Ganz im Norden Südafrikas liegt das Madikwe Game Reserve, in dem immer nur wenige Gäste gleichzeitig die wilde Natur Afrikas erleben können.
„Es gibt keinen anderen Ort, den ich kenne, der so voller Atmosphäre, so seltsam und dunkel gefüllt ist mit dem Lebensgefühl, das typisch ist für Südafrika, wie hier.“ So beschreibt Herman Charles Bosman, der berühmte Schriftsteller Südafrikas, den Norden des Landes an der Grenze zu Botswana.
1926 hat er hier für einige Zeit gelebt und Menschen, Tiere und Landschaft in über hundert Kurzgeschichten beschrieben. Heute fahren hier keine Eselskarren mehr, sondern moderne Landcruiser auf einem Game Drive durch den Madikwe Nationalpark. Auf 75 000 Hektar zwischen dem Marico Fluss und den Dwarsbergen leben 20.000 wilde Tiere, auch die Big Five – Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard. Madikwe ist zwar ein staatliches Naturreservat, aber es ist mit wenigen Ausnahmen nicht für Tagesbesucher geöffnet wie zum Beispiel der Krüger Nationalpark. In dem riesigen Gebiet wurden 21 Lodges gebaut, die maximal 320 Besucher beherbergen.
Kaum zu glauben, dass dieses Paradies ein Erbe der Apartheidspolitik ist. Eigentlich wollte das alte Regime auf kargem Land schwarze Farmer ansiedeln, doch dann kam das neue Südafrika und Regierung, Geschäftswelt und die lokalen Stämme beschlossen, ein Wildreservat zu entwickeln.
Die Operation Phoenix begann: Die Wiedereinführung von wilden Tieren. Die Aktion ist ein bisschen vergleichbar mit der Arche Noah, nur werden die Tiere nicht vor der Flut geschützt sondern vor dem Aussterben. Insgesamt mehr als 8.000 Tiere wurden hierher umgesiedelt darunter Löwen, Breit- und Spitzmaulnashörner, Geparden, Leoparden, Büffel, Antilopen, Zebras und Giraffen. Es war die größte Tierumsiedlung, die die Welt je gesehen hat. Die elf Löwen aus der Etosha Pfanne in Namibia haben sich erfolgreich vermehrt und so gibt es endlich einen neuen Gen-Pool. Die Elefanten kamen aus Simbabwe, es waren 171 und heute leben 430 im Park.
Ganz ungewöhnlich ist, dass Impalas und Springböcke hier miteinander leben. Das liegt daran, dass feuchtes Bushveld wie im Krügerpark – richtig für Impalas – und die Savanne der Kalahari – dort leben die Springböcke – aufeinandertreffen.
Die ganz große Erfolgstory des Madikwe Game Reserves ist die erfolgreiche Vermehrung der Wildhunde. Die Tiere waren noch vor 15 Jahren vom Aussterben bedroht, die letzte Gruppe lebte im Krügerpark. Durch die idealen Lebensumstände in Madikwe gibt es jetzt wieder so viele, dass sie an andere Parks weitergegeben werden können. Madikwe ist bei Besuchern besonders beliebt, weil das Gebiet malariafrei und das Übernachtungsangebot vielfältig ist. Der Besucher kann, von einem Backpacker für 40 Euro pro Nacht bis hin zur Luxuslodge für das Zehnfache, die passende Unterkunft auswählen.
Text von Dagmar Schumacher, Kapstadt
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