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Zimmermannskunst im Harz
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Deutsche Fachwerkstraße 

von Robert B. Fishman

Bild 03_Artikel_Harz
Quelle: DuMont Bildarchiv/ Sabine Lubenow

Holz gab es zuhauf im Harz – das sagt schon sein Name, der schlicht „Wald“ (Hart) bedeutet. Um mit dem Naturmaterial mehrstöckige Häuser bauen zu können, bedurfte es findiger Zimmerleute, die über Jahrtausende eine Holzgerüst-Baukunst entwickelten, die bereits den römischen Geschichtsschreiber Tacitus erstaunte.

Gut abgelagert musste Bauholz sein, bevor es im Gerüstbau Verwendung finden konnte. Dennoch sind an Fachwerkbauten heute häufig durchgebogene Schwellen und aus dem Lot geratene Ständer zu erkennen, denn das Naturmaterial barg immer Risken für den Bauherrn, auch wenn der Holzhändler versichert hatte, einwandfreies Holz zu liefern – der hatte dann eben „gelogen, dass sich die Balken bogen“. Verordnungen bestimmten schon seit dem Spätmittelalter, wann welches Holz geschlagen werden sollte. Das kurzfaserige, harte Holz der Eiche, aber auch das langfaserige, weiche, elastische Holz von Tanne und Fichte fand im Fachwerkbau Verwendung. Da anders als bei modernen Baustoffen am Holz mithilfe der Baumringdatierung dessen Alter zu erkennen ist, lassen sich viele historische Fachwerkbauten zeitlich gut einordnen. Die ältesten datierbaren Fachwerkhäuser in Deutschland stammen aus dem 14. Jahrhundert, auch wenn der Holzbau schon lange vorher verbreitet war.

Kunstvoller Ständerbau

Das Naturmaterial optimal zu nutzen, war Aufgabe des Zimmermannshandwerks. Zimmerer oder Zimmermann (lat. „tignarius“ oder „carpentarius“) war früh ein eigener Berufsstand und mit dem Aufkommen der Städte seit dem 12. Jahrhundert in einer Zunft organisiert. Der Zimmermann verlegte die Schwellen und verzapfte darin die senkrechten Ständer. Waagerecht damit verbundene Riegel und schräge Stäbe bildeten zusammen den konstruktiven Rahmen des Holzgerüstbaus, dessen Zwischenräume als Gefache mit Flechtwerk und Lehm oder Ziegelsteinen ausgefüllt wurden. In Quedlinburg gehört das um 1310 errichtete Ständerhaus in der Wordgasse zu den ältesten und reinsten Beispielen des Geschossbaus. Bei dieser Bauweise umstehen die Ständer den Hauskörper ungeteilt von der Grundschwelle bis zum Dach. Durch die Ständer sind die Deckenbalken geschossen – daher die Bezeichnung Geschoss –, wobei die Balkenköpfe sichtbar sind. Die Belastbarkeit der Ständer erlaubte zunächst nur zwei Geschosse. Um 1400 erreichte die Stockwerksbauweise ihre konstruktive Reife und wurde bis ins 19. Jahrhundert angewandt. Dabei bildet jedes Stockwerk eine Einheit, was das Übereinanderstapeln mehrerer Stockwerke ermöglicht. Man konstruierte bald auch Auskragungen in den Straßenraum, um die Nutzflächen zu erweitern. Die erprobten Grundformen des Fachwerkbaus veränderten sich lange nicht, nur das dekorative Beiwerk folgte Stilwandlungen. Vergoldete Segenssprüche, hintersinnige Alltagsweisheiten und die Besitzernamen verschönerten die Schwellen. Figürlich geschnitzte Balkenköpfe, mit Beschlagwerk verzierte Brüstungsbretter, mehrfarbige Fächerrosetten, Ziermotive wie gedrehte Schnüre und Schiffskehlen im Füllholz unterstrichen dekorativ die konstruktiven Teile der Häuser.

FAKTEN

Fachwerkmuseum im Ständerbau
Wordgasse 3, 06484 Quedlinburg,
Tel. 039 46/38 28; April–Okt. Fr.–Mi.
10.00–17.00, Nov.–März bis 16.00 Uhr
www.deutsche-fachwerkstrasse.de

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