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ARCHITEKTUR
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Das Architekten- dorado 

von Janis Vougioukas & Hans-Wilm Schütte

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Quelle: ©DuMont Bildarchiv/Michael Riehle

China dokumentiert seine Globalisierungs- und Modernisierungsbegeisterung wohl nirgends augenfälliger als in seinen spektakulären Neubauten. Das Land darf bereits als lebendiges Museum der internationalen Avantgardearchitektur bestaunt werden.

Spätestens seit den Olympischen Sommerspielen 2008 fotografiert der Chinatourist, ob in- oder ausländisch, nicht mehr nur den Kaiserpalast und die anderen Denkmäler der Kaiserzeit, sondern auch die geradezu ikonenhaften Zeugen der Moderne, die China unversehens zu einem Museum der Avantgardearchitektur haben werden lassen. Auch die Expo 2010 in Schanghai – unter dem Motto „Better city, better life“ – steht auf dieser Linie.

Aber ist China denn nicht ein recht verbohrter nationalistischer Einparteienstaat? Noch in den 1990er-Jahren dekorierte man in Peking neue Hochhäuser mit Palastdachimitaten. Abgehakt – die Großbauten der Gegenwart sprechen eine andere Sprache: Hier geschieht Moderne, hier wird gebaut, was anderswo schon aus Kostengründen nicht möglich wäre oder anderen Rücksichten (zum Beispiel dem Bürgerwillen) zum Opfer fiele. Hier lässt man die Baumeister der Welt mal zeigen, was ihre Kreativität hergibt. In einem für viele doch überraschenden Maß wurde China damit zum Dorado der globalen Großarchitekten.

ERSTE MARKSTEINE

Sieht man von Hongkong ab, das ohnehin eigenen Traditionen folgt, so entstanden die ersten Bauten des sich als neues Weltzentrum definierenden China in Schanghai. Den ersten echten Markstein setzte der 1995 eingeweihte, 468 Meter hohe „Oriental Pearl Tower“, dessen Kugeln ein wenig an das Brüsseler Atomium erinnern, auch wenn hier auf Schmuckperlen angespielt ist. Drei Jahre später war nebenan der 420,5 Meter hohe Jin Mao Tower fertig, eine innovative Adaption der Pagodenform, entworfen vom Chicagoer Büro Skidmore, Owings and Merrill. Der Wolkenkratzer, damals der größte Chinas, wird seit 2008 vom Shanghai World Financial Center, dem „Flaschenöffner“, überragt, so genannt wegen seines trapezförmigen Lochs kurz unter dem 492 Meter hohen First. Der Entwurf des Büros Kohn Pedersen Fox verabschiedet sich gänzlich von irgendwelchen Assoziationen an Chinesisches.

Und schon wächst, wiederum in der Nachbarschaft, nach Plänen des amerikanischen Büros Gensler der Shanghai Tower in den Himmel. Spiralig gedreht, wird er ebenso seine eigene, globale Formsprache sprechen und mit 632 Metern Höhe bei seiner Fertigstellung im Jahr 2014 das höchste Gebäude Chinas und das zweithöchste der Erde sein.

VERSAMMLUNG GROSSER NAMEN

Es geht aber nicht nur um einen Wettlauf in der Vertikalen. Dies zeigt schon das Nationalstadion in Peking, ein Entwurf des Schweizer Büros Herzog & de Meuron, der mit seiner so irregulären wie markanten Form als „Vogelnest“ bekannt wurde. Ähnlich spektakulär sind in der Hauptstadt das Nationaltheater (National Centre for the Performing Arts), ein äußerst umstrittener Bau des Franzosen Paul Andreu, sowie Rem Koolhaas’ und Ole Scheerens neue Zentrale von China Central Television (CCTV). Als winklig-schräge Schleife mit einer Höhe von 234 Metern besitzt sie die weltweit komplizierteste Hochhausstatik.

Auch deutsche Architekten mischen an vorderster Front mit – und bauen nicht nur einzelne Gebäude, sondern, am Rand von Schanghai, gleich ganze Städte: Das Hamburger Büro gmp – von Gerkan, Marg und Partner konzipierte die Lingang New City, das Frankfurter Büro Albert Speer und Partner die Anting New Town, deren dreistöckige Häuser als Gegenentwürfe zur auftrumpfenden Avantgarde sich bewusst in eine mitteleuropäisch kleinmaßstäbliche Bautradition stellen. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

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