft.
In den letzten Jahren ist es schwieriger geworden, diesen Anblick längere Zeit zu genießen: Sanddorn als vitaminreiche Delikatesse ist inzwischen so populär, dass Sammler und Hobbyköche früh in der Saison losziehen, um die Büsche zu „melken“.
Ursprünglich war Hippophae rhamnoides, der Sanddorn, in Asien beheimatet, von wo aus er im Zuge der letzten Eiszeit bis nach Europa gelangte. In China und Russland wird er bis heute in Plantagen angebaut – eine Tradition, die von der DDR übernommen wurde. Sanddorn weist einen hohen Anteil an Vitamin C auf, der den von Zitrusfrüchten oder der ebenfalls sehr wertvollen Schwarzen Johannisbeere bei Weitem übertrifft. Außerdem enthält die Pflanze viele weitere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, weshalb sie bei drohenden Infekten und zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt wird. Sanddornprodukte finden heute bei Krebstherapien oder Entzündungen des Magen-Darm-Trakts begleitend Anwendung. Außerdem werden die in den Beeren enthaltenen Öle in der Kosmetik verwendet: in Seifen, Cremes und Lotionen.
Bei einer Reise nach Rügen, Hiddensee oder Usedom stößt man unweigerlich auf Sanddorn in allen Variationen – sowohl auf den Speisekarten als auch in Hofläden und Geschäften mit regionalen Produkten. Längst übersteigt die Nachfrage das Angebot, sodass die Früchte nicht mehr ausschließlich von den Inseln stammen, sondern auch von Plantagen auf dem Festland. Der reine Sanddorn ist zu sauer für den Verzehr. Mit Zucker, Sirup oder Honig angereichert, wird er zu Säften, Mus oder Konfitüren verarbeitet. Es gibt Sanddornlikör und Sanddorntee. Man findet ihn als Zutat in Suppen, Soßen und Marinaden, in Salaten oder Süßspeisen.
Traditionell wird Sanddorn „gemolken“, eine echte Knochenarbeit. Geschützt durch Gummihandschuhe, greift sich der Sammler ein Bündel Zweige und streift die Beeren entgegen der Dornenrichtung in einen Eimer. Das funktioniert in der Regel nur mit viel Druck, sodass man eine Mischung aus Saft und zerquetschten Beeren erhält. Manchmal müssen die Äste regelrecht ausgewrungen werden. Ganz ohne Dornenstiche geht das nicht ab – trotz der Handschuhe. Während das Melken den Busch weitgehend intakt lässt, rücken andere Beerensammler mit großen Scheren an und schneiden die prallen Dolden ab, um sie später zu pressen. Ein Verfahren, das in den geschützten Landschaften nicht erlaubt ist, auf den kommerziellen Plantagen aber in großem Umfang Anwendung findet. Die Beeren werden dort schockgefrostet, dann von den Ästen getrennt und gereinigt. Auf den Inseln rücken die Sammler meist schon Ende August zur ersten Ernte aus. Eigentlich sollte man damit bis Oktober warten, denn nach dem ersten Frost sind die Früchte am besten. Doch auch hier gilt die alte Weisheit: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Viele Hofläden und Souvenirshops haben eine breite Palette von Sanddorn-Erzeugnissen im Angebot, zum Beispiel:
Rügenhof am Kap Arkona, www.kap-arkona.de
Rügenmarkt in Sassnitz, www.kutterfisch.de
Sanddornbrände produzieren auf Rügen zum Beispiel:
Erste Edeldestillerie, www.1ste-edeldestillerie.de,
Mönchguter Hofbrennerei Strandburg, www.hofbrennerei-strandburg.de
Auch online kann man viele Produkte – von Sanddornkeksen bis Sanddorn-Secco – erwerben, zum Beispiel bei:
www.sandorado.de
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