Weihnachten in den Alpen ist für viele der Inbegriff für ein traditionelles Christfest: drinnen eine urig-gemütliche Atmosphäre, draußen die stille Winterlandschaft… Dass damit eher die romantisch-vergnüglichen Seiten betont werden, ist verständlich. Man hört doch lieber in der warmen Stube die Scheite knistern, als bei klirrender Kälte Holz zu hacken.
Diese Einstellung entspricht durchaus der Tradition. Das Leben in den winterlichen Bergen war früher hart, Essen oft karg und knapp. Da kam Weihnachten gerade recht, um es sich gut gehen zu lassen, besondere Speisen aufzutischen und Dinge zu tun, für die im Alltag kein Platz war. Im frühen Christentum war der Advent zunächst jedoch eine Fastenzeit, die bis zum Heiligen Abend dauerte. Die Würstchen mit Kartoffelsalat oder Kraut, die es bei vielen am 24. gibt, sind ein Überbleibsel dieser althergebrachten Tradition – auch wenn einfache Gerichte heute eher unter dem Motto „Nur keine Umstände“ serviert werden. Üppig gegessen wurde erst nach Heiligabend, der eigentlich nur der Auftakt zu den Festivitäten ist… und am 25. hat die Gans dann auch genügend Zeit im Rohr.
Die Christmette ist auch im Alpenraum Höhepunkt der religiösen Feierlichkeiten, entsprechend gut besucht sind die Kirchen in Dörfern und Städten. Wer am 24. ein einsames Bergkirchlein besuchen möchte, sollte sich also rechtzeitig aufmachen …
Noch schwieriger ist es, an Heiligabend einen Platz in der Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bei Salzburg zu finden. Denn hier, wo 1818 erstmals „Stille Nacht“ erklang, wird das wohl bekannteste Weihnachtslied nun in den Sprachen der Anwesenden gesungen. Und dazu trifft sich alle Welt! Offenbar schlägt das Werk von Komponist Franz Xaver Gruber und Textdichter Joseph Mohr bei vielen eine Saite an – vielleicht auch, weil „Stille Nacht“ so gut in eine verschneite Alpenlandschaft passt? Alles rund ums Lied und seine Schöpfer erfährt man – auch an anderen Tagen – in der Kapelle und dem nahen „Stille Nacht“- und Heimatmuseum Oberndorf.
Nach stiller Nacht und üppigem Essen hoffen alle auf Feiertagswetter: dass der Himmel in tiefem Blau erstrahlt, die Felder verschneit sind, und die Sonne auf Bäumen glitzert.
Dann können sich Nostalgiker dick eingemummt auf einen Schlitten setzen und von Pferden mit klirrendem Geschirr durch ein Winter-Wunder-Idyll ziehen lassen. Schließlich vergnügte man sich an Feiertagen schon zu altvorderer Zeit auf diese Weise. Wem dies zu bequem ist, dem bieten geführte Schneeschuhtouren eine sportliche Alternative mit historischem Gerät. Bei dieser seit Urzeiten bewährten Fortbewegung im Schnee weiß man, was mit all den Kalorien geschieht – und sieht die winterliche Bergwelt auch mal abseits der Pisten. Schlittenfahrten wie Schneeschuhwanderungen werden in nahezu allen Winterurlaubsorten im Alpenraum angeboten.
Auch wenn es das Wetter nicht mitspielt, muss man nicht zu Hause zu bleiben. Ein traditionelles Weihnachts-Ausflugsziel im ganzen Alpenraum sind die liebevoll gestalteten Krippen, die lange Zeit einen höheren Stellenwert besaßen als der geschmückte Weihnachtsbaum. Diese von italienischen Vorbildern ausgehende Krippenkultur hat sich in Österreich und Süddeutschland bis heute erhalten. So finden sich kunstvolle Darstellungen der Weihnachtslegende – heute würde man sagen Installationen – in vielen Privathäusern und Kirchen, und mancherorts wurden eigene Krippenmuseen eingerichtet, um die traditionelle Handwerkskunst zu würdigen. Eine der größten und schönsten Krippensammlungen der Welt ist im Bayerischen Nationalmuseum in München noch bis Ende Januar zu sehen.
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