Die neue Wasserseite Hamburgs verbindet das seit Generationen im Hafen verankerte Fernweh mit urbaner Aufbruchsstimmung. Wer heute am Strandkai stromabwärts schaut, wird von dem besonderen Flair des Ortes verführt und sehnt den Tag herbei, an dem dieser Blick vom Kristallaufbau der Elbphilharmonie möglich sein wird.
Kräne ragen in den Himmel, es wird gebaut. Straßen umkurven Rohbauten und bereits fertige Apartmenttürme mit Panoramablick. Es ist unübersehbar, mit der HafenCity entsteht ein neuer Stadtteil und diesmal nicht an der Peripherie, sondern mitten im Zentrum der Hansestadt. Das Ensemble von acht modernen Büro- und Wohngebäuden an dem nach historischem Vorbild restaurierten Sandtorkai liegt nur 800 Meter vom Rathaus entfernt. An den geschwungenen Pontons im Hafenbecken liegt eine kleine Flotte von Traditionsschiffen, der alte Senatsdampfer „Schaarhörn“, die Rennyacht „Artemis“ oder der Lotsenschoner „Elbe No. 5“. Am Kai flanieren Besucher oder schlürfen Cocktail im „Chilli-Club“ an den Magellan-Terrassen. Inzwischen gibt es am benachbarten Dallmannkai nicht nur das täglich mehr in die Höhe strebende Gebäude der neuen Elbphilharmonie, Flaggschiff der hiesigen Bauaktivitäten, sondern auch Cafés und einige schicke Restaurants. Nicht weit entfernt erinnert eine Bronzestatue an den in Hamburg noch immer populären Seeräuber Klaus Störtebeker, der 1401 hier auf der Richtstätte am Grasbrook einen Kopf kürzer gemacht wurde.
Anders als in früheren Großwohnsiedlungen oder Gewerbeclustern der Hansestadt macht es hier die urbane Mischung: Wohnen und Arbeiten, Kultur zum Anschauen und Mitmachen, Architektur von konventionell bis avantgardistisch, Ausbildung von Grundschule bis Universität, Kulinarisches von der Kaffeeklappe bis zum Gourmetrestaurant. Dazu kommt die Lage am Wasser, mit zehn Kilometer langer Uferpromenade entlang den ehemaligen Hafenbecken und am Elbstrom. Maritimes auch zum Anschauen, Experimentieren und Träumen: ScienceCenter und Großaquarium sind in Planung, in das einmalige Internationale Maritime Museum strömen bereits heute die Besucher, und immer mehr Kreuzfahrtriesen von der „Queen Mary“ bis zu den AIDA-Partyschiffen entdecken schon vor der Eröffnung des futuristischen Kreuzfahrtterminals 2011 Hamburgs besonderes Flair. Zehn Brücken verbinden den seit kurzem auch offiziell eigenen Hamburger Stadtteil mit dem „Festland“, einige sind für Fahrradfahrer und Fußgänger reserviert. Hinzu kommt ein Tunnel, durch den eine neue U-Bahn-Linie das Quartier bis 2012 an das Schnellbahnsystem der Stadt anschließen wird.
Mit dem bis 1866 auf der Elbinsel Grasbrook ausgehobenen Sandtorhafen besaß die Hansestadt seinerzeit das modernste Hafenbecken der Welt. Doch vor allem mit der rasanten Zunahme des Containerumschlags wurden große Stapelflächen notwendig, für die nur elbabwärts Platz geschaffen werden konnte. Und die nunmehr kaum genutzten citynahen Kais und Lagerschuppen gleich hinter den Backsteingebäuden der Speicherstadt, ein 157 Hektar großes Hafenareal, werden radikal umgestaltet. Die Dynamik des Wandels ist allgegenwärtig in der HafenCity. Wo gestern noch baufällige Kaischuppen standen, stehen heute Baukräne, werden Pfähle zur Stabilisierung des Untergrunds in den Boden gerammt. Umzug alter Hafenfirmen, Abriss und Restaurierung von Gebäuden, das Brachfallen von Gelände oder seine Zwischennutzung, die Anlage verbesserter Verkehrswege und der Bau neuer Bürogebäude, Wohnanlagen und Plätze, alles findet gleichzeitig und doch wohlorganisiert statt. So sind das neue Gebäude des Spiegel-Verlags, der Unilever-Turm, die Greenpeace-Zentrale und ein ökumenisches Forum der in Hamburg vertretenen christlichen Kirchen im Bau. Verantwortlich für das komplexe Entwicklungsmanagement ist die stadteigene HafenCity-Gesellschaft. Und alle, die den Puls der Entwicklung spüren wollen, informiert das HafenCity-InfoCenter im früheren Kesselhaus der Speicherstadt mit einem großen Modell über jeden Baufortschritt. Doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten. Das Wohnquartier für angeblich Jedermann ist längst eine geschlossene Gesellschaft, die die überaus attraktiven Unterkünfte längst unter sich verteilt hat – und wohl weiterhin verteilen wird, bis in rund 20 Jahren der Masterplan mit den Hochhäusern an den Norderelbbrücken umgesetzt sein soll. Dann gehören die gerade bezogenen Bauten am Sandtorkai bereits zu Veteranen – zumindest in der HafenCity.
HafenCity InfoCenter, Am Sandtorkai 30, www.hafencity.com Di.–So. 10.00–18.00,
Mai–Sept. Do. 10.00–20.00 Uhr
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