Nur die Weine aus dem Dreieck Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda dürfen sich Sherry nennen. In allen seinen Nuancen, ob dunkel oder hell, wird er exportiert.
Schon um 1000 v. Chr. sollen die Phönizier in der Region von Cádiz Reben gepflanzt haben. Exportiert wurde er bereits im Mittelalter, doch richtig bekannt wurde der Vino de Jerez – der Wein aus Sherish, wie die Mauren die Stadt nannten – erst, als die Engländer ihn kurzerhand zum Sherry machten.
Im Nachhinein war es fast ein Glück oder, nach heutigen Maßstäben, ein gelungener Marketingcoup.
Im 16. Jahrhundert, als die Piraterie noch eine Art halbstaatliches Geschäft war, segelte Sir Francis Drake, der „Pirat der sieben Meere“, im Auftrag der britischen Krone nach Spanien. Er sollte die Häfen Cádiz und La Coruña zerstören, um so den Bau der spanischen Armada zu verzögern. Nebenbei erbeutete er 2900 Fässer mit bestem Jerez-Wein. Da einige der 500-Liter-Fässer auch am englischen Königshof landeten und dort für gut befunden wurden, verwundert es nicht, dass die Nachfrage nach dem Wein Andalusiens sprunghaft anstieg und dieser überdies mit einem Mal bekannt war. In der Frühphase des Exports wurde der junge Wein aufgesprittet, damit er den langen Transport überstand. Vom Sherrywein, wie man ihn heute kennt, lässt sich auch erst ab dem 18. Jahrhundert sprechen. Damals wurde das Solera-System entwickelt, damit Weine über längere Zeiträume gelagert und in gleichbleibender Qualität bereitgestellt werden konnten.
Beim Solera-Verfahren, das auch beim Brandy genutzt wird, werden die typischen Sherry-Fässer, die 500 Liter fassenden „butts“ oder „botas“, in mehreren Reihen übereinandergelagert. Abgefüllt wird immer nur aus den Fässern der untersten Reihe am Boden, woraus sich auch der Name ableitet (span. Fußboden: „suelo“). Üblicherweise wird bis zu einem Drittel Wein entnommen und die Menge mit dem jüngeren Wein aus der darüberliegenden Reihe ergänzt, die wiederum mit dem Wein aus höheren Reihen aufgefüllt wird. Der junge Wein der hellen Palomino-Traube wird in die obersten Fässer gefüllt. Das Solera-System und das Reifen in den nur lose verschlossenen Fässern gibt den charakteristischen Geschmack des Sherrys, denn durch den Luftkontakt entsteht auf der Oberfläche des neuen Weins eine schützende Florhefeschicht.
Nur die Weine aus dem Anbaugebiet bei Jerez de la Frontera im Südwesten Andalusiens dürfen sich Sherry nennen. Der dem trockenen, strohgelben Fino vergleichbare Manzanilla-Wein kommt ausschließlich aus Sanlúcar de Barrameda. Die besten Bedingungen findet die Palomino-Traube nördlich von Jerez in den Lagen Carrascal, Macharnudo und Balbaina und ihren kalk- und lehmhaltigen Böden. In Deutschland ist der Medium beliebt, mit einer Farbe, die von hellen Bernstein tönen bis zum dunkleren Mahagoni reicht. Vor allem Oloroso oder Amontillado hat es den Deutschen angetan. Jerez hat dem Sherry nicht nur seinen Namen gegeben, es ist auch das unangefochtene Weinzentrum. In der Größe ganzer Stadtviertel finden sich in und um die Stadt die Bodegas der Sherry-Barone und -Konzerne. Die Fässer der Solera-Reihen lagern nicht in Kellern, sondern zu Zehntausenden in riesigen Lagerhallen, die schon oft als Kathedralen beschrieben wurden und unbedingt einen Besuch wert sind. Es war ein Beutezug mit Folgen, 1587, als der englische Vizeadmiral und Freibeuter Cádiz heimsuchte. Trotz der Niederlage der Spanier in Cádiz und ein Jahr später beim Debakel der Spanischen Armada – für den Wein aus Jerez war es ein großer Sprung nach vorne. Sherry ist nach wie vor ein Exportprodukt. Die Hauptabnehmer sind noch immer die Briten.
In den Bodegas von Jerez de la Frontera, Puerto de Santa María und Sanlúcar reifen auch fabelhafte Brandys. Spanien ist der größte Weinbrandhersteller der Welt und kann dabei auf eine lange Geschichte zurückblicken. Der Großteil wird in der Region um Jerez produziert.
Sherry-Sorten
Fino: strohgelb, trocken, guter Begleiter für leichte Tapas oder als Aperitif
Manzanilla: hell, strohgelb, sehr trocken, spritziger, leicht salziger Geschmack
Amontillado: bernsteinfarben, trocken, leicht pikantes Aroma mit kräftiger Nusswürze
Oloroso: dunkel, mild, mit vollem Körper
Medium: hell bis dunkel, zwischen süß und trocken
Cream/Amoroso: rubin- bis dunkelrot, dicht im Geschmack
Pedro Ximénez: dunkel, mahagonifarben, sehr süß
Palo Cortado: heller als ein Oloroso, volles Aroma
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