Kaum zu glauben, aber noch vor zwei Generationen wurde aus den Rotweintrauben des Piemont meist süßer Sekt gekeltert. Heute werden die trockenen Jahrgangsweine weltweit zu Spitzenpreisen gehandelt.
Im Hügelland der Langhe südlich von Alba liegen Orte, deren Namen Weinkennerherzen höher schlagen lassen. Zwischen La Morra und Verduno, Grinzane Cavour und Monforte d’Alba, zwischen Castiglione Falletto und Roddi wächst auf den kalkhaltigen Mergelböden der Südhänge die anspruchsvolle Nebbiolo-Traube. Außerhalb des Piemont ist diese Rebsorte, aus der sich edelste Rotweine keltern lassen, praktisch nur im Veltlin und Aostatal oder in einigen amerikanischen Versuchsweinbergen zu finden.
Der weltweit gepriesene Vorzeigewein der Region ist der Barolo, der mindestens zwei Jahre im Fass und ein Jahr auf der Flasche reifen muss. Schon Graf Camillo Cavour, der 1860 die Einigung Italiens zustande brachte, ließ bei Staatsempfängen diesen Wein von seinen eigenen Gütern bei Grinzane kredenzen. Nach einer Absatzkrise haben Produzenten wie Elio Altare, Angelo Gaja, Fontanafredda oder das Weingut des ersten Staatspräsidenten Luigi Einaudi den kraftvollen Tropfen wieder berühmt und teuer gemacht. Heute gehört er zur Elite der DOCG-Weine („di origine controllata e garantita“, kontrollierte und garantierte Herkunft). Da allein für die Trauben in Spitzenlagen bis zu fünf Euro pro Kilo gezahlt werden, wundert es nicht, dass gute Barolos kaum unter zwanzig Euro zu haben sind. Inzwischen ist unter den Barolisti ein Trend auszumachen, den tanninreichen Barrique-Ausbau wieder aufzugeben zugunsten der traditionellen Reifung in großen Holzfässern. Die Cantina von Lorenzo Accomasso in La Morra spielt dabei eine tragende Rolle.
Wer weniger tief in die Tasche greifen und doch die edle Rebe schmecken möchte, bestellt einen Nebbiolo delle Langhe oder einen Ghemme aus Ostpiemont. Auch vom
kirschigen trockenen Dolcetto d’Alba bieten Spitzenrestaurants ein Glas meist schon um drei Euro an. In weniger guten Jahren erzeugen verantwortungsbewusste Weingüter übrigens oft nur den Nebbiolo und verzichten auf den Barolo. Der kleine, feine Bruder des Barolo ist der samtige Barbaresco, der in den Dörfern um Barbaresco und Neive reift und ebenfalls zu hundert Prozent aus Nebbiolo erzeugt wird. Allerdings sehen die Regularien nur ein Jahr Reife im Fass vor. Sprachlich leicht damit zu verwechseln ist der Barbera aus dem Monferrato. Ursprünglich ein etwas ungestümer Massenwein, reicht sein Spektrum heute von teuren barriquegereiften Spitzenerzeugnissen bis zu ungeschliffenen Landweinen. Aber das Piemont ist nicht nur Rotweinland. In den Neunzigerjahren erlebte der „piemontesische Chablis“, der Gavi aus der Provinz Alessandria, einen regelrechten Boom in Italien, den USA und England. Der frische, mineralische Wein unterliegt allerdings Qualitätsschwankungen. Ein Gebiet, das im Kommen ist, liegt nördlich des Tanaro-Flusses: das hügelreiche Roero. Der herbe, fein mineralische Arneis gehört zu
den großen und dennoch erschwinglichen Weißweinen Italiens.
Cantine Ascheri
Von einem Vollblutwinzer geführte Cantina mit modernem Hotel und vorzüglicher Familienosteria.
Via G. Piumati 23, 12042 Bra, Tel. 01 72 / 41 23 94,
Fax 43 20 21, www.ascherivini.it
Cantine del Gavi
Im Barockpalast werden piemontesische Klassiker wie Kalbs tatar mit Kräutern serviert – dazu weißer Gavi.
Mo. und Di. nachm. geschlossen.
Via Mameli 69, 15066 Gavi, Tel. 01 43 / 64 24 58,
www.ristorantecantinedelgavi.it
Elio Altare
Bis 1977 wurden die fünf Hektar der Familie Altare noch mit Ochsen gepflügt. Spitzenweingut mit Probierstube.
Fraz. Annunziata 51, 12064 La Morra, Tel./Fax 01 73 / 5 0835,
www.elioaltare.com
Marchesi di Barolo
Großzügige Cantina mit Laden und Salons, in denen für kleinere Gruppen auch Essen arrangiert werden. Die Enoteca gilt als eine der größten Barolo-Sammlungen überhaupt.
Via Roma 1, 12060 Barolo, Tel. 01 73 / 56 44 00, Fax 56 44 44,
www.marchesibarolo.com
Marsaglia
Bei dem stets heiteren Winzerehepaar Emilio und Marina gibt es die Spitzenweine des Roero wie Arneis und Nebbiolo zu maßvollen Preisen. Spezialität ist der süße Birbet.
Via Mussone 2, 12050 Castellinaldo, Tel./Fax 01 73 / 21 30 48,
www.cantinamarsaglia.it
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