“Die Menschheit hat bis heute nichts Besseres erfunden, das soviel Glück erzeugt wie eine gute Taverne oder ein Inn“: So Samuel Johnson, nach Shakespeare der am zweithäufigsten zitierte britische Dichter, Kritiker und Gelehrte. Das Wort „Pub“ war zu der Zeit noch nicht erfunden, aber im heutigen London ist der Pub eine gesellschaftliche Institution.
Das Wort „pub“, die Abkürzung von „public house“, stammt aus viktorianischer Zeit, die Sperrstundentradition aus dem Ersten Weltkrieg, als die Munitionsarbeiter nüchtern bleiben sollten. Manche Londoner Pubs mögen so wirken, als sei die Zeit stehen geblieben, aber die Publandschaft ändert sich ständig. In den 1990er-Jahren entstanden große Pub-Ketten wie „All Bar One“ mit recht seelenlosem Dekor und dem erklärten Ziel, so viel Volk wie möglich reinzupacken, das, sich an teuren Import-Flaschenbieren festhaltend, über laute Musik hinweg anschreit – je lauter man sprechen muss, desto kratziger die Kehle, desto durstiger, desto mehr Umsatz.
Man holt sich seine Drinks selbst an der Theke, Trinkgeld geben ist nicht üblich. Kein Londoner Mann lässt sich mit einem half-pint sehen, es muss ein Pintglas sein, das etwa einen halben Liter hält. Ein paar Tütchen Chips oder Nüsschen helfen, eine Grundlage zu schaffen. In Gruppen werden Runden (rounds) abwechselnd gekauft („that’s my round“ oder „this one’s on me“). Wenn Sie irgendwo „Real Ale“ angeschrieben sehen, dann erwartet Sie mehr als Budweiser und Stella Artois – also bizzeliges lager. Die Leute, die nach zehn Pints und der Schließung des Pubs (meist 23.00 Uhr) auf der Straße Streit suchen, heißen dementsprechend lager louts. Ein in London gebrautes helles Ale ist Fullers „London Pride“; wechselnde Biere heißen „Guest Ales“.
Manche Pubs haben ein kleines Schild an den Zapfhähnen: „Sip Before You Sup“. Das heißt, man darf ein Schlückchen probieren, bevor man sich entscheidet. Der Stammpub ist das local, Kunden heißen punters und ein Stammkunde regular. Übrigens ist es in Londoner Pubs gar nicht so einfach, mit den regulars ins Gespräch zu kommen. Diese, aber auch Gruppen von Arbeitskollegen oder Freunden, sind nicht unbedingt darauf aus, Touristen in ihren Abend mit einzubeziehen: Wenn die Glocke ertönt und gerufen wird, „Time, Gentlemen!“, ist es Zeit für die letzte Runde, last orders.
The Anchor: 34 Park Street, Tel. 77 07 15 77. Weitläufiger touristischer Pub mit Terrasse, im 18. Jh. restauriert, doch ursprünglich aus dem 17. Jh.
Blackfriars: 174 Queen Victoria Street, Tel. 72 36 54 74. Gemütlicher Jugendstil-Pub an der Blackfriars Bridge. Wenn Sie in nur einem Pub Station machen, dann gerne hier.
Bull & Last: 168 Highgate Road (gegenüber Parliament-Hill-Parkeingang), Tel. 72 67 89 55, www.thebullandlast.co.uk. Von der Kritik zu Recht gefeierter Country-Style-Gastropub.
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