In der Camargue regiert Lasso statt Lavendel, heißen die Ranches „Manade“ und züchten markig aussehende Männer schwarze Kolosse für den Stierkampf.
Wie die Zucht der Stiere gehört das gegenseitige Kräftemessen zur Tradition in der Camargue. Anders als bei der spanischen Corrida verlässt der Stier bei der Course Camarguaise die Arena nicht tot, sondern lebendig. Und im Wettkampf zwischen Tier und Mensch wird das Tier bei einem Sieg genauso gefeiert wie der „Raseteur“, der versucht, die zwischen den Hörnern mit Bändern befestigte „Concarde“ – eine rote Kokarde und zwei Bommel – abzureißen. Den Auftakt zur Course Camarguaise bilden die „Abrivados“, bei denen die Stiere von berittenden „Gardians“ durch die Dorfstraßen in die Arenen getrieben werden. Rund zehn Courses bestreitet ein Kampfstier pro Saison, nach 15 Jahren ist Schluss. Danach verbringt ein „Cocardier“ seine letzten Lebensjahre bei der Herde. Sehr umstritten sind die Stierkämpfe spanischer Art, die noch immer in rund 60 südfranzösischen Städten stattfinden. Zwar werden die „Corridas“ von der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt, doch die Lobby der Verfechter ist stark – unter anderem Staatspräsident Sarkozy zählt zu den Anhängern.
Im französischen Tierschutzgesetz sind die „Courses de Taureaux“ ausdrücklich als Ausnahme gestattet. Und auch die Course de Camarguaise ist nicht ganz so tierfreundlich, wie sie sich gerne gibt. Um dem Stier zu entwischen, flüchten sich die tollkühnen Läufer hinter die Holzbarriere, die die Arena begrenzt. Während sich der Mann mit hohem Sprung über die Bretterwand rettet, prallt der Stier mit seinen Hörnern gegen die Holzwand. Auch kommt es durch das Abreißen der „Concarde“ zu Verletzungen – mancher Stier hat sein Augenlicht ver loren. Vor dem ersten Einsatz als Kampfstier steht zudem die Kastration – ohne Betäubung. Doch jetzt ertönt bereits wieder die traditionelle Fanfare, die auch jede Course Camarguaise eröffnet: „Auf in den Kampf, Torero“ aus der Oper „Carmen“. Der Stier scharrt mit seinen Hufen im Sand. Das archaische Ritual beginnt aufs Neue.
Stiere erleben:
Manade Caillan, François Fassi,
Route de Massane, F-13210 St-Rémy-de-Provence,
Tel. 06 28 78 42 55, www.manade-caillan.fr
Manade des Chanoines, Route des Marais,
F-13280 Raphèle (Arles), Tel. 04 66 70 09 65,
www.manade-safari.com
Manade Gilbert Arnaud, Mas lou Rayas (D 38c),
F-13460 Les Stes-Maries-de-la-Mer, Tel. 04 90 97 52 52,
www.manade-arnaud.camargue.fr
Manade Jean Lafon, Mas du Grés,
F-34400 St-Nazaire de Pezan Lunel, Tel. 04 67 71 31 42
Die berühmtesten „Ferias“ Südfrankreichs:
Feria de Nîmes: Pfingsten, Sept.; www.ot-nimes.fr
Feria d’Arles: Ostern, Anfang Juli, Sept.; www.feriaarles.com
Feria de Beaucaire: Ende Juli; www.beaucaire.fr
Feria de Béziers: Mariä Himmelfahrt (15.8.); www.arenes-debeziers.
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