Sie kamen von weit her, aus einer sagenhaften Heimat namens „Hawai ki“, durchquerten mit hölzernen Auslegerbooten die manchmal wilden Wogen des Südpazifiks und landeten schließlich wohlbehalten in Aotearoa, dem „Land der langen weißen Wolke“, wie die neuseeländischen Inseln von den polynesischen Einwanderern genannt wurden.
Heute sind die Maori dabei, das Land ein zweites Mal zu erobern, zumindest in Teilen. Nachdem im kolonialen Neuseeland der umstrittene „Vertrag von Waitangi“ sie praktisch enteignet hatte, beschäftigt sich seit 1975 ein außerordentlicher Gerichtshof, das „Waitangi Tribunal“, mit Rückforderungen und Landrechten. Die bisher höchste Entschädigung im Wert von knapp 420 Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 200 Millionen Euro) erstritten im September 2008 sieben Stämme, die eine gemeinsame Klage eingereicht hatten. Seitdem profitieren diese rund 100 000 Maori im Innern der Nordinsel von 1760 Quadratkilometer kommerziell genutzter Waldfläche – in ganz Neuseeland gibt es keinen größeren privaten Waldbesitz. Von Privatbesitz aber wollen die Maori traditionell nichts wissen: Land gehört seit jeher dem ganzen Stamm, ein Einzelner, selbst wenn er als Häuptling das Sagen hat, kann niemals darüber verfügen. So hat das Naturvolk ab schätzungsweise 900 n. Chr die neuseeländischen Inseln besiedelt, seine mit Palisaden bewehrten „Pa“ errichtet, um vor feindlichen Stämmen gefeit zu sein, und in den „Marae“, den zentralen Versammlungsstätten, seine polynesische Kultur gepflegt.
Legenden bewahren, was seit Generationen überliefert wurde, denn die Maori kannten keine Schrift. Im modernen Neuseeland wurden Kultur und Sprache des polynesi-schen Volkes lange Zeit unterdrückt, standen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sogar kurz vor dem Aussterben. Heute gilt Maori als offizielle Landessprache – neben Englisch und der Gebärdensprache. Ausgewiesene Kindergärten und Schulen geben Sprache, Kultur und Weltanschauung an junge Leute weiter, seit Juli 2008 ist sogar die Internet-Suchmaschine „Google Maori“ online. Kaum zu glauben, dass noch 1984 ein neuseeländisches Fräulein vom Amt namens Naida Glavish die Nation spaltete, weil sie Anrufer bei der Telefonvermittlung auf Maori, mit einem freundlichen „Kia Ora“, begrüßte. Knapp 650 000 Neuseeländer bezeichnen sich heute als Maori, das sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung. Wie alle anderen Kiwis leben auch die Maori überwiegend in den Städten, vor allem im Norden, rund um Auckland und Rotorua. Und mehr als 120 000 haben ihrer Heimat den Rücken gekehrt, um jenseits der Tasmanischen See, in Australien, ihr Glück zu machen – nicht zuletzt, weil dort Arbeit besser entlohnt wird. Daheim wird ganz gut am Maori-Tourismus verdient. Als die Ngai Tahu, der größte Stamm der Südinsel, vor zwölf Jahren mit 170 Millionen neuseeländischen Dollar für gestohlenes Land entschädigt wurden, investierten die Maori nicht nur auf dem Grundstücks-und Immobilienmarkt, sondern auch Your text to link here… touristischen Bereich.
Denn noch immer hat etwa die Hälfte aller Maori keinen Schulabschluss, das Einkommen liegt weit unter dem Landesdurchschnitt, die Kriminalitätsrate deutlich darüber. Besonders berüchtigt sind organisierte Banden wie der „Mongrel Mob“. Häusliche Gewalt ist verbreitet, die Zahl der Kinder, die an Misshandlungen sterben, wird auf doppelt so hoch wie bei den restlichen Neuseeländern geschätzt. Bei Alkohol- und Drogenmissbrauch führen Maori die Statistiken an. Sie leiden häufiger an schweren Erkrankungen und sterben früher. Davon bekommen die durchreisenden Touristen nur wenig mit. Sie erfreuen sich lieber an polynesischer Folklore mit Südsee-Singsang und wilden Ritualtänzen.
DIE WICHTIGSTEN INTERNETLINKS
www.maori.org.nz
Für die Einführung in die Maori-Kultur damals und heute muss man sich Zeit nehmen.
www.maoriparty.org
Die offizielle Seite der Maori-Partei zeigt die politische Präsenz der ersten Einwanderer Neuseelands.
www.maoritelevision.com
Der nationale Fernsehsender bietet einen Überblick seines in der Maori-Sprache gesendeten Programms.
Anzeige