Von der Sukhothai-Ära bis heute haben in Thailand acht Dynastien und Dutzende Könige geherrscht, aber noch nie hat es hier einen König gegeben, dem solche Achtung, Zuneigung und Ehrerbietung, ja Liebe entgegengebracht wurde wie König Bhumipol Adulyadej, die unumstrittene Integrationsfigur des Landes.
Der Name des 1927 in Cambridge, Massachusetts, geborenen Regenten – sein Vater promovierte dort in Medizin – bedeutet „Die Stärke des Landes“, und er könnte nicht treffender gewählt sein, denn obwohl Thailand seit 1932 nur noch eine konstitutionelle Monarchie ist, hat König Bhumipol Adulyadej seit seiner Inthronisierung unermüdlich zwischen diktatorischen und demokratischen Kräften vermittelt.
So auch 1992, als das Militär in Bangkok schießend auf Demonstranten gegen die damalige Regierung vorging. Der König intervenierte, ließ die Tore zu seinem Palast öffnen und bot den Demonstranten Schutz. Anschließend lud er die konträren Parteien zu einer Audienz, in deren Verlauf die Militärs zusichern mussten, auf jegliche Gewalt zu verzichten und die Probleme auf demokratischem Wege zu lösen.
Es ist nicht übertrieben, wenn die Thailänder sagen, dass sie ihm allein den wirtschaftlichen Aufschwung und die relativ demokratischen Verhältnisse verdanken, und wer immer ein gelbes Armband oder gelbes Hemd trägt, zeigt auf diese Weise seine Verbundenheit mit dem Monarchen. Denn Gelb ist die Farbe der Königstreuen, und nicht umsonst tragen die Parteigänger der momentan regierenden Partei der Neuen Politik (PNP), wie sich die Demokratische Volksallianz (PAD) seit Sommer 2010 nennt, gelbe Hemden und Stirnbänder,
um sich von den „Rothemden“ der Thaksin-Anhänger abzusetzen, die seit 2006 immer wieder einmal für Unruhe im Lande sorgen. In diesem Jahr nämlich stürzte das thailändische Militär mit Unterstützung der PAD und in Einvernehmen mit dem König den unter anderem mit Korruptionsvorwürfen belasteten damaligen Regierungschef Thaksin Shinawatra. Der König selbst hatte nie einen Hehl daraus gemacht, was er von dem mittlerweile des Amtsmissbrauchs überführten und im Exil lebenden Thaksin hielt, und er forderte die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und den Anordnungen der neuen Machthaber zu folgen, bis ein neuer Premierminister durch seine Majestät selbst im Amt bestätigt werde.
Das ist mittlerweile geschehen, und so ist es dem Regenten wieder einmal gelungen, potentielles Blutvergießen zu vermeiden, die bedrohte Demokratie zu retten. Im aktuellen Konflikt zwischen „Gelb-“ und „Rothemden“ hat der König zwar nicht direkt erkennen lassen, auf wessen Seite er steht, doch hat die seit Dezember 2008 regierende PAD (bzw. ihre Nachfolgepartei PNP) eine bedeutende Unterstützerin im Königshaus.
Königin Sirikit, so heißt es, ist dieser demokratischen Partei sehr zugetan, die sich in Bangkok sowie im Süden des Landes auf die Majorität der Wählerstimmen stützen kann, während die Anhänger Thaksins im Norden sowie Nordosten von Thailand dominieren. Sie sind in der Oppositionspartei United Front for Democracy against Dictatorship (UDD) organisiert, die im April 2009 für die Stürmung des Asean-Konferenzortes in Pattaya und im April/Mai 2010 für die gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften und dem Militär in Bangkok verantwortlich zeichneten. Bilder brennender Barrikaden gingen um die Welt. Und die Unruhen ließen Befürchtungen aufkommen, Südostasiens zweitgrößte Volkswirtschaft könne in einen Bürgerkrieg abgleiten, doch hat sich nach dem von der Regierung initiierten und vom Königshaus stillschweigend geduldeten Einschreiten der Streitkräfte die innenpolitische Lage deutlich beruhigt, wenngleich in Bangkok und einigen nördlichen Provinzen unverändert Notstands recht gilt.
Doch vieles andere noch haben die Thailänder ihrem König zu verdanken, der mehr Zeit seines Lebens reisend im Lande unterwegs war als in seinem Palast, der über 1500 Entwicklungsprojekte in Sachen Landwirtschaft, Bewässerung und Gesundheitswesen ins Leben rief und zum Teil auch selbst finanzierte – dank eines Milliardenvermögens reichster Monarch der Welt. Und nicht nur für seine Glaubensanhänger, die Buddhisten, deren religiöses Oberhaupt er ist, sondern unter anderem auch für die Muslime, für die er eine Koranübersetzung ins Thai anfertigen ließ. Ansonsten ist er stark im Umweltschutz engagiert, in der Wiederaufforstung der Wälder, hat als einziger aller bisherigen Könige Thailands ohne Ausnahme alle der 76 Provinzen des Landes besucht und sich dort stets den Menschen, ihren Sorgen und Nöten verbunden gezeigt. Dies gerade auch in den armen Regionen insbesondere des Nordens, wo auf seine Initiative hin die Infrastruktur ausgebaut und unter anderem Hunderte Schulen errichtet wurden. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass in Thailand rund ein Viertel des Staatshaushaltes in die Bildung investiert wird – die Analphabetenrate von etwa vier Prozent ist deutlich geringer als in den Nachbarländern. Kein Wunder, dass der Monarch in den Medien auch „Thailands wichtigster Entwicklungshelfer“ genannt wird.
Das Motto seiner Regierungszeit lautet: „Ich werde das Land einzig zum Vorteil seiner Menschen regieren“, und als Dank verlieh ihm sein Volk in einer Volksabstimmung 1987 den Beinamen „Der Große“. Der König wird als Symbol der Vergangenheit und Repräsentant der Neuzeit verehrt und geliebt, gilt als die Seele der Nation, was man zu keinem Zeitpunkt sonst so stark wie am fünften Dezember spürt, wenn der Regent seinen Geburtstag begeht. Dann feiert ganz Thailand und verwandelt sich Bangkok in die größte Partymeile der Welt.
In Bangkok und in den Provinzen im Norden und Nordosten scheint die Lage stabilisiert. Das Notstandsrecht gilt nur noch in Bangkok und drei nördlichen Provinzen. Die Tourismusregionen im Süden sind dagegen bisher nicht von Unruhen betroffen. Allerdings wird von Reisen in und durch die ebenfalls aber aus anderen Gründen unter Notstandsrecht stehenden Provinzen Narathiwat, Yala und Pattani sowie Songhkla an der Grenze zu Malaysia aufgrund drohender terroristischer Anschläge abgeraten. Auch von Reisen in die Grenzregion von Kambodscha sollte man absehen (Infos unter www.auswaertiges-amt.de).
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