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Recht und Millionen
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Die Fürsten melden sich zurück 

von Thomas Veszelits

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Martin Specht

Manche Märchen werden tatsächlich wahr! Der tschechische Adel erhielt nach der Wende wieder Glanz – und seinen Besitz zurückerstattet. Auf Schloss Dobříš beispielsweise herrschen wieder die Colloredo-Mansfelds. Doch sie bekamen nicht alles – und so beschäftigt erbitterter Streit die Gerichte.

Restitution ist ein altertümlicher Begriff für Wiederherstellung in den ursprünglichen Zustand. Nach der Wende wurde er zum Zauberwort für neuen Reichtum: Was Eltern und Großeltern verloren haben, können etliche Erben wieder ihr Eigen nennen. Burgen und Schlösser, Paläste und Patrizierhäuser, Wald und Wiesen, Weinberge und Brauereien.

GLÜCK NICHT FÜR ALLE

Die Räder der Geschichte wurden bei diesem historischen Hochseilakt sehr weit zurück gedreht. Fast bis zum Jahr 1620, bevor die siegreichen Habsburger nach der Schlacht vom Weißen Berg begannen, den tschechischen – und protestantischen – Adel zu enteignen. Auch dieses Unrecht wurde weitgehend korrigiert. Die Kirche hatte vorerst das Nachsehen: Die meisten Klöster wurden schon 1780 per Dekret des Kaisers Joseph II. aufgelöst und veräußert. Es nützte aber den heutigen Nachfahren des Kanzlers Metternich wenig, dass ihr Urahn damals halb Böhmen aufkaufte, den konfiszierten kirchlichen Grund samt klösterlichen Brauereien und Ländereien. Denn in den neuen Restitutionsgesetzen vom 15. April 1992 wurden Österreicher nicht berücksichtigt. Genauso wenig wie Deutsche: Auch die Erben der Thurn und Taxis, die wie Könige über die Region der Elbebene geherrscht hatten, blieben chancenlos. Nach kommen deutschstämmiger Fabrikgründer gingen ebenso leer aus wie auch von Nazis aus geplünderte Opfer. Diese Besitztümer, als Deutsch deklariert, wurden 1945 mit den umstrittenen Beneš-Dekreten unwiderruflich vom tschechischen Staat beschlagnahmt.

WAHRHAFT GROSSARTIGE ERNTE

Das große Glück winkte den Emigranten. Wer vor dem deutschen Einmarsch 1939 ins Exil ging, alles verlor, konnte nach der Wende auf ein Wunder hoffen. Wie Fürst William Lobkowicz, Enkel des Diplomaten Maximilian Lobkowicz, einst ranghöchster Aristokrat der Ersten Republik. Aus Boston 1992 heimgekehrt, klagte er mit sieben gewieften Anwälten erfolgreich ein wahres Imperium ein. Einen Palast gleich auf dem Hradschin, das Renaissanceschloss in Nelahozeves, ein zweites barockes in Roudnice, dazu Weinberge in Mělník und eine Brauerei. Sogar die Nationalgalerie musste Gemälde herausrücken: einen Breughel, Velázquez, Cranach und mehrere Canalettos. Der Galeriedirektor soll einem Herzinfarkt nahe gewesen sein, aber dem neuen „Amerikaner auf der Burg“ gelang es sogar, ein Gerichtsurteil revidieren zu lassen, nachdem keine Kulturgüter der Nation privat rückerstattet werden sollten. Die Lobkowitzer haben vierhundert Jahre tschechischer Geschichte mitgeprägt. Und das wundertätige Jesulein nach Prag gebracht – das hat bestimmt geholfen. Wahrscheinlich auch bei Karel Schwarzenberg. Der Fürst, der seinen Titel in Tschechien nicht führen darf, besitzt außer Schloss Orlík in Südböhmen noch Forstbetriebe, Brauereien und Karpfen teiche. Nach seiner Amtszeit als Außen minister will der rüstige Mitsiebziger weiter politisch aktiv bleiben, sich der „enttäuschten Wähler“ mit der neuen Partei „TOP 09“ annehmen. Der Name steht kryptisch für Tradition, Verantwortung und Wohlstand. Dieses Programm ist bei dem tschechischen Adel bereits weitgehend umgesetzt.

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