Was wäre die bretonische Küche ohne Crêpes und Galettes! Besonders mittags werden die dünnen Pfannkuchen in Crêpes-Bäckereien stapelweise für den Hausgebrauch gebacken oder in den zahlreichen Crêperien als preiswertes Mittagsmahl serviert.
Erfunden wurde das Nationalgericht der Bretagne aus der Not heraus. Im 14. Jahrhundert durfte Brot nur in den Öfen der Adligen gebacken werden – für die dünnen Crêpes reichten hingegen die einfachen Pfannen der Bevölkerung. Damals wurden die Teigfladen ausschließlich aus Buchweizen hergestellt. Heute werden zwei Mehlsorten verwendet. Nur für die salzigen „Galettes“ wird heute noch „blé noir“, wie der Buchweizen in der Bretagne heißt, benutzt – die süßen Crêpes hingegen werden ausschließlich aus Weizenmehl gebacken.
Sind die „Galettes“ üppig mit Ei, Schinken oder Käse belegt, heißen die Teigfladen „complète“. In der Hauptstadt Rennes werden die Galettes besonders herzhaft genossen – als „Robiquette“ mit Bratwurst. Aber auch die Kuttelwurst Andouille oder Speck werden zur Füllung der Galette genommen. Der Klassiker unter den süßen Crêpes heißt „beurre-sucré“ und wird mit leicht gesalzener Butter und Zucker serviert. Bei der berühmten „Crêpes Suzette“ wird ein Orangenlikör hinzugefügt. Typisch bretonische Füllungen sind auch die Maronencreme aus Redon und die Erdbeerkonfitüre aus Plougastel-Daoulas. Gebacken werden beide Pfannkuchenarten stets auf einer randlosen Heizplatte, der „billig“, die schon während der Teigzubereitung auf 200°C erhitzt wird. Mit einem „rosel“, einem kleinen, flachen Holzrechen, wird der Teig hauchdünn verteilt und mit einem „spanell“ gewendet, sobald er goldbraun und knusprig ist.
Bis heute ist die Liebe der Bretonen zu ihrem Nationalgericht unerschütterlich. Crêperien finden sich in allen Orten zuhauf und sind ein beliebter Mittagstisch – und daher meist abends geschlossen. Dafür, dass die Pfannkuchen keine Fabrikware, sondern hausgemacht sind, bürgt das Gütesiegel „Crêperies gourmandes“, das im Jahr 2000 von der Region Centre-Ouest ins Leben gerufen und mittlerweile auf die gesamte Bretagne ausgeweitet wurde. Inzwischen umfasst es mehr als 100 Crêperien in der Region. Auch in den Familien kommt mindestens einmal pro Woche, meist am fleischlosen Freitag, Crêpes auf den Tisch. Und sind einige Pfannkuchen übrig geblieben, werden sie am nächsten Morgen mit Butter und Marmelade zum Frühstück verzehrt. Fest verankert in der Tradition ist auch der Brauch, dass die Braut am Hochzeitstag eine Crêpe backt. Gelingt ihr das schwungvolle Wenden, so die Legende, wird die Ehe glücklich sein…
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