„Kein Baum, kein Kraut“: So beschrieb der deutsche Geologe Leopold von Buch die von Vulkanausbrüchen gezeichnete Insel, wie er sie bei seinem Besuch um das Jahr 1825 herum angetroffen hatte. Auch fast 200 Jahre später ähnelt fast ein Drittel der Inselfläche eher einer ausgebrannten Mondlandschaft als einem Ferienparadies.
Montañas del Fuego heißen die Vulkanberge treffend, Feuerberge. Von Eisenoxiden eingefärbt, changiert ihre Farbe von anthrazit bis rostrot. Zwischen den Bergen breiten sich ausgebrannte Schlackefelder und Lavaröhren aus. Letztere entstehen, wenn ein Lavafluss zunächst an der Oberfläche erstarrt, während er im Inneren noch flüssig bleibt und im Weiterfließen einen Hohlraum erzeugt. An der – wie ein Strickmuster strukturierten – Oberfläche solcher Lavaflüsse erkennt man später auch deren Fließrichtung. Vor der Naturkatastrophe gab es in der Region zehn Dörfer. Bis im Jahr 1730 die Erde aufbrach und die Insel auf den Kopf stellte. Nicht über Nacht, sondern scheibchenweise. In immer neuen Eruptionsserien schleuderte die Erde gewaltige vulkanische Bomben durch rund 25 Schlotöffnungen empor, Rauchwolken und Ascheregen verdunkelten auch tagsüber die Atmosphäre. Auf Lanzarote herrschte Weltuntergangsstimmung. Menschen kamen bei dem sechs Jahre lang andauernden Inferno wie durch ein Wunder nicht zu Schaden. Wer konnte, der floh auf die Nachbarinseln oder nach Südamerika.
Von den Siedlungen im zerstörten Areal blieben nur ein paar Namen erhalten. Rodeos, Santa Catalina und im Kerngebiet der Ausbrüche der Weiler Timanfaya. Als einziges Dorf wurde Uga wieder aufgebaut. Jeden Morgen macht sich von dort eine Dromedarkarawane auf den Weg in die Feuerberge. Mehr als hundert Tiere sind unterwegs, eines hinter dem anderen trotten sie über die Landstraße zu ihrem Arbeitsplatz, um Touristen auf dem Rücken durch die kahlen Berge zu schaukeln. Die Straße nach Mancha Blanca ist die einzige Teerstraße, die durch die als Nationalpark ausgewiesene Vulkanlandschaft führt. Sie wurde gebaut, als sich in den 1950er-Jahren ein gewisser General Franco zu einem Besuch anmeldete. Heute wollen täglich Tausende das zerstörerische Werk der Vulkane in Augenschein nehmen, bei von Brian Eno komponierten Sphärenklängen im Panoramabus das vulkanische Geschehen nachempfinden, im Restaurante El Diablo ein mit natürlicher Erdhitze gegartes Steak probieren. Unvorstellbar, dass nur 13 Meter unter den Füßen Temperaturen von 600 Grad Celsius herrschen sollen. Draußen vor dem Vulkangrill wird demonstriert, welch große Hitze dicht unter der Erdoberfläche schlummert. Ein Parkwächter wirft eine Heugabel voll trockenen Gestrüpps in eine nur wenige Meter tiefe Erdspalte, binnen Sekunden brennt es. Noch eindrucksvoller ist die Wasserprobe. Wie bei einem Geysir schießt das eimerweise ins Erdloch gekippte Wasser als haushohe Dampf fontäne in den Himmel. Offensichtlich ist die Insel immer noch in Arbeit.
Parkranger führen auf einer gut zweistündigen Wanderung (Ruta de Tremesana) durch das Gebiet. Anmeldungen im Besucherzentrum (Centro de Visitantes e Interpretación de Mancha Blanca) oder unter Tel. 928 84 08 39. Es empfiehlt sich, frühzeitig zu disponieren – in der Hauptsaison ist die Tour auf Wochen ausgebucht. Individuelle Touren bieten an: Canary Trekking, Marcelo Espino Cabello, www.canarytrekking.com, und LanzaTrekk, www.lanzatrekk.com
Der neue DuMont Bildatlas “Gran Canaria – Lanzarote – Fuerteventura” ist ab sofort im Zeitschriftenhandel erhältlich und ab April 2012 im Buchhandel.
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