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Drehort Malta
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Brad Pitt war auch schon hier 

von Gabriele Walter und Klaus Bötig

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Quelle: ©DuMont Bildatlas / Markus Kirchgessner

Malta nimmt viele Rollen an: ob Athen oder Amrum, Jerusalem oder Beirut. Wenn der Regisseur es so will, wandelt Jesus hier über das Wasser, sinkt die Pamir, kämpft Achilles um Troja. Alles live und auf Celluloid – oder heute doch meist digital. Jedenfalls schätzen die Teams von ARD und BBC Malta als Drehort ebenso wie Hollywood und Bollywood.

Steven Spielberg war unaufmerksam. Das ist sonst nicht seine Art, und es dauerte auch diesmal nicht lang. Ort der Handlung? Vor dem Hotel „Primera“ in Buggiba an der St. Paul’s Bay. Worum es geht? Um die Dreharbeiten zum Thriller „München“. Und worum genau? Um eine Szene, die in Athen spielen soll. Sie können uns noch folgen? Falls nicht, sind Sie in bester Gesellschaft. Denn auch Steven Spielberg, wir sagten es schon … – aber lassen wir das. Jedenfalls rollt nun in einem Film, der „München“ heißt, in einer Szene, die in Athen spielen soll, einer der typischen orangefarben Malta- Busse durchs Bild. Und zwar nicht nur am Drehtag vor Ort vor dem Hotel „Primera“ in Buggiba an der St. Paul’s Bay, sondern auch noch im fertigen Film. Was ein für alle mal dokumentiert, wo der Film gedreht wurde.

Maltesische Städte mit fremder Identität

Und das ist keineswegs der Normalfall, denn üblicherweise nehmen maltesische Städte und Dörfer, Bauten und Landschaften eine fremde Identität an. Was bei den Dreharbeiten vor Ort dann manchmal etwas kurios wirken kann. Etwa wenn auf einmal in den Gassen von Valletta weißblaue Flaggen mit Davidstern gehisst sind wie an einem israelischen Nationalfeiertag. (Gedreht wurde der Fernsehfilm „Eichmann“ mit Thomas Kretschmann in der Titelrolle, „Eichmanns Gefängniszelle“ gehörte zur Polizeistation von Hamrun.)

Zwar erweist sich nicht jeder Film, der zumindest teilweise auf Malta gedreht wurde, als Kassenschlager – Guy Ritchies als Starvehikel für Madonna gedrehter Film „Stürmische Liebe – Swept away“ ging in jeder Beziehung baden; was man aber dem Drehort vielleicht noch am wenigsten zur Last legen kann –; aber Maltas Regierung sieht in der Filmindustrie einen zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig und hält die Filme für potenziell tourismusfördernd: selbst dann, wenn kein maltesischer Bus im Film herumfährt. Zwar haben nur etwas weniger als 100 Malteser in der Filmindustrie einen Dauerarbeitsplatz gefunden, doch da- für gibt es hier Hunderte von attraktiven Nebenerwerbsquellen für Komparsen und Handwerker, Techniker, Chauffeure.

Bollywood auf Malta

Natürlich gibt es auch Filme, die Malta Malta sein lassen, in denen ein umherfahrender maltesischer Bus also durchaus seine Richtigkeit hätte. Diese Filme fördert man natürlich besonders gern. Bollywood zum Beispiel ist ständig auf der Suche nach exotischen Kulissen; und von Indien aus gesehen ist Malta ziemlich exotisch. 2009 drehten deshalb acht Tage lang Bollywood-Stars in Mdina und Valletta, Floriana und Comino, Ghar Lapsi und Dingli den Streifen „Vinnai Thandi Varuvaya – Wirst du vom Himmel herabsteigen“.

WASSERBECKEN FÜR FILMCREWS

Das bedeutendste Argument, Filme auf Malta zu drehen, sind freilich die Wasserbassins der Mediterranen Film Studios nahe Kalkara, dessen deutscher Hauptanteilseigner und Leiter Jost Merten die blonde Cornelia Azzopardi-Schellmann als Studio Managerin eingesetzt hat. Das Hauptbecken ist 122 mal 92 Meter groß und bis zu 1,95 Meter tief, kann binnen acht Stunden mit 22 Millionen Liter Wasser gefüllt werden. Es liegt so günstig nahe dem offenen Meer, dass sein Rand mit dem Meereshorizont verschmilzt, sodass hier perfekte Hochsee-Szenen gedreht werden können. Zudem ist die Zusammenarbeit mit den Behörden so gut, dass während des Drehs einer antiken Seeschlacht kein moderner Container-Frachter durchs Bild fährt. Riesige Ventilatoren können Stürme erzeugen, Wellen- und Nebelmaschinen für katastrophales Wetter sorgen.

Kein Wunder, dass sich in diesem Bassin schon einige der dramatischsten Schiffsuntergänge der Geschichte abspielten. Wolfgang Petersen ließ hier die Besatzung der Viermastbark Pamir für seinen Fernseh- Zweiteiler „Der Untergang der Pamir“ gegen den Tod ankämpfen, Joseph Vilsmaier für ZDF und ORF das Flüchtlingsschiff „Die Gustloff“ untergehen. „U-571“ kämpfte sich durchs Bassin, Christian Clavier und Gérard Depardieu ließen sich als Asterix und Obelix von Monica Belluccis hinreißend verkörperter Cleopatra betören. Bully Herbig ließ auf dem Studiogelände ein Wikingerdorf aufbauen, und Brad Pitt agierte als Achilles in Wolfgang Petersens „Troja“.

Popeye Village als Touristenattraktion

Auch für Dokumentationen ist das Wasserbassin der Studios gefragt: Der Discovery Channel ließ hier Haifischattacken drehen, ein russischer Produzent einen Eisberg kreieren. Für eine BBC- und Discovery Channel-Doku zu den Wundern Jesu schritt hier sogar ein Schauspieler übers Wasser.

Nicht mehr gebrauchte Schiffsattrappen und Kulissen rosten heute auf dem Studiogelände vor sich hin. Ganz anders ging man im Norden Maltas an der Anchor Bay mit dem Popeye Village um. Erstmals 1979 von Regisseur Robert Altman als romantisches Dorf für die Verfilmung der weltberühmten Comicserie ersonnen, ist es danach – abgebrannt und wieder aufgebaut – zu einer der großen Touristenattraktionen des filmreifen Inselstaats geworden. Dem spinatliebenden Titelhelden sei Dank!

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