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Ätna
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Der grollende Feuergott 

von Daniela Schetar und Friedrich Köthe

Bild_01 Sizilien_Feuergott
Quelle: DuMont Reiseverlag/Sabine Lubenow

In der Antike vermuteten die Menschen im rund 3350 Meter hohen Ätna den Sitz des Schmiedegottes Hephaistos, dessen Zyklopen das Feuer schürten und das Eisen schmiedeten. Der Vulkan steht für zerstörerische Kraft und üppige Fruchtbarkeit. Obwohl die Menschen seine Unberechenbarkeit fürchten, scheinen sie von dem Feuergott geradezu magisch angezogen zu sein.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Sabine Lubenow Zu den vielen Legenden rund um den Ätna gehört auch die Geschichte des Philosophen Empedokles, der sich nach einem Trinkgelage in den Krater des Vulkans geworfen haben soll: entweder, weil er des Lebens überdrüssig war oder weil er sich im Suff für Gott hielt. Den Vulkan dürften beide Varianten relativ unbeeindruckt gelassen haben: Nur die Sandale des Philosophen erwies sich als unverdaulich, weshalb der Ätna sie wieder ausgespuckt und damit den Keim für diese Legende gelegt haben soll. Damals, um das Jahr 400 v. Chr., sah die Gipfelregion noch etwas anders aus als in unserer Gegenwart: Anstelle des heutigen Zentralkraters öffnete ein Trichter seinen feurigen Schlund, der sich beim großen Ausbruch 1669 selbst auseinandersprengte. Aus dem mit Lavabruch und Asche aufgefüllten Ex-Krater bildete sich die Hochebene Piano del Lago, wo sich ein neuer Feuerspucker, der heutige Vulkangipfel, seinen Weg nach oben bahnte. Bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts erreicht er am Gipfelfuß einen Umfang von 1000 Metern, einen Kraterumfang von 500 Metern und stolze 400 Meter Höhe über dem Piano del Lago. 1911 kam ein weiterer Kegel im Nordosten hinzu, ab 1968 spie direkt neben dem Hauptkrater ein „neuer Schlund“ („Bocca Nuova“); 1979 entwickelte sich aus einer Spalte an der Südwestflanke ein neuer Kegel, der inzwischen 300 Meter hoch ist. Das ist übrigens eine Spezialität des Ätnas: Die heftigsten Ausbrüche finden an Spalten statt, die seine Flanken aufreißen.

EINE UNTERSCHÄTZTE GEFAHR?

Quelle: DuMont Reiseverlag/Sabine Lubenow Unter dem Vulkan vermuten die Wissenschaftler drei Magmakammern: eine in 30 Kilometer Tiefe, eine zweite bei rund 20 Kilometer, und die dritte dürfte ziemlich genau dort zu finden sein, wo die vulkanische Struktur dem Grundgebirge aufsitzt, in etwa drei Kilometer Tiefe. Tatsächlich fürchten die Vulkanforscher aber nicht so sehr seine Ausbrüche, sondern ein Ereignis, das bereits einmal, vor 8000 Jahren, stattfand und einen Tsunami im östlichen Mittelmeer auslöste: einen Hangrutsch. Damals sackte die Ostflanke ab, und wenn man bedenkt, dass sich der Berg seit einiger Zeit mit einer Reihe neuer Krater stetig nach Nordosten bewegt, bedeutet dies nichts Gutes. Doch in den Bestimmungen des Naturschutzgebiets Parco dell’Etna ist der Zugang zum Vulkan erstaunlicherweise nicht geregelt. Wanderer dürfen auf eigene Gefahr so hoch steigen, wie sie wollen, auch ohne Führer. Dabei gilt die Begehung des Gipfel – bereichs als lebensgefährlich: nicht nur wegen der stets und seit den Ausbrüchen 2008 und 2009 noch heftiger drohenden Eruptionen und Explosionen, die nicht vorhersehbar sind. Alleine die Wetterverhältnisse wechseln rasend schnell – in den letzten Jahren kamen mehrere Menschen durch Blitzschlag um. Zur Gefahr kann auch die dünne Luft in 3000 Metern Höhe werden. Und dann kommt noch die sprichwörtliche Unberechenbarkeit des Vulkans hinzu, der allen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen trotzend sein eigenes Spiel zu spielen scheint. Dem stellt das Vulkanologische Institut Catania (INGV) geballte Technik entgegen: Mehrere Dutzend seismische Stationen lauern auf jede Erschütterung. Das Geschehen im Gipfelbereich wird ununterbrochen mit Webcams aufgezeichnet, die Gase am Vulkan werden durch Thermokameras und Messgeräte auf ihre chemische Zusammensetzung getestet; jede neue Messung wird im Internet publiziert. Trotzdem sorgt der Ätna immer wieder für Überraschungen.

Anfahrt

Mit dem eigenen Fahrzeug oder öffentlichen Bussen von Nicolosi oder Zafferana Etnea bis Rifugio Sapienza; dort dann weiter mit Seilbahn und Geländewagen; das letzte Stück der Tour zu Fuß. Seilbahn: Sommer 9.00–17.00 Uhr, Winter nur bis 16.00 Uhr Gipfeltouren zu Fuß: Gruppo Guide Alpine Etna Sud, Via Etnea 49, Nicolosi, Tel. 095 791 47 55, www.parcoetna.it, www.vulcan-etna-update.de, www.vulcane.net, ww.funiviaetna.com (Seilbahn), www.etnaguide.com (Touren)

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