Fast 3 Mio. Menschen leben im Großraum von Miami, der einzigen US-amerikanischen Großstadt, in der weiße, englischsprachige Amerikaner mit nur noch einem Drittel die Minderheit der Bewohner bilden. Das Stadtbild prägen die vielen lateinamerikanischen Einwanderer, allein 600 000 Exil-Kubaner leben an der Südspitze von Florida. So präsentiert sich die Stadt auch als Drehscheibe von Handel, Finanzen und Kultur zwischen dem Norden und dem Süden des amerikanischen Kontinents. Mit glitzernden Wolkenkratzern aus Stahl und Glas im Financial Distrikt, dem größten Kreuzfahrthafen der Welt, aus dem täglich Cruise Liner zu Rundfahrten in die Karibik aufbrechen, und einer Restaurantszene, die sich als Floribbean bezeichnet und kulinarische Anregungen aus Lateinamerika und anderen Regionen miteinander verbindet.
Spanische Konquistadoren und Tequesta-Indianer, Yankees und Kubaner, Bankentürme und Art-déco-Resorts – Miami und das vorgelagerte Miami Beach vereinigen vieles miteinander. In nur hundert Jahren hat sich ein moskitoverseuchtes Sumpfgebiet in eine tropische Großstadt verwandelt. Im Jahre 1896 rollte der erste Zug der Florida East Coast Railway nach Miami, einen damals abgelegenen Fischerort mit einigen Zitrusplantagen. Dann ging alles ganz schnell. Exzentrische Visionäre erschlossen Grundstücke, bauten Golfplätze und Strandhotels für vermögende, sonnenhungrige Urlauber aus dem Nordosten der USA. Weltwirtschaftskrise, Immobilienboom und Verwüstungen durch Hurrikans lösten einander in schnellem Wechsel ab. Vor 50 Jahren unterhielten Frank Sinatra, Bob Hope und andere Showstars in Riesenhotels wie dem Fontainbleau Hilton den Geldadel der amerikanischen Ostküste. Als 1959 Fidel Castro mit seinen Guerilleros das Regime des kubanischen Diktators Battista stürzte, löste er einen Flüchtlingsstrom aus, der bis heute anhält. Die Region von Miami zählt über 11 Mio. Besucher im Jahr, die Kultur, Strände und das angenehme Klima mit einem Jahresmittel von 24,4 °C genießen.
Wer sich in der Metropole orientieren will, sollte sich zwei Straßennamen merken. Die Flagler Street trennt die Stadt in eine nördliche und eine südliche Hälfte, die von Nord nach Süd verlaufende Miami Avenue teilt sie in einen kleineren Ost- und einen größeren Westabschnitt. Der Metromover, eine kostenlose vollautomatische Schienenbahn, fährt auf einer Hochstrecke von gut 7 km in zwei Schleifen durch Downtown Miami. Er verbindet Hotels, Museen und Bürohochhäuser mit dem Bayside Park und dem Kulturzentrum der Stadt. Doch auch einige Stadtteile lohnen einen Besuch.
Eine eigene Welt ist zum Beispiel Little Havana, das kubanische Viertel um die SW 8th Street. In der Durchgangsstraße, die hier Calle Ocho heißt, reihen sich kubanische Restaurants, Buchhandlungen und kleine Manufakturen, die dicke Havanna-Zigarren drehen, aneinander. Selbst der traditionsreiche amerikanische Hot Dog heißt hier Perro Caliente. Im März ist halb Lateinamerika auf den Beinen, wenn 1 Mio. Besucher zum Straßenfest „Calle Ocho“, dem größten lateinamerikanischen Volksfest Nordamerikas, zusammenströmen.
Coral Gables ist in den 1920er-Jahren nach den Plänen des Architekten George Merrick entstanden. Mit spanischer Architektur und spanischen Straßennamen unterscheidet sich dieses Viertel von vielen meist in Planquadraten angelegten amerikanischen Städten. Der Venetian Pool, eine öffentliche Badeanstalt mit Bögen und Treppen, wurde dekorativ in einen früheren Steinbruch eingepasst. Das muntere Viertel Coconut Grove nicht weit von der Universität hat sich aus einer alternativen Künstlerkolonie entwickelt und lädt heute mit Straßencafés und Boutiquen am Coco Walk zum Bummeln ein.
Miami Beach wiederum ist eigentlich eine eigene Stadt mit knapp 90 000 Einwohnern, die sich auf 17 mit Brücken verbundenen Barriereinseln vor Miami an der Küste entlangzieht. Hier spielen tagsüber die Atlantikstrände die Hauptrolle, mit dem Bad in der Sonne oder im erfrischenden Meer. Und abends locken Bars, Restaurants und Discos zum aufregendsten Nachtleben in ganz Florida.
Die meisten der heute luxusrestaurierten Hotels und Restaurants im Art-déco-Viertel von Miami Beach sind in den 1930er-Jahren entstanden. Weiche Farben und Formen, die rechte Winkel betonen, pastellfarbene, stilisierte Pflanzen- und Tierornamente, nautische Anklänge, wie Bullaugenfenster oder an Decksaufbauten erinnernde Elemente sind heute wieder ganz im Trend. Noch vor 20 Jahren sahen die Pläne großer Investoren vor, das altmodische Viertel zu Gunsten großer Hotel- und Apartmentbauten komplett abzureißen. Eine Bürgerinitiative verhinderte das. Inzwischen gehört der Art-déco-District im Süden von Miami Beach mit rund 800 Gebäuden zu den „Hot-Spots“ von Florida – mit hippen Hotels und ultraschicken Bars gleich vis-á-vis vom South Beach Strand.
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