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Bangkok
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Die dynamische Hauptstadt 

von Roland Dusik

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Quelle: ©iStockphoto.com/Frank van den Bergh

Der Blick aus dem Fenster beim Anflug auf den Suvarnabhumi Airport im Südosten der Stadt lässt nicht viel Gutes ahnen. Abgesehen von einigen in der Sonne glitzernden Tempeldächern sind vor allem verstopfte Straßen, Baustellen, Industrieanlagen und ein sich bis zum Horizont hinziehendes Häusermeer zu sehen. Wenig “Exotik” also aus der Vogelperspektive. Der zwiespältige Eindruck verstärkt sich während der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt: graue Hochhäuser mit teils turmhohen schreienden aufdringlichen Plakatwänden, überbordende Gehsteige, Verkehrschaos und wenig Grün. Ab und zu blitzt die goldene Spitze eines Tempels auf, zeugen gelbe Mönchsroben von einer anderen Welt. Auch aus dieser Perspektive ist Bangkok, das die Einheimischen Krung Thep nennen, nicht unbedingt schön.

©iStockphoto.com/Laughingmango Auf den ersten Blick erscheint Bangkok wie eine x-beliebige asiatische Großstadt. Die vielen schönen Tempel und Paläste, die alten Verwaltungsgebäude im klassischen europäischen Stil und die kombinierten Wohn- und Geschäftshäuser, die bis in die 1970er-Jahre hinein das Stadtbild prägten, werden inzwischen von wuchtigen neuen Bürohochhäusern, Hotels und Einkaufszentren in den Schatten gestellt. Niemand weiß genau, wie viele Menschen in der Hauptstadt und an ihren Rändern leben. Rechnet man das Einzugsgebiet dazu, bewegt sich die Zahl um die 12 Mio., Tendenz steigend. Darin spiegelt sich die Attraktivität der Hauptstadt, die sich als politische, wirtschaftliche, verkehrstechnische und nicht zuletzt auch kulturelle Metropole Thailands präsentiert – hier residiert die königliche Familie, befinden sich der Regierungssitz und die Ministerien, konzentrieren sich fast zwei Drittel aller Industriebetriebe des Landes.

Oasen der Ruhe und Spiritualität – ein Spaziergang in der Morgendämmerung

Natürlich ist Bangkok ein Betondschungel, und dieser alles verzehrende Moloch frisst sich immer tiefer ins Land hinein. Und trotzdem: Überall in diesem wimmelnden, stickigen, rastlosen Moloch gibt es friedliche Flecken, heilende Oasen, Orte der Ruhe und Spiritualität. So können Frühaufsteher jeden Tag im Morgengrauen einem ergreifenden Schauspiel beiwohnen, wenn Hunderte Mönche in safranfarbenen Roben aus ihren Klöstern strömen und durch die Straßen der Altstadt ziehen. Sie halten ihre Bettelnäpfe den am Straßenrand knieenden Gläubigen entgegen, um sie sich von ihnen mit Speisen und Almosengaben füllen zu lassen. Keiner der Mönche bedankt sich bei den Spendern, vielmehr gehen sie würdevoll schweigend weiter ihres Weges. Nach der thailändischen Philosophie der guten Taten gilt das Almosengeben als Auszeichnung, als Möglichkeit, sich für das nächste Leben Verdienste zu erwerben. Denn dem buddhistischen Glauben an das Karma zufolge wird das Schicksal im nächsten Leben durch das Verhalten im jetzigen bestimmt. Die Gebenden sind es also, die dankbar sein müssten.

Während sich der Himmel orangerot verfärbt, nimmt der Prang, das zentrale Turmheiligtum des Wat Arun, Kontur an. Arun ist das Sanskrit-Wort für Morgenröte, und in der Tat ist hier die Stunde des Sonnenaufgangs am schönsten, die Stimmung geradezu mystisch. Auf dem Mae Nam Chao Phraya ziehen von Zeit zu Zeit kleine Motorschlepper lange Konvois hölzerner Lastkähne. In der Morgendämmerung wirken die Schleppzüge wie gemächlich dahinziehende Büffelherden, die ihrem Leittier folgen. Beim Sonnenaufgang über dem Chao-Phraya-Fluss, der durch die Stadt mäandernden Lebensader Bangkoks, könnte man fast das abgasverpestete Chaos der Metropole vergessen, sich zurückdenken in vergangene Zeiten, als hier noch die Residenz der Könige von Siam war, als es noch keine mehrspurigen Asphaltstraßen gab und unzählige Kanäle Bangkok zum »Venedig des Ostens« machten. Mit den unübersehbaren Schattenseiten wie Verkehrschaos und Luftverschmutzung, Überbevölkerung und soziale Ungerechtigkeit mag Bangkok wie ein Moloch erscheinen, doch die Thai-Metropole ist eine vitale, vielgestaltige Stadt mit zahlreichen Gesichtern und Charakteren.

Eine Stadt der Gegensätze

©iStockphoto.com/David Joyner Bangkok macht es Besuchern nicht leicht. Sein Charme erschließt sich nicht auf Anhieb; viele Sehenswürdigkeiten liegen nicht auf dem touristischen Präsentationsteller. Doch Bangkok fasziniert mit einer Mischung aus Tradition und Moderne, Westlichem und Fernöstlichem, Harmonie und Chaos, Heiterkeit und Melancholie. “Stadt der Engel” und “Sündenbabel” – Bangkok hat nicht nur viele Namen, es trägt zur jeweiligen Inkarnation auch das passende Gesicht.

Hinter tristen Betonkulissen erheben sich orientalische Prachtbauten mit gestaffelten Dächern, auf denen bunte Keramikziegel in der Sonne glänzen. Eben noch hat man beim Überqueren einer vielbefahrenen Straße Leben und Gesundheit riskiert, im nächsten Augenblick sitzt man in einem der 400 Tempel der Stadt und lauscht dem rhythmischen Sprechgesang der Mönche. Gerade ist man noch durch ein modernes Einkaufszentrum gebummelt, wenig später gleitet man in einem Khlong-Boot durch eine Welt, in der das Leben im Rhythmus vergangener Zeiten pulsiert. Es sind diese Gegensätze, die der Stadt ihr unverwechselbares Fluidum verleihen, sie zu einer der faszinierendsten Großstädte Südostasiens machen.

Tipp: Der ideale Platz für den sundowner

Freiluft-Bars auf den Dächern der Wolkenkratzer sind in Bangkok der letzte Schrei. Besonders angesagt ist die Scirocco Sky Bar im State Tower an der Silom Road, wo man 63 Stockwerke über dem Erdboden – in Tuchfühlung mit den Wolken – einen unvergleichlichen Panoramablick über die Stadt hat. Noch ein Stockwerk höher schwebt die Bar Distil spektakulär über dem funkelnden Lichtermeer der Metropole. Gäste mit Höhenangst sollten in dieser höchsten Freiluft-Bar der Welt einen Platz in der Mitte wählen!

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