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Greetsiel
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Der Kampf der Kutterkapitäne 

von Sven Bremer

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Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner

Hauptattraktion des malerischen Fischerdorfs Greetsiel sind die traditionellen Krabbenkutter. Weil sie durch die Folgen der Ems – Vertiefung kaum noch vor ihrer Haustür fischen können, fürchten die Kutterkapitäne um ihre Existenz und haben gedroht, Greetsiel zu verlassen.

Als Kind hatte Gerold Conradi „Flusen im Kopp“ und wollte Polizist werden. Doch daraus wurde nichts. Er wurde Krabbenfischer wie sein Vater und Großvater zuvor. Conradi grinst: „Dass ich Fischer werde, war schon neun Monate vor meiner Geburt klar.“ Er hat es nie bereut, seit über 30 Jahren fährt er hinaus. „Das ist mein Traumberuf“, sagt er fast schon ein wenig trotzig. Denn es hat wahrlich schon bessere Zeiten gegeben für die Krabbenfischer.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner Conradi, Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft der Kutter- und Küstenfischer Emsmündung, schaut von der Brücke am alten Siel hinüber zu den Kuttern, die an diesem Tag fast vollständig im Hafen versammelt sind. Gut zwei Dutzend von ihnen gibt es noch an der Leybucht – ein Anblick wie im Bilderbuch. Aufgereiht liegen die bunten Schiffe an der Kaimauer, Fangnetze glitzern in der Sonne, Flaggen flattern munter in der leichten Brise, aus der Ferne ist das Kreischen der Möwen zu hören. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Doch der schöne Schein trügt.

DIE KONKURRENZ ISTRDERISCH

Die Greetsieler Fischer sehen ihre Existenz bedroht. Schuld, so sagen sie, sei die Emsvertiefung, die zu höherer Fließgeschwindigkeit, aber auch zu einer stärkeren Verschlickung geführt habe. Zudem wurde der Schlick teilweise entgegen anders lautender Versprechen gleich vor Ort wieder verklappt, was zur Folge hatte, dass sich die sensiblen Garnelentierchen aus ihrem angestammten Lebensraum weitgehend verabschiedet haben. „Stellen Sie sich mal vor, Sie wären eine Krabbe und Ihnen schmeißt ständig einer etwas auf den Kopf …“, so Conradi. Der Fang in der Emsmündung lohne sich daher kaum noch. Die Greetsieler Fischer müssen weit hinaus auf die Nordsee, bis nach Dänemark. Eine Woche bis zehn Tage sind sie nonstop auf See. Weil die Anfahrt länger, der Dieselpreis um ein Vielfaches gestiegen ist, fallen immense Kosten an. Die Fischer haben deshalb gedroht, aus Greetsiel wegzuziehen. Nach Hooksiel in der Nähe Wilhelmshavens, näher an den Fanggebieten in der Deutschen Bucht. Greetsiel ohne Kutter, so sagen manche, das sei wie Köln ohne Dom. Die Gefahr, dass der Tourismus einen Einbruch erleben würde, sehen Fischer und Tourismusleute gleichermaßen.

Die Fischer beklagen zudem, dass der Preis für die Krabben in den Keller gegangen sei. Conradi und Kollegen machen die großen Reederei-Gesellschaften und ihre Eurokutter dafür verantwortlich. Nachdem diese Probleme mit den Fischfangquoten bekommen hätten, seien sie zum Krabbenfang übergegangen. „Die fischen rund um die Uhr und sorgen so für eine Überproduktion“, sagt Conradi. Während sich die kleinen Fischer darauf geeinigt haben, die Fangmengen zu reduzieren, um eine Preisregulierung nach oben zu bewirken, würden sich die „Großen“ „einen Dreck darum scheren“, so Conradi erbost.

EIN BERUF MIT GELTUNG

Quelle: DuMont Reiseverlag/Martin Kirchner Das Leben an Bord ist im Gegensatz zu früher beinahe komfortabel geworden. „Damals hast du dir ständig und überall den ‚Mors’ abgefroren, heute haben wir immerhin Duschen und eine Zentralheizung.“ Doch an Deck, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, nützt die Heizung rein gar nichts. „Das geht komplett durch die Wäsche, da kannst Du anziehen, was du willst“, sagt der Fischer. Früher musste das Fanggeschirr von Hand ausgebracht werden, heute geht es hydraulisch. Trotzdem ist es ein Knochenjob. Auf Kufen gleiten die Netze über den Meeresboden. Nach einer Schleppzeit von einer halben bis zu drei Stunden holen die Fischer das Fanggeschirr wieder ein. Der Fang wird an Bord direkt verarbeitet. Vom Netz in einen Trichter, über ein Förderband ab in die Sortiertrommel. Anschließend werden die ursprünglich blässlich grauen Krabben gekocht – erst dabei bekommen sie ihre typische rosa Farbe –, bevor sie in die Kühlkammer wandern. Wenn die Greetsieler Seeleute in den Hafen einlaufen, werden sie von neugierigen „Sehleuten“ erwartet. „Die kommen hierher wegen der Krabbenfischer“, sagt Conradi. Das Dorf steht geschlossen hinter den Fischern, nicht nur, weil sie um die touristische und insofern auch die ökonomische Bedeutung wissen. „Das Ansehen der Fischer im Ort ist enorm hoch“, sagt Greetsiels Touristiker Ludger Kalkhoff, „die kommen hier gleich nach dem lieben Gott.“

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