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STEINZEIT
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Die Venus von der Alb 

Dina Stahn, Stuttgart

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Quelle: Hilde Jensen/ Universität Tübingen

Als schön gilt sie den meisten nicht, aber als Sensation: Die vor zwei Jahren in einer Höhle bei Schelklingen gefundene Frauenfigur ist die älteste bekannte Menschendarstellung der Welt.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb haben weit mehr zu bieten als nur Tropfsteine. Seit Jahrtausenden ruhen in ihrem Dunkel die ältesten Kunstwerke der Welt. In der letzten Eiszeit, als die Alb eine unwirtliche baumlose Tundra war, suchten die jungsteinzeitlichen Menschen in den Höhlen gelegentlichen Unterschlupf. Und sie haben Werke zurückgelassen, die heute für Schlagzeilen sorgen. Den jüngsten Knüller lieferte der Hohle Fels, eine Höhle bei Schelklingen nahe Blaubeuren. Hier entdeckte das Team um den Tübinger Professor für Urgeschichte, Nicolas Conard, eine eindrucksvolle Frauenskulptur. Gerade mal sechs Zentimeter ist die „Venus vom Hohlen Fels“ hoch, wiegt 33 Gramm, hat ausladende Hüften, Stummelbeinchen, extrem betonte Geschlechtsmerkmale. Ihr Leib trägt zahlreiche Ritzlinien und Kerben und dort, wo der Kopf sein sollte, sitzt eine Öse. Jungsteinzeitliche Frauenfiguren mit ähnlich üppigen Körperformen sind aus mehreren anderen Fundstellen in Europa bekannt. Doch die Älblerin ist mehrere Tausend Jahre älter als diese. Wie die Radiokarbondatierung ergab, sind es 35 000 bis 40 000 Jahre her, dass ein Steinzeitmensch die kleine Venus aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzt hat. Doch wozu? Darüber können die Archäologen nur spekulieren: Muttergottheit, Talisman für glückliche Geburten, Teil schamanischer Riten, Furchtbarkeitssymbol?

NSTLER UND MUSIKER

Die Alb rückte 1931 als archäologische Fundgrube ins Rampenlicht. Damals fand der Tübinger Archäologe Gustav Riek in der Vogelherdhöhle im Lonetal die ältesten Tierfiguren der Welt, darunter das weltberühmte Höhlenpferdchen. Rieks Team ging noch relativ grob zu Werke. Was sie eimerweise aus der Höhle schippten, unterzogen Archäologen 2007 einer genaueren, modernen Methoden entsprechenden Inspektion. Und es kam noch ein Mammutfigürchen zum Vorschein. Nun hat sich die Zahl der Eiszeit-Kunstwerke auf 50 erhöht. Fast alles sind Schnitzereien aus Mammutelfenbein. Bemerkenswert ist, dass keineswegs die Jagdtiere verewigt wurden, denen die Eiszeitjäger nachstellten. Die Künstler ließen sich vielmehr von Tieren mit eindrucksvollen Fähigkeiten inspirieren, die also besonders schnell, stark oder gefährlich waren: Pferd, Bär, Mammut, Löwe. Wie die Venus besitzen viele eine Öse, wurden also als Anhänger getragen. Es ist davon auszugehen, dass die Eiszeitjäger der Alb ihre Höhlen auch bemalt haben. Das legen zumindest Farbreste aus dem Hohlen Fels nahe. Doch die Erhaltungsbedingungen sind in den Albhöhlen ungünstig – auf ein zweites Lascaux darf man hier nicht hoffen. Wie aus dem Nichts trat dieses umfassende künstlerische Schaffen hervor, dem auch die ältesten Musikinstrumente der Welt entstammen: eine Flöte aus Schwanenknochen aus dem Geißenklösterle bei Blaubeuren sowie eine aus Gänsegeierknochen im Hohlen Fels, beides zierlich feine Instrumente.

HEIMATLOSE HÖHLENKUNST?

Nachdem die Venus im Rahmen einer großen Landesaustellung gezeigt wurde, dürfte sie wie das Mammut und die Flöten auf viele Jahre in den Labors verschwinden und höchstens für Sonderausstellungen auf Reisen gehen. Doch was Ägypten recht ist, ist Blaubeuren und dem Lonetal billig, und so reklamiert man diese Kunstwerke, von denen man sich einen Besucherstrom erhofft, mit dem Argument für sich, dass in erster Linie die Fundorte das Recht auf die Figuren haben. Eine Rückkehr von Venus & Co. in ihre Heimat könnte die Höhlen aufwerten, die für sich allein genommen nur mäßig anziehend sind. Die Altfunde, also die Riek’schen Figürchen aus dem Lonetal inklusive Pferdchen, haben hingegen ihre feste Heimat: Das Museum der Universität Tübingen stellt sie auf dem Tübinger Schloss aus.

FAKTEN

Museum Schloss Hohentübingen
Tübingen, Burgsteige 11, Tel. 0 70 71/2 97 41 34,
www.unimuseum.uni-tuebingen.de
Mai –Sept. Mi. –So. 10.00– 18.00 Uhr, im Winter bis 17.00 Uhr

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
Blaubeuren, Karlstraße 21, Tel. 0 73 44/9 28 60, www.urmu.de
Mitte März–Okt. Di.–So. 11.00–17.00, sonst Di. und Sa.
14.00–17.00, So. 11.00–17.00 Uhrh2. Your title here…

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