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EIN REVOLUTIONÄRER AKT
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Die Grenzen sprengen 

von Jochen Müssig, München

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Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele

Die Künstlervereinigung Der Blaue Reiter wurde 1911 von Wassily Kandinsky und Franz Marc gegründet. Ihr Ziel war die Befreiung von der erstarrten Tradition akademischer Malerei. Die Landschaft inspirierte sie. Und so machten ihre Wohnorte Murnau und Sindelsdorf das Blaue Land zum Geburtsort und bis heute zu einem Zentrum expressionistischer Kunst.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Der Begriff ist ungewöhnlich, die Erklärung simpel: „Den Namen Der Blaue Reiter erfanden wir am Kaffeetisch in der Gartenlaube in Sindelsdorf. Beide liebten wir Blau, Marc – Pferde, ich – Reiter. So kam der Name von selbst“, schrieb Kandinsky. Wichtiger als die Namensgebung war jedoch das Programm, eine Abkehr von der erstarrten, autoritären und emotionslosen wilhelminischen Gesellschaft. Wassily Kandinsky und Franz Marc wollten deren Grenzen des künstlerischen Ausdrucksvermögens sprengen, neue Farbwelten entdecken und bis in metaphysische Dimensionen vor dringen. Verbin-dendes Element war die expressionistische Konzeption im Kopf jedes Einzelnen: im Sinne von Abbildung irrealer, phantastischer Welten, von Träumen und Sphären des Unterbewussten. Franz Marc glaubte, jeder Mensch habe eine innere und eine äußere Erlebniswirklichkeit, die durch die Kunst zusammengeführt werden könne. Paul Klee beschrieb: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbarewieder, sondern macht sichtbar.“ Zu den wichtigen Mitgliedern der Gruppe gehörten neben Kandinsky, Marc und Klee auch August Macke, Alfred Kubin und Gabriele Münter.

GEBÜNDELT IN EINEM ALMANACH

Der erste Almanach des Blauen Reiters mit 141 Reproduktionen, 19 Artikeln und drei Musikbeilagen erschien nach der ersten Ausstellung der Gruppe 1911. Fast alle Vorarbeiten für das die Ausdrucksvielfalt der verschiedenen Künstler spiegelnde Werk fanden in Murnau statt, dem Wohnsitz Kandinskys und Münters, oder in Sindelsdorf, wo Franz Marc lebte. Vor allem das Müntersche Haus, von Einheimischen seinerzeit „Russenhaus“ genannt, war Treffpunkt. Übersetzungen in nahezu alle Weltsprachen begründeten den Ruf und machten die Künstler im Umfeld des Blauen Reiters zu den wichtigsten Wegbereitern moderner Kunst im 20. Jahrhundert. Die gemeinsame Schaffenzeit war jedoch begrenzt. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, floh Kandinsky mit Gabriele Münter zunächst in die Schweiz, später alleine nach Russland. Marc und Macke starben im Krieg. Der geplante zweite Almanach erschien nicht mehr.

EINE SCHÜTZENDE HAND

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Nach der Trennung bemächtigte sich Gabriele Münter vieler Werke ihres früheren Geliebten und konnte sie so vor den Nazi-Schergen sichern. 1957, zu ihrem 80. Geburtstag, schenkte sie rund 400 Kandinskys der Stadt München, die sie in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus ausstellt. Das Münter-Haus wurde auf Wunsch der Künstlerin zu einer Stätte der Erinnerung an den Blauen Reiter und nach alten Plänen, Skizzen und Fotografien renoviert. Unter anderem ist das Wohnzimmer, einst Treffpunkt der Künstler, das Atelier und Räumlichkeiten im Obergeschoss, in denen der Almanach zur Welt kam, in weitgehend ursprünglichem Zustand zu sehen.

MUSEEN

Im Schlossmuseum ist die weltweit größte Werkschau von Münter-Bildern zu sehen (Schlosshof, Murnau, Tel. 0 88 41/4 76 07, www.schlossmuseum-murnau.de Di.–So. 10.00–17.00 Uhr).

Das Münter-Haus ist Museum mit Werken der Künstler Münter und Kandinsky und Erinnerungsstätte zugleich, die einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsweisen der
beiden gibt (Kottmüllerallee 6, Murnau, Tel. 0 88 41/62 88 80, www.lenbachhaus.de Di.–So. 14.00–17.00 Uhr).

Das Franz-Marc-Museum zeigt einen Querschnitt aus dem Werk dieses „Blauer-Reiter“-Mitglieds (Franz-Marc-Park 8, Kochel am See, Tel. 0 88 51/92 48 80, www.franz-marcmuseum.de April–Okt. Di.–So. und Fei. 10.00–18.00, sonst Di.–So. und Fei. 10.00–17.00 Uhr).

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