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GASTRONOMISCHES
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Aller guten Dinge sind drei 

von Jochen Müssig, München

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Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele

Kulinarische Meisterleistungen sind seit wenigen Jahren spürbar im Vormarsch am Tegernsee. Die Spitzenköche fahren für sich und ihre Restaurants Sterne, Hauben, Kochlöffel, Bestecke und Punkte ein. Die gutbürgerlich-bayerische Küche und traditionelle Biergartenkultur ergänzen das Gastronomieangebot zum feinen Gesamtbild.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Ein Mann aus dem westfälischen Unna sitzt spät abends, wenn der Trubel vorbei ist, öfters mal allein auf dem Bänkchen neben der Schiffsanlegestelle „Überfahrt“. Er schnauft durch, genießt die klare Luft, schaut entspannt auf die Silhouetten der Berge und darüber in die Sterne. Manchmal sinniert er auch: „Der Tegernsee ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht“. Der Mann heißt Christian Jürgens, Zwei-Sterne- Koch des „Gourmetrestaurants Überfahrt“ in Rottach-Egern. Er ist der gastronomische Star am See. „Die Chancen stehen nicht einmal schlecht, dass wir hier vielleicht ein neues Baiersbronn werden.“ Die Schwarzwald-Gemeinde gilt als das kulinarische Mekka Deutschlands mit zwei Drei-Sterne-Tempeln, einem Ein-Stern-Restaurant und einem hochwertigen und breitgefächerte Gasthof-Angebot. Jürgens kam im August 2008 an den Tegernsee und holte seine schon auf der „Burg Wernberg“ in der Oberpfalz erkochten zwei Michelin-Sterne nach nur drei Monaten auch für die „Überfahrt“. „Ich bin noch nicht satt“, sagt er, „und wir kochen hier wie eine Fußballmannschaft, die mit fünf Stürmern und ohne Libero spielt.“ Sein Chef gibt grünes Licht: „Aller guten Dinge sind drei“, meint dazu Patron Thomas Althoff. Für ihn zelebrieren andernorts schon zwei Drei-Sterne-Köche kulinarische Höchstleistungen. Ortswechsel. Mittagszeit in Kreuth: Im Ofen brutzelt der Klassiker der bayerischen Küche, ein Schweinebraten. Nach zweieinhalb Stunden ist das gute Stück fertig. Dann wird serviert: im urigen Biergarten vor der über Jahrhunderte unveränderten Kapelle des idyllisch gelegenen Gasthauses „Altes Bad“. Axel Winkelmanns Philosophie: „Mittags bieten wir bodenständig-bayerische Gerichte und am Abend gehobene, aber nicht abgehobene Küche.“ So fing es auch in Baiersbronn an. Absolute Spitzenköche wie Christian Jürgens und Michael Fell – ein Michelin-Stern für die „Villa am See“ in Tegernsee – gehen vorneweg und heben damit beinah automatisch das kulinarische Niveau, weil viele nachziehen, ohne dabei gleich auf Austern, Jakobsmuscheln und Kaviar zu setzen. „Schweinebraten, Gulasch, Rindsrouladen und andere traditionelle Gerichte sind für jeden Koch die Basis“, bestätigt Christian Jürgens, dessen Lieblingsgericht ein gutes Wiener Schnitzel ist. Seine „Überfahrt“-Karte verspricht dagegen Kreationen vom frisch gefangenen Saibling aus dem Tegernsee in der exotischen Variante „Peru trifft Rottach“. Selbst Show-Gastronomie à la Ferran Adrià, dem Mitgründer der Molekularküche, hält der 41-jährige Jürgens für denkbar am Tegernsee. „Aber man müsste wohl einen langen Atem haben.“ Er setzt da lieber auf seinen Weg mit allerbesten Produkten, raffinierter Zubereitung, exquisitem Ambiente und auf eine Kundschaft, „die nicht an den Tisch starrt, an dem gerade ein Prominenter Platz genommen hat“.

Quelle: DuMont Reiseverlag/Reinhard Eisele Letzteres kann auch mal in einem lauschigen Biergarten passieren, in guten alten Wirtshäusern wie dem „Herzoglichen Bräustüberl“ in Tegernsee oder in dem guten Dutzend Restaurants mit gehobener regionaler Küche. Dazu gehören die besternte „Dichterstub’n“, „Meiwerts Fährhütte“ und die „Kirschner-Stuben“ in Rottach-Egern, das „Freihaus Brenner“ in Bad Wiessee, im Ort Tegernsee das „Restaurant TegernSeh“ und der „Leeberghof“ mit seinem Logenplatz hoch über dem See. Bewirtschaftete Almen runden das gastronomische Angebot der Region auf wunderbar rustikale Weise ab. Alles zusammen lässt darauf schließen, dass der kulinarische Höhenflug der Tegernsee-Region noch länger anhält. Und vielleicht sitzt der Mann aus Unna dann bald mit drei Sternen dekoriert unterm bayerischen Himmelszelt auf seinem Bänkchen neben der Schiffsanlegestelle „Überfahrt“. Und vielleicht denkt er auch mal über das „Klimakochbuch“ des Bund für Umwelt und Naturschutz nach. 500 Gramm Fisch aus Peru schlagen durch den Flugtransport schließlich mit rund sechs Kilogramm Kohlendioxid-Belastung ins Gewicht. Eine Fischkreation „Amrum trifft Rottach“ wäre da keine schlechte Alternative …

ADRESSEN

Dichterstub’n, Aribostraße 19, Rottach-Egern,
Tel. 0 80 22/66 60, www.egerner-hoefe.de

Gabriele Ristorante, Ulrich-Stöckl-Straße 10,
Tel. 0 80 22/66 22 40, www.gabriele-ristorante.de

Kirschner-Stuben, Seestraße 23a, Rottach-Egern,
Tel. 0 80 22/27 39 39, www.kirschner-stuben.de

Meiwerts Fährhütte, Weißachdamm 50, Rottach-Egern,
Tel. 0 80 22/18 82 20, www.maiwertsfaehrhuette.de

Restaurant TegernSeh, Neureuthstraße 23, Tegernsee,
Tel. 0 80 22/18 20, www.hotel-bayern.de

Gourmetrestaurant Überfahrt, Überfahrtstraße 10, Rottach-Egern,
Tel. 0 80 22/66 90, www.gourmetrestaurantueberfahrt. com

Villa am See, Schwaighoferstraße 53, Tegernsee,
Tel. 0 80 22/18 77 00, www.villa-am-see-tegernsee.de

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