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JAMES JOYCE
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Dichtertitan im Exil 

von Axel Pinck

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Quelle: DuMont Bildarchiv/ Olaf Meinhardt

Er lebte nur bis zu seinem 22. Lebensjahr in Irland und ist in Zürich begraben. Doch mit seiner Geburtsstadt Dublin blieb James Joyce trotz langer Aufenthalte in Paris, Triest, Rom und Zürich ein Leben lang verbunden.

Touristen aus Japan, Deutschland und den USA zücken ihre Kameras und lassen sich neben der Bronzestatue in Dublins Earl Street North ablichten. Eine Schulklasse aus Frankreich umringt die schlaksige Figur, die mit schrägem Hut und Brille gar nicht so wie ein Dichterfürst aussieht. Doch die Popularität von James Joyce, dessen Standbild in Dublins Zentrum zu den Fixpunkten jedes Stadtrundgangs gehört, ist auch fast 70 Jahre nach seinem Tod ungebrochen. Für die vielen James Joyce Verehrer ist ohnehin der 16. Juni höchster irischer Feiertag, noch vor dem St. Patrick’s Day. Denn dieser Tag ist „Bloomsday“, der Tag, an dem der Autor des „Ulysses“ seinen Helden Leopold Bloom einen Tag durch Dublin treiben lässt und dessen Erlebnisse, Gedanken und Assoziationen als Roman gestaltete. Hunderte von Joyce Jüngern ziehen dann durch die Straßen Dublins, gekleidet wie im frühen 20. Jh., die Herren in schwarzen Anzügen, gestreiften Westen und mit Strohhüten, die Damen in Spitzenblusen, langen Röcken und mit Federhüten. An einzelnen Stationen des Weges, den der Anzeigenverkäufer Bloom im Roman zurücklegt, werden die entsprechenden Passagen aus dem „Ulysses“ deklamiert, dann geht es weiter. Der Davy Burnes Pub in Dublins Duke Street hat es so zu Weltruhm gebracht. Denn hier kehrte Leopold Bloom auf ein Glas Burgunderwein und ein Gorgonzola-Sandwich zum Lunch ein, seitdem der Renner auf der Speisekarte. James Joyce wählte den 16. Juni mit Bedacht, es war der Tag, an dem er im Jahre 1904 seine Lebensgefährtin Nora Barnacle kennen gelernt hatte. Und so gibt der inzwischen weltweit zwischen Tokyo und Triest von Joyce Verehrern gefeierte Bloomsday eine überzeugende Antwort auf die Frage: „Heute, 16. Juni 1924, zwanzig Jahres später. Wird sich irgendjemand an das Datum erinnern?“, die James Joyce seinem Notizbuch anvertraute. Aufbau und Struktur des an Homers Odyssee angelehnten Roman, dessen Irrfahrt im Mittelmeer Joyce für seinen Helden Bloom als Spaziergang durch Dublin anlegte, verbinden die Etappen dieses Weges jeweils mit der nächsten Stunde des Tages, mit einer Farbe, einem Organ des Körpers, einem Bereich der Wissenschaft und einem Symbol. Eine neue, „Bewusstseinsstrom“ genannte Erzähltechnik wechselt zwischen Beschreibungen, Reflexionen, Abschweifungen und inneren Monologen. Das nicht einfach zu lesende Werk erregte wegen einiger sexueller Szenen großes Aufsehen und wurde 1920 in Großbritannien und den USA wegen „Obszönität“ verboten. Erst zwei Jahre später publizierte eine Buchhändlerin in Paris den Roman in zensierter Form.

DuMont Bildarchiv/ Olaf Meinhardt Das komplizierte Verhältnis von Joyce zum britisch besetzten Irland und dem Katholizismus hatte sich schon lange vorher offenbart. James wurde 1882 als ältester Sohn von John Joyce, einem gescheiterten Kalkbrenner, Salinenbesitzer und Steuereinnehmer geboren. Seine Mutter Mary Jane Murray gebar noch 11 weitere Kinder. Solange die Familie das Schulgeld bezahlen konnte, wurde James in einem Jesuitencollege unterrichtet. Später dankte er einmal den Ordensbrüdern für das Wissensfundament, lehnte aber gleichzeitig deren religiöse Unterweisung ab. Nach ersten literarischen Schritten kehrt er unter dem Vorwand in Paris Medizin studieren zu wollen, mit 20 Jahren Dublin den Rücken. Als seine Mutter im Sterben liegt, kehrte er kurz zurück, weigerte sich aber, an ihrem Totenbett zu beten. Mit seiner Freundin Nora brach er 1904 wieder auf, u.a. nach Pola und Triest. In dieser Zeit schrieb Joyce die meisten Kurzgeschichten des „Dubliner“, den Gedichtband „Kammermusik“ (Chamber Music“) und „Stephen der Held“ („Stephen Hero“), außerdem Teile des 1916 erschienenen halbbiografischen Romans „Jugendbildnis“ („Portrait of the Artist as a Young Man“). Seine Lebensgefährtin Nora, mit der er bereits zwei Kinder hatte, heiratete er erst 1931. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs siedelte Joyce in die neutrale Schweiz über. Ab 1920 in Paris begann er nach dem „Ulysses“ mit dem nächsten, noch komplizierteren Werk, „Finnegans Wake“. 1940 kehrte er mit seiner Familie nach Zürich zurück. Nur ein Jahr später, am 13. Januar 1941, starb Joyce an den Folgen eines Darmdurchbruchs. Die irische Regierung verweigerte die Überführung seines Leichnams nach Irland. Seine Frau lehnte das Lesen einer Begräbnismesse durch einen Priester ab, da sie „ihm dies nicht antuen könne“. So liegt James Joyce in einem schlichten Grab auf dem Züricher Friedhof Fluntern. Heftig bearbeitet zeigt sich das Manuskript für das weltberühmte Werk „Ulysses“. Dieses wie auch andere Bücher von und über James Joyce fehlen in keiner Dubliner Buchhandlung.

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