zurück zu den Reportagen zurück zu den Reportagen
Lavendel
Vielen Dank für Ihre Bewertung

Blauviolette Felder 

von Rita Henß

Bild 02_Artikel_Provence
Quelle: © ClipDealer.com/ javarman

Vom Duft des Lavendels ist die Luft im Hochsommer mancherorts in der Provence erfüllt. Fünf touristische Lavendelstraßen, an denen kleinere und größere Destillerien liegen, durchziehen die Region.

Mit ihrem blauvioletten Leuchten gelten die Lavendelfelder als das Symbol der Provence. Doch halt: Fast alles, was das Auge (und bei Blüte und Ernte auch die Nase) zwischen Rhônetal und den Ausläufern der Alpes-de-Haute-Provence betört, ist nicht der „echte“ Lavendel, sondern Lavandin, ein Hybrid mit deutlich höherem Kampfergehalt.

Echter Lavendel (botanisch „lavendula angustifolia“ oder „vera“) macht mit rund 4 000 Hektar Fläche nur knapp ein Fünftel der gesamten provenzalischen Pflanzungen aus. Die Kultivierung der fein duftenden Pflanze begann erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Lavandin-Kulturen kamen dann Ende der 1920er-Jahre auf. Letzterer, botanisch „lavendula latifolia“, ist eine Kreuzung aus echtem Lavendel und dem ebenfalls zur Lavendelfamilie zählenden, deutlich größeren Speik.

Wirtschaftliches Interesse

Man findet das Duft- und Heilkraut, wo karge Hügel die fruchtbaren Ebenen ablösen: auf dem Plateau von Valensole, an den Hängen des Mont Ventoux und der Montagne de Lure. Tatsächlich schafft es dort einen prächtigen Ausgleich – landschaftlich wie wirtschaftlich. Das war aber nicht immer so. Einst schnitten die Hirten- und Bauern familien der Provence nur den wilden Lavendel der Berge. Erst mit der Blüte der Parfumindustrie in Grasse änderte sich dies. Die Nachfrage an der blauen Duftpflanze stieg kräftig an. Als die wilden Fel der nicht mehr ausreichten, organisierten sich die Bauern und legten erste Lavendelkulturen an.

Von der Blüte zur Ernte

Zehn Jahre etwa „lebt“ ein Lavendelfeld. Seine erste Blüte erfolgt im zweiten Jahr, die höchsten Erträge sind zwischen dem vierten und dem sechsten Jahr zu verzeichnen. Gepflanzt werden die jungen Lavendel- und Lavandin-Schößlinge im Februar/März, ausgesetzt in die Kulturen ab April. Nach der Blüte Ende Juni/Anfang Juli wird rasch geerntet, zunächst per Hand (ein guter Schnitter schneidet bis zu hundert Kilogramm pro Tag), dann mechanisch für die Destillation im Kupferkessel. Bei dieser traditionellen Methode löst Wasserdampf die ätherischen Öle der Pflanze.

Ein Hektar echter Lavendel ergibt zwischen 15 und 20 Kilogramm Essenz; beim Lavandin liegen die Erträge hingegen um ein Vielfaches höher (60–150 kg). Um sich vor Billigkonkurrenz zu schützen, wurde im Jahr 1981 für echtes provenzalisches Lavendelöl das vom Wein bekannte AOC-Gütesiegel (Appellation d’origine controlée) eingeführt.

Insgesamt rund 2000 Lavendelproduzenten verzeichnet die Berufsgenossenschaft für französische Öl-Essenzen (C.I.H.E.F.); die Region Vaucluse und im Besonderen das Plateau de Sault produzieren 40 Prozent des Aufkommens an Lavendel-Essenz in Frankreich.

Geradezu ein Alleskönner

Bereits Plinius erwähnt, dass Lavendel von den Römern als Badezusatz und zum Behandeln der Wäsche verwendet wurde (waschen: lat. lavare). Als Heilpflanze kannten ihn bereits die alten Griechen; auch die heilige Hildegard empfiehlt ihn als Medizin. Lavendel ist für seine antiseptische und beruhigende Wirkung bekannt. Er hilft u. a. bei Asthma, Husten, Unruhezuständen, Reizmagen oder nervösen Darmbeschwerden. Lavendelbäder erfrischen bei niedrigem Blutdruck und helfen bei Einschlafstörungen. Parfum wird nur aus dem echten Lavendel gewonnen und auch zum Aromatisieren von Speisen wird nur dieser eingesetzt. Das qualitative nicht so hochwertige Öl des Hybrids Lavandin wird hauptsächlich als Duftzusatz verwendet, zum Beispiel für Seifen oder Putzmittel.

Kultivierte Formen

In einem Bauerngehöft in Coustellet zeigt das Musée de la lavande alles Wissenswerte zur Verarbeitung (www.museedelalavande.com), in Sault widmet man sich seit Generationen der Lavendelkultur und bietet gleich Kochkurse und Kurse zur Parfumherstellung an (www.distillerie-aromaplantes.com). Große Lavendelfeste wie in Valensole, Valréas und Sault orientieren sich an der Blüte beziehungsweise Erntezeit. Oft werden in diesem Rahmen auch alte Schnitttechniken und Destilliermethoden vorgeführt.

Anzeige

Weitere Inhalte

mehr Videos

Weitere Videos YouTube Logo

mehr Bilder

LanternsOld Town, NiceWild HorsesSchlossbrucke, Berlinrooftops of bonnieuxRamatuelle.Ramatuelle.DSC_4199Seillans, ProvenceL'institut Gastronomie Riviera (France - Provence)Pont du gardIsle sur Sorgues Provence
flickr Logo

Reisewetter

Paris
Donnerstag,
17.05.12
wolkig
5C / 16C
Freitag,
18.05.12
stark bewölkt
9C / 16C
Samstag,
19.05.12
heiter
6C / 21C
Ausführliches Reisewetter auf wetter.net Logo