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DUBAIS MEGAPROJEKTE
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Die Welt versinkt im Meer 

von Jochen Müssig

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Quelle: ©DuMont Bildatlas / Martin Sasse

Im Übermorgenland der Architektur hat die Immobilien- und Finanzkrise zwar für mehr Bodenhaftung gesorgt, trotzdem expandiert Dubai weiter, wenn auch gebremst. Die Inseln des Prestigeobjekts The World werden allerdings unaufhaltsam vom Persischen Golf geschluckt.

Sheikh Ahmed Bin Said Al Maktoum ist bekannt für seine wortkargen Interviews. Häufig gibt es nur ein Ja oder Nein auf komplexe Fragen. In der Welt der Wirtschaft genießt er jedoch hohes Ansehen, vor allem seit er die Luftfahrtgesellschaft “Emirates” in den Kreis der Global Player der Branche geführt hat. Also hat ihn sein Neffe Mohammed – der Herrscher von Dubai – zum CEO von “Dubai World” ernannt. So heißt die Investmentgesellschaft, die über Tochterfirmen praktisch für alle großen Immobilienprojekte des Emirats verantwortlich zeichnet.

NEUER NAME FÜR BURJ DUBAI

Sheikh Ahmeds Vorgänger, Sultan Ahmed Bin Sulayem, wird vorgeworfen, Schulden in Höhe von rund 60 Milliarden US-Dollar gemacht zu haben. Wäre der große Bruder Abu Dhabi nicht kurz vor Fertigstellung des Burj Khalifa Anfang 2010 mit kolportierten 20 Milliarden eingesprungen, hätte sich Dubai wohl unter die Pleiteländer von Argentinien über Island bis Griechenland einreihen können. Burj Dubai sollte der Megaturm ursprünglich heißen. Nach der Finanzspritze vom Hauptstadt-Emirat wurde er auf den Namen des VAE-Staatschefs und Herrschers von Abu Dhabi, Sheikh Khalifa Bin Zayed Al Nahyan, umbenannt. Andere Megaprojekte, vornehmlich die Inselwelten vor der Küste – The World sowie die zweite und dritte Palme, Palm Deira und Palm Jebel Ali –, wurden gestoppt. Die 300 Sandbänke von The World, aus denen Inseln in Form einer Weltkarte entstehen sollten, versinken langsam, aber sicher im Meer. Und während The Palm Deira und Jebel Ali wohl gar keine Zukunft mehr haben, dümpelt The Palm Jumeirah vor sich hin. Die Palmwedel sind großteils noch unbebaut, die Wohnungen entlang des Stamms allenfalls zu einem Drittel belegt, die Immobilienpreise in den letzten zwei, drei Jahren um bis zu 60 Prozent gefallen.

Das anfängliche Staunen über die Wunderwelt Dubai ist der Häme gewichen. Haben Nordamerika und Westeuropa nicht prognostiziert, dass die rauschende Expansion irgendwann ein Ende haben würde oder wenigstens einen gehörigen Dämpfer bekäme? Auch aus den eigenen Reihen hörte man für arabische Brüder recht deutlich klingende Aussagen: So machten die Scheichs von Sharjah und Ras Al Khaimah klar, dass ihnen Dubai auf keinen Fall als Vorbild diene.

Die absurden Werbesprüche an der Sheikh Zayed Road (“Twice as big as Hongkong”) sind verschwunden. Doch auch wenn seit der Finanzkrise etwas kleinere Brötchen gebacken werden, gehört das Emirat weiterhin zu den am stärksten wachsenden Regionen der Welt. Über 400 Wolkenkratzer stehen in Dubai. Neun davon ragen über die 300-Meter- Grenze hinaus und rund 60 sind mehr als 200 Meter hoch. Der Vergleich mit Deutschlands Hochhausstadt Frankfurt macht die Dimensionen deutlich: Mainhattan verfügt gerade mal über fünf Gebäude, die 200 Meter hoch oder höher sind.

Auch nach dem Höhepunkt der Krise gehören Baustellen und Neubauten, insbesondere Hoteleröffnungen, zur Normalität zwischen Creek und Jumeirah. Der Tourismus bildet ja neben dem Handel die zweite große Säule in den Zukunftsplanungen des Emirats, dessen Hotels für ihren hohen Standard (und ihre hohen Preise) bekannt sind. Gäbe es das kleine Bali mit seinen zahlreichen traumhaften Luxusresorts nicht, wäre Dubai diesbezüglich wohl die Nummer eins in Asien.

BEWEGLICHER WOLKENKRATZER

Das nächste Megaprojekt ist ebenfalls ein touristisches: Dubailand. Es soll einmal der größte Unterhaltungspark der Welt werden. Nach den Universal Studios, der Motor City und Sport-Event-Anlagen hat kürzlich Legoland eröffnet. Man darf gespannt sein, wie Sheikh Ahmed das Projekt weiter managen wird, welchen Zeitplan er verfolgt und ob er den einen oder anderen geplanten Superlativ nicht doch ein wenig schrumpfen lässt.

Aufmerksam wird auch beäugt, wie er mit anderen Plänen umgeht – komplett neuen oder solchen, die während der Krise auf Eis gelegt wurden, wie denen für den Dynamic Tower. Der auf 420 Meter Höhe ausgelegte Wolkenkratzer könnte das erste Haus der Welt sein, das seine Form ändert. Der New Yorker Architekt David Fisher sagt: “Dieses Gebäude wird nicht ein einziges Mal eine Form annehmen, die es schon einmal hatte.” Das Geheimnis: Jede der 80 Etagen lässt sich um 360 Grad drehen, der Strom dafür wird durch Windturbinen selbst erzeugt. Der Dynamic Tower soll auf 15 Etagen auch das erste bewegliche Hotel der Welt beherbergen – so er denn jemals fertig wird …

Der DuMont Bildatlas Dubai ist ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich.

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